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Reform des Deutschen Aktienindex: Zehn zusätzliche Unternehmen gelistet

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Die DAX-Kurve im Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt
Die DAX-Kurve im Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt © Boris Roessler / dpa

Es handelt sich um die wohl tiefgreifendste Reform in der Geschichte des Deutschen Aktienindex (Dax).

Frankfurt am Main - Seit Handelsbeginn am Montagmorgen umfasst der Leitindex zehn zusätzliche und somit insgesamt 40 Unternehmen, außerdem gelten strengere Qualitätsrichtlinien. Nach Handelsbeginn am Montag verzeichnete der Dax ein Minus von rund 300 Punkten. Weitere Informationen zu der Dax-Reform:

DAX-ERWEITERUNG

Im Zuge der Reform wächst der Dax: Seit dem 20. September 2021 werden im Leitindex 40 Unternehmen statt wie bisher 30 gelistet. Mit der Erweiterung soll der Dax die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland nach Angaben der Deutschen Börse "noch umfassender abbilden". Im Gegenzug wurde der MDax der mittelgroßen Werte auf 50 statt bisher 60 verkleinert. SDax und TechDax behalten ihre Größe.

STRENGERE QUALITÄTSRICHTLINIEN

Neben der Größenänderung greifen strengere Vorschriften für die Konzerne - damit reagiert die Börse auch auf den Wirecard-Skandal. Bereits seit Dezember müssen alle künftigen Dax-Kandidaten vor der Aufnahme ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den zurückliegenden zwei Finanzberichten aufweisen.

Seit März müssen alle Unternehmen in den Dax-Auswahlindizes von Wirtschaftsprüfern testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Ausschluss aus dem Index. So will die Börse "im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren" können.

ÜBERPRÜFUNG DER ZUSAMMENSETZUNG

Mit den neuen Regeln nimmt die Deutsche Börse die Zusammensetzung ihrer Indizes zudem häufiger unter die Lupe. Seit Jahresbeginn 2021 gibt es zweimal im Jahr - im März und September - eine planmäßige Hauptüberprüfung. Zuvor passierte das nur einmal im Jahr im September.

Künftig werden Indexmitglieder außerdem nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt, also ihrem Börsenwert. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt. Indexmitglieder müssen zudem eine Mindestliquidität aufweisen. Ziel ist laut Deutscher Börse, "die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten".

DIE ZEHN NEUEN UNTERNEHMEN IM DAX

Über die Aufnahme in den Dax wurde nach Marktkapitalisierung entschieden, die sich je nach Entwicklung an der Börse ändern kann. Die Liste der Aufsteiger war deshalb mit Spannung erwartet worden, am 3. September wurde sie bekanntgegeben.

In die erste Liga des deutschen Aktienhandels schafften es bekannte Unternehmen wie der Flugzeughersteller Airbus, der Online-Händler Zalando, die Porsche Automobil Holding und der Sportwarenhersteller Puma. Aus den Bereichen Medizintechnik und Pharma stießen Siemens Healthineers und Sartorius zum Leitindex hinzu. Auch der Chemikalienhändler Brenntag, der Duftstoffhersteller Symrise und das Gendiagnostik- und Biotechunternehmen Qiagen sind nun offiziell Dax-Konzerne. Der letzte Neuaufsteiger ist das Essenslieferungsunternehmen Hello Fresh.

Mit seiner Erweiterung sollte der Dax auf rund 1,7 Billionen Euro beziehungsweise knapp 80 Prozent der Marktkapitalisierung des deutschen Aktienmarkts ansteigen. Die bisherigen 30 Dax-Unternehmen standen mit rund 1,4 Billionen Euro Börsenwert für etwa 65 Prozent der Marktkapitalisierung.

AUSWIRKUNGEN FÜR ANLEGER

Für das Deutsche Aktieninstitut, das als Verband die Interessen von an der Börse gelisteten Unternehmen vertritt und sich nach eigenen Angaben für einen "starken Kapitalmarkt" einsetzt, bedeutet die Erweiterung "mehr Vielfalt" - und damit auch ein vergrößertes Anlagespektrum. Die bisherige Konzentration auf die Chemie- und der Automobilbranche im Dax sinke, zudem gebe es zusätzliche Aufmerksamkeit für den Index als solchen.

Am ersten Handelstag mit dem erweiterten Leitindex verzeichnete der Dax - beeinflusst auch von den Auswirkungen der Finanzprobleme des verschuldeten chinesischen Immobilienriesen Evergrande - einen Kursverlust von gut 300 Punkten und sank somit auf den tiefsten Stand seit Juli. Die Neueinsteiger verzeichnete ebenfalls mehrheitlich Verluste in ihren Aktienkursen.

fho/jm

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