Rechtsanspruch auf Erholung

München - Früher gingen die Großeltern regelmäßig in Kur. Bad Kreuznach oder Bad Wörishofen war das Ziel. Heute, so hat man den Eindruck, fährt kaum einer mehr in Kur. So einfach scheint es die bezahlte Erholung nicht mehr zu geben. "Ein Trugschluss", wie Carola Sraier von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland aufklärt.

"Jeder Patient hat das Recht auf eine Kur, wenn sie medizinisch notwendig ist." Allerdings ist der Papierkrieg, bis zur Genehmigung für viele Ärzte ein "lästiger Aufwand", wie eine Ärztin gesteht. Zudem sei die Voraussetzung der "medizinischen Notwendigkeit" oft ein umstrittener Punkt zwischen Kasse, Arzt und Patient. Fazit: Wer eine Kur möchte, sollte das Antrags-Verfahren genau kennen.

Kur als Pflichtleistung der Kasse

Die Kuren, zu denen die Großeltern vor 20 Jahren aufbrachen, waren oft reine Vorsorgemaßnahmen: Nach dem Frühstück im Traditions-Hotel und den ausgedehnten Spaziergängen kam mal eine Massage dran. "Von dieser Qualitätsstufe haben wir uns lange verabschiedet", sagt Edelinde Eusterholz, Leiterin der Abteilung Prävention und Rehabilitation des Verbands der Angestellten Krankenkassen (VdAK) in Siegburg. Nicht zuletzt sei "das Geld knapper, und man muss es deshalb zielgerichteter einsetzen". Da frage man schon genauer nach, wer da in Kur gehen möchte.

Grundsätzlich haben Krankenkassen und Rentenversicherer, die für die Kosten eines Kuraufenthaltes aufkommen, nichts gegen eine Kur. Im Gegenteil: Mit der Gesundheitsreform 2007 ist der gesamte Bereich der medizinischen Rehabilitation zur Pflichtleistung der Kassen geworden. Damit haben Patienten einen besseren Stand, was die Bewilligung angeht. In den letzten Jahren war die Ablehnungsquote für Mutter/Vater-Kind-Kuren so in die Höhe geschossen, dass viele Einrichtungen schließen mussten und vielen Müttern eine Kur verwehrt blieb, berichtet Petra Gerstkamp, stellvertretende Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks in Berlin. Seit der Reform würden wieder deutlich mehr Anträge bewilligt.

Patienten, die eine Kur in Anspruch nehmen möchten, sollten wegen ihrer Beschwerden unbedingt einen Arzt aufgesucht haben. Wer sich mit einem Erschöpfungs-Syndrom oder ständigen Rückenbeschwerden nie zum Arzt begibt, dann aber in Kur fahren möchte, hat oft schlechte Karten. Ambulanten Behandlungsmaßnahmen wird von Ärzten und Kassen zunächst der Vorzug gegeben (mit Ausnahme der Mutter-Kind-Kuren). Wenn diese nicht zur Heilung führen, kommt die dreiwöchige Kur in Betracht. "Eine Kur ist eine Intensivierung der ambulanten Versorgung", betont Sraier.

Behandelnder Arzt muss Antrag stellen

Alle vier Jahre darf man in der Regel einen Antrag auf die medizinische Erholung stellen. Auch junge Patienten und Kinder haben einen Anspruch. Erste Anlaufstelle ist der Arzt. Allerdings muss man hier die nächste Hürde nehmen: Er muss bei Anträgen an die Krankenkasse eine spezielle Qualifizierung im Bereich Rehabilitation oder physikalische Medizin haben. "Das bedeutet für den Patienten, dass er unter Umständen zu einem ihm unbekannten Arzt gehen muss, der sein Beschwerdebild nicht genau kennt", sagt Sraier.

Im Antrag sollte man darauf achten, dass alle Fragen sorgfältig beantwortet werden. Oftmals werden die Anträge von den Ärzten nachlässig ausgefüllt. Der Patient sollte eventuell fehlende Therapien oder Diagnosen nachtragen. Auch wichtigste Nebendiagnosen, ergänzende Facharztbehandlungen, verordnete Therapien am Wohnort, Familienbelastung durch Erziehung und/oder die Pflege von Angehörigen sind Punkte, die man in einem Antrag keinesfalls vergessen sollte. "Für den Gutachter muss sich ein umfangreiches Bild der Beschwerden ergeben", sagt Sraier. Das erhöhe deutlich die Chancen auf eine Bewilligung.

Ein  lückenhaft ausgefüllter Kurantrag ist auch der häufigste Grund für eine Ablehnung. Einen negativen Bescheid daher immer genau überprüfen und gegebenenfalls Widerspruch einlegen.

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