Rechtsschutz-Police: Wer Angebote vergleicht, kann viel Geld sparen

- Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Dinge. Oft sind es die Kosten, die Klagewillige von einem Prozess abhalten. In solchen Fällen kann eine Rechtsschutzversicherung einspringen. Doch nicht immer hält die Police, was sich der Kunde von ihr verspricht.

Grundsätzlich gehört die Rechtsschutzversicherung nicht zu den unbedingt notwendigen Verträgen, sagt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Alles, was richtig Kosten verursacht, ist sowieso nicht versicherbar.

So schließen die Versicherer normalerweise Fälle aus, die sich aus Streitigkeiten um das Erbe oder die Scheidung drehen.

Auch Bauherren können sich Prozesse um die Baufinanzierung oder den Grundstücksverkauf nicht bezahlen lassen.

Und immer mehr Versicherer schränken auch den Rechtsschutz für Aktionäre ein, wie die Stiftung Warentest festgestellt hat.

Verkehr und Beruf

Sinnvoll ist laut Wortberg vor allem ein Verkehrsrechtsschutz: Schließlich können nach einem unverschuldeten Unfall lange Prozesse anstehen, wenn der Gegner nicht zahlen will. Auch ein Berufsrechtsschutz biete sich bisweilen an, besonders, wenn jemand in einer unsicheren Branche arbeitet. Dieser Schutz wird allerdings nicht allein angeboten. In der Regel haben die Unternehmen Versicherungspakete im Angebot.

Billiger mit Selbstbehalt

Die Preise variieren nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest deutlich: So verlangen die billigsten Anbieter knapp 200 Euro im Jahr für das Komplettpaket aus Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz. Hinzu kommen rund 40 Euro für den Mietrechtsschutz. Die teuersten Anbieter verlangen für beides rund 400 Euro jährlich, wie "Finanztest" berichtet. Billiger wird es durch einen Selbstbehalt: Bei 150 Euro, die pro Fall selbst bezahlt werden, sinken die Prämien oft um 20 bis 25 Prozent. Zudem gewähren Gesellschaften Rabatt für Verträge, die länger als ein Jahr laufen.

Es gibt auch günstige Single-Policen, erläutert Stephan Schweda vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Auch allein Erziehende, Senioren oder Beamte können oft Sondertarife in Anspruch nehmen.

Frist abwarten

Wer gerade erst eine Versicherung abgeschlossen hat, muss sich mit einem Prozess zurückhalten: In der Regel gibt es eine Wartezeit von drei Monaten, sagt Wortberg. Dies gilt auch für Risiken, die bei Vertragsabschluss schon absehbar waren - was im Ernstfall nicht immer leicht zu klären ist.

Das Kleingedruckte

Schwierig wird es auch, wenn Versicherte zu oft klagen: Ihnen wird schnell gekündigt. Bisweilen steht sogar in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), dass der Versicherer dem Kunden kündigen kann, wenn er den Rechtsschutz erstmals in Anspruch genommen hat. Laut Wortberg sollten Kunden vor dem Abschluss auch in den AGB nachlesen, was dort zum Thema Stichentscheid gesagt wird. Denn Versicherer können die Erfolgsaussichten einer Klage prüfen - und die Kostenübernahme bei aussichtslos oder mutwillig erscheinenden Klagen ablehnen. Dann kann der Anwalt des Versicherten mit einer Stellungnahme, dem Stichentscheid, den Versicherer auf dessen Kosten zur Leistung verpflichten. In einem speziellen Fall zahlt keine Versicherung: Wenn der Kunde gegen den Versicherer selbst klagt. Dann bleibt nur der Weg zum Ombudsmann für Versicherungen. Die von Verbraucherschützern und Versicherern getragene Schlichtungsstelle hat bei den Rechtsschutzversicherungen viel zu tun: 2004 lagen diese mit über 1400 Anfragen an zweiter Stelle der Beschwerdeliste.

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