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Wenn es mal gekracht hat, schützen Verkehrsrechtsschutz-Versicherungen vor hohen Prozesskosten. Entsprechende Policen gibt es ab etwa 60 Euro im Jahr.

Rechtsschutz: Rückendeckung vor Gericht

Die Kündigung flattert überraschend ins Haus oder der Vermieter macht Ärger – man muss kein „Streithansel“ sein, um vor Gericht zu landen. Rechtsschutzversicherungen bieten finanzielle Rückendeckung. Für wen sich eine Police lohnt – ein Überblick.

In Krisenzeiten mit angespannter Arbeitsmarktlage gewinnt die Rechtsschutzversicherung an Bedeutung. Die Zahl der Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber wegen betriebsbedingter Kündigungen oder Abfindungen nehmen zu: 2009 meldeten die Rechtsschutzversicherer 642 000 Arbeitsrechtsschutzfälle. Das sind 13 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die Zahlen steigen auch in jüngster Zeit weiter an“, sagt Katrin Rüter vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Auch in anderen Lebensbereichen ist man vor gerichtlichen Streitigkeiten nicht sicher. „Ein Streitfall tritt häufig unerwartet ein und kann unkalkulierbare Kosten mit sich bringen“, sagt Rüter.

Viele Streitigkeiten enden mit Vergleich

Eine Police sollte man abschließen, wenn man die existenziellen Risiken unter Dach und Fach hat: private Haftpflichtversicherung, Berufsunfähigkeits-, Risikoleben-, Unfall- und Hausratversicherung haben Priorität. Manche meinen, auf die Rechtsschutzpolice ganz verzichten zu können, da der Versicherer nur leiste, wenn der Prozess Aussicht auf Erfolg hat und dann zahlt ohnehin die Gegenseite. Das ist ein Trugschluss: „Viele Streitigkeiten enden in einem Vergleich, bei dem die Kosten auf beide Parteien verteilt werden. Bei Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht müssen die Parteien in der ersten Instanz immer ihre Kosten selbst tragen, unabhängig vom Prozessausgang“, sagt Rüdiger Strichau von der Verbraucherzentrale Berlin.

Rechtsschutz im Baukastensystem

Eine Rechtsschutzpolice kann man nach dem Baukastensystem individuell zusammenstellen, meist bieten die Versicherer aber Paketlösungen an. „Wichtigste Bausteine sind der Berufsrechtsschutz für Arbeitnehmer und der Verkehrsrechtsschutz, weil hier wegen möglicher Personenschäden unkalkulierbare Kosten entstehen können“, sagt Strichau. Auch Mietrechtsschutz kann für Mieter von Bedeutung sein, wenn es um Kündigungen wegen Eigenbedarf oder um Kautionen geht.

Wer auch Privat- bzw. Familienrechtsschutz abschließt, hat Rechtsbeistand bei Reklamationen, Vertragsrecht oder Steuerrecht. Auch hier kann es zu hohen Streitwerten kommen, beispielsweise wenn es um Ansprüche aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung geht. „Nicht versichert sind Familien- und Erbrechtsangelegenheiten sowie Streitigkeiten rund um den Hausbau, beim Grundstückserwerb oder bei der Baufinanzierung“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

Welche Kosten trägt die Versicherung?

Der Versicherer trägt die Anwalts- und Gerichtskosten, Entschädigungen für Zeugen und Sachverständige sowie die Kosten der Gegenseite, wenn sie zu erstatten sind. Die Police gilt in Europa und den Mittelmeerländern, neuere Policen garantieren weltweiten Schutz. Eine Versicherungssumme von 250 000 Euro ist ratsam. Versichert sind neben dem Versicherungsnehmer auch Ehepartner und Kinder. Bei Vertragsabschluss gilt für die meisten Bereiche eine Wartezeit von drei Monaten, bevor Kosten übernommen werden.

Umfassende Police ab 190 Euro im Jahr

„Eine hohe Selbstbeteiligung von 300 bis 500 Euro ist sinnvoll. Das senkt die Beiträge und man zettelt nicht wegen kleiner Streitigkeiten gleich einen Rechtsstreit an“, rät Rudnik. Denn wer zu oft streitet, kann vom Versicherer die Kündigung erhalten. Manche Versicherer bieten einen Schadenfreiheitsrabatt an: Benötigt man über einen längeren Zeitraum keinen Anwalt, reduziert sich nach und nach die Selbstbeteiligung. Eine Police, die die Bereiche Privat, Beruf, Verkehr und Mietrecht abdeckt, kostet mit einer Selbstbeteiligung von 150 bzw. 250 Euro ab rund 190 Euro im Jahr (siehe Tabelle). Wird nur Verkehrsrechtsschutz abgesichert, fallen 60 bis 80 Euro im Jahr an (DEVK, R+V, HDI-Gerling, Arag).

Mehr Informationen zum Thema gibt es unter der Fax-Abrufnummer 09001/25 26 65 53 40 (6 Seiten, 62 Cent/Minute) bis 16. Juli 2010. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Alle neueren Geräte haben diese Funtion. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Rechtsschutzversicherung“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

Annette Jäger

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