Refco in Insolvenzverfahren

- New York - Die schwer angeschlagene amerikanische US-Warenterminhandelsfirma Refco Inc. und bestimmte ihrer Tochterfirmen, haben in der Nacht zum Dienstag ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Gleichzeitig gab Refco eine Grundsatzvereinbarung zum Verkauf ihres Terminhandelsgeschäfts für 768 Millionen Dollar (635 Mio Euro) an eine Investorengruppe bekannt.

Refco betonte ausdrücklich, dass keine der an den Warenterminmärkten tätigen und damit von Staat und Börse selbst "regulierten Tochterfirmen" Insolvenzverfahren beantragt habe. Das Verfahren wurde im Rahmen des Kapitel Elf des US-Insolvenzrechtes eingeleitet, das eine Weiterführung der Geschäfte unter Aufsicht eines Insolvenzgerichts ermöglicht.

Refco ist eine der weltgrößten Makler- und Warenterminhandelsfirmen mit mehr als 200 000 Kunden und 2400 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist in 14 Ländern tätig. Refco ist im Warenterminhandel, im Handel mit Aktien, Anleihen, Devisen, Derivaten und anderen Finanzinstrumenten aktiv. Refco-Tochterfirmen sind Mitglieder an fast allen großen amerikanischen und großen ausländischen Börsen und zählen zu den aktivsten Mitspielern an den riesigen Warenterminmärkten von Chicago, New York, London und Singapur. Refco ist auch sehr stark am unregulierten Finanz- und Warenterminhandel beteiligt.

Die Grundsatzvereinbarung zum Verkauf des Terminmakler-Geschäfts wurde mit einer Investorengruppe unter Führung der Investmentfirma J.C. Flowers & Co LLC getroffen. Zu der Investorengruppe gehören auch die Investmentfirmen The Enstar Group Inc., Silver Point Capital, MatlinPatterson Global Advisors LLC und Texas Pacific Group. Refco erwarte in Kürze ein definitives Abkommen.

Die zum Verkauf kommende Sparte führe ihre Geschäfte durch die Refco LLC, Refco Overseas Ltd., Refco Singapore Ltd sowie bestimmte dazu gehörende Tochterfirmen durch. Sie seien nicht in das Insolvenzverfahren verwickelt. Die Refco Securities LLC sei ebenfalls nicht an dem Insolvenzverfahren beteiligt. Refco erwartet, dass das Insolvenzgericht ein Prozedere einleiten wird, damit konkurrierende Vorschläge gemacht werden können. Refco habe die Option, bis zu 20 Prozent des Wertes der verkauften Einheiten zu behalten.

Refco war Anfang vergangener Woche in Schwierigkeiten geraten, nachdem festgestellt wurde, dass der ehemalige Chef und Verwaltungsratsvorsitzende Phillip R. Bennett (57) insgesamt 430 Millionen Dollar an Schulden einer von ihm kontrollierten Firma gegenüber Refco verheimlicht hatte.

Bennett war von seinen Posten freigestellt und später von der Staatsanwaltschaft des Wertpapierbetrugs beschuldigt und festgenommen worden. Er wurde gegen 50 Millionen Dollar Kaution auf freien Fuß gesetzt. Das Unternehmen hatte auch bekannt gegeben, dass man sich nicht mehr auf die Korrektheit der Geschäftsberichte seit 2002 verlassen könne.

Die Wertpapier-Betrugsvorwürfe stehen im Zusammenhang mit dem Refco-Börsengang im August. Dabei waren die Bennett-Verpflichtungen verheimlicht und die Investoren und die US-Aufsichtsbehörden damit hintergangen worden. Refco hatte bei dem Börsengang Aktien im Wert von rund 583 Millionen Dollar verkauft. Der Emissionskurs betrug 22 Dollar, und die Refco-Aktien stiegen später zeitweise auf über 30 Dollar. Der Handel in Refco-Aktien wurde vergangene Woche von der New Yorker Börse beim Kurs von 7,90 Dollar ausgesetzt.

Der Betrugsskandal hat an der Wall Street wegen der enormen globalen Bedeutung von Refco an den Warentermin-Börsen und im unregulierten Handel für große Aufregung gesorgt. Die Refco-Aktien haben inzwischen mehr als 70 Prozent an Wert verloren. Der Handel war am vergangenen Donnerstag von der New Yorker Börse bei einem Kurs von 7,88 Dollar ausgesetzt worden. Inzwischen wurden auch zahlreiche Klagen von geschädigten Refco-Aktionären und -Investoren eingereicht.

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