Reformen beginnen zu greifen

- München - Am Arbeitsmarkt in Bayern zeichnen sich erste überzeugende Lichtblicke ab. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Dezember zwar witterungsbedingt um 17 700 auf 473 700, sie lag jedoch erstmals seit dem Inkrafttreten der Hartz-IV-Reform, die zusätzliche Personenkreise in die Statistik aufnimmt, wieder geringfügig um 200 unter dem Vorjahreswert. Der saisonübliche Anstieg im Dezember war der niedrigste jemals in Bayern ermittelte Wert, berichtete die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber November um 0,3 Punkte auf das Vorjahresniveau von 7,3 Prozent. Nur Baden-Württemberg hatte eine noch günstigere Entwicklung.

Der neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion, Andreas Stöhr, führte die positive Entwicklung auf die Organisationsreform der Arbeitsagenturen und die größere Effizienz der arbeitsmarktpolitischen Instrumente zurück. "Nach einem Jahr beginnen die Arbeitsmarktreformen zu wirken", sagte Stöhr. Nach den steigenden Stellenmeldungen zeichne sich mittlerweile auch wieder eine Stabilisierung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ab. Deren Zahl lag im Oktober mit 4 341 600 um 3700 über dem Vorjahreswert.

Der witterungsbedingte Anstieg der Arbeitslosenzahl fiel im Dezember 2005 nur halb so stark aus wie in den Vorjahren. Begünstigt wurde die Statistik jedoch durch das Vorziehen des Zähltermins vom Monatsende auf die Monatsmitte. Allerdings ist nach Angaben der Regionaldirektion auch eine steigende Arbeitskräftenachfrage der Betriebe unverkennbar. Der Bestand an offenen Stellen überstieg im Dezember mit 50 800 den Vorjahreswert um 47,6 Prozent. Auch die Zahl der Kurzarbeiter lag zum Jahresende mit 10 900 um ein Drittel unter dem Vorjahreswert.

Nach Ansicht von Sozialministerin Christa Stewens (CSU) geben die neuesten Zahlen Anlass zur Hoffnung auf eine Trendwende am Arbeitsmarkt. Der Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit um 13 000 füge sich nahtlos in die neue positive Grundstimmung in Deutschland ein, sagte die Ministerin. "Das ist zwar noch kein Quantensprung, aber es zeichnet sich eine positive Entwicklung ab, die im Jahresverlauf zu einem leichten Anstieg der Beschäftigung und einer Abnahme der Arbeitslosigkeit führen dürfte."

Im Jahresdurchschnitt überstieg die Arbeitslosenzahl dagegen mit 504 900 erstmals die Marke von einer halben Million. Der bisherige Rekordstand aus dem Jahr 2004 wurde um 55 200 übertroffen. Die Statistik sei jedoch stark von der erstmaligen Erfassung erwerbsfähiger Sozialhilfeempfänger im Zuge der Hartz-IV-Reform geprägt, berichtete die Regionaldirektion.

In Oberbayern gab es mit 6,4 Prozent im Dezember bayernweit die niedrigste Arbeitslosenquote. Allerdings war Oberbayern der einzige Bezirk, wo die Quote noch über der des Vorjahresmonats (5,9 Prozent) lag. Bayerischer und deutscher Spitzenreiter war wiederum Freising mit einer Quote von 3,7 Prozent. Den höchsten Wert im Freistaat vermeldete Hof mit 11,1 Prozent.

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