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Unter dem Strich rutschte die Deutsche Bank mit einem Fehlbetrag von 92 Millionen Euro wieder in die roten Zahlen. Foto: Boris Roessler

Deutsche Bank mit roten Zahlen

Frankfurt/Main (dpa) - Nach erneuten roten Zahlen holt sich die Deutsche Bank einen neuen Finanzchef vom Erzrivalen Goldman Sachs.

Marcus Schenck war erst vor einem Jahr zu der Investmentbank gewechselt - und zuvor langjähriger Finanzvorstand beim Energieriesen Eon. Zugleich wird die Führungsriege von Deutschlands größtem Geldhaus umgebaut.

Die zahlreichen juristischen Risiken drückten den Branchenprimus im dritten Quartal mit einem Fehlbetrag von 92 Millionen Euro in die roten Zahlen, wie die Bank am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Vor einem Jahr standen noch 51 Millionen Euro Überschuss. Es ist der dritte Quartalsverlust in der seit zweieinhalb Jahren dauernden Amtszeit der Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain.

Da ein Großteil steuerlich nicht abzugsfähig ist, fiel die Steuerbelastung verglichen mit dem Vorjahr drastisch höher aus. Das Vorsteuerergebnis von 18 Millionen Euro von vor einem Jahr stieg indes auf 266 Millionen Euro. Dabei profitierte die Bank auch von einem wieder stärkeren Investmentbanking.

Für die Rechtsrisiken werden nunmehr rund drei Milliarden Euro zurückgestellt, 894 Millionen mehr als zuvor, wie bereits am Freitag bekanntgegeben worden war. Jain räumte am Mittwoch in einer Telefonkonferenz ein, dass die Bank die Herausforderungen mit ihren Altlasten unterschätzt habe. Deshalb soll es nun mit Christian Sewing einen neuen Rechtsvorstand extra für diesen Bereich geben. "Wir machen diesen Schritt, um uns auf die Abarbeitung von Rechtsstreitigkeiten zu fokussieren", erklärten Jain und Fitschen. Bislang kümmerte sich Stephan Leithner um die Rechtsfälle. Sein Zuständigkeitsbereich wird nun gestutzt - er soll sich als Europachef stärker ums operative Geschäft kümmern.

Was die Aufarbeitung der juristischen Baustellen angeht, so ist ein Ende nicht in Sicht. "Beim Blick voraus ist kurzfristig weiterhin mit Gegenwind zu rechnen", so die beiden Chefs. Die Liste der Rechtsstreitigkeiten ist lang und einer der größten Unsicherheitsfaktoren für das Institut. Beispielsweise manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken über Jahre die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander (Libor/Euribor). Die Deutsche Bank akzeptierte Ende 2013 eine EU-Strafe. In den USA und Großbritannien steht eine Einigung noch aus. Die könnte nun kommen - die Bank bestätigte im Quartalsbericht direkte Verhandlungen mit den Behörden.

Der Goldman-Sachs-Manager Schenck soll nach der Hauptversammlung am 21. Mai 2015 das Finanzressort übernehmen. Der bisherige Finanzchef Stefan Krause wird ab 1. November schon für das neue Ressort Strategie und Organisationsentwicklung zuständig sein.

Neben den Spitzenpersonalien für Finanzen und Recht gibt es weitere Veränderungen im Vorstand: Ein Signal für die Zukunft soll die Ausweitung der Aufgaben von Operativ-Chef Henry Ritchotte sein. Er soll sich künftig auch um digitale Themen kümmern. Diesen Bereich hat die Deutsche Bank nach Einschätzung von Kritikern bislang eher vernachlässigt. "Wir sehen beträchtliche Chancen in der Digitalisierung unseres Geschäfts", sagten Jain und Fitschen. "Während sich Wettbewerber aus Märkten zurückziehen, bestehen für uns als globale Universalbank zunehmend Chancen, uns mit umfassenden Kundenlösungen zu differenzieren."

Vor einem Jahr war die Deutsche Bank bereits tief abgestürzt. Damals hatte sie für juristische Auseinandersetzungen 1,2 Milliarden Euro zurückgelegt. Zudem musste das Investmentbanking deutlich Federn lassen. Angesichts neuer Unsicherheiten an den Finanzmärkten belebte sich dieses Geschäft seit September wieder. Das gab der Deutschen Bank einen Schub - Analysten hatten sich aber mehr erhofft. Einen leichten Gewinnzuwachs gab es auch im Privatkundengeschäft, das aber angesichts der Niedrigzinsen weiter keine großen Sprünge macht.

Zu einer Erfolgsgeschichte für Jain und Fitschen scheint sich hingegen die Vermögensverwaltung zu entwickeln. Die lange unter Abflüssen leidende Sparte verzeichnete das dritte Quartal in Folge Zuflüsse - diesmal 17 Milliarden Euro.

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