Hin und Her bei Reformen hält Betriebe von Investitionen ab

- München - Die bayerische Wirtschaft ist am Tiefpunkt angelangt - und das war schon die gute Nachricht, die IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler nach der jüngsten Konjunkturumfrage zu vermelden hatte. Die Unternehmenschefs in Bayern erwarten nach dem dramatischen Stimmungseinbruch zum Jahresbeginn für die kommenden zwölf Monate wieder etwas bessere Geschäfte. Die schlechte Nachricht: "Für einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung gibt es weit und breit keine Anzeichen."

<P>Was weiterhin fehlt, ist die Bereitschaft, Investitionen zu wagen. Und nur Investitionen zur Erweiterung des Geschäfts bringen neue Arbeitsplätze. Derzeit geben die Unternehmen aber allenfalls Geld dafür aus, ausrangierte Produktionsmittel zu ersetzen. Oder es wird in Rationalisierung investiert, was das Gegenteil von Stellenaufbau bedeutet.</P><P>Um Unternehmer wieder zu Unternehmungen anzuregen, müsse das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik wiederhergestellt werden, forderte Dörfler. Die Reformansätze sowohl der Regierung als auch der Opposition hält er für nicht ausreichend. Die Anbindung der sozialen Sicherung an die Lohnkosten sieht Dörfler als Kardinalproblem. Schmerzlich vermisst werde in der Wirtschaft ein klares Konzept. Statt dessen würden Tag für Tag neue Parolen unter die Leute gebracht. Tabaksteuer, Mehrwertsteuer, Vermögensteuer, Gewerbesteuer, Erbschaftsteuer - das Hin und Her bei den Finanzierungsvorschlägen "lässt einen schier verzweifeln", sagte der IHK-Chef.</P><P>2500 Unternehmen hat der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) im April und Mai dieses Jahres befragt. Nach wie vor zeigten sich die Firmenchefs höchst unzufrieden mit der aktuellen Geschäftslage, doch rechnen sie mehrheitlich nicht damit, dass sich die Situation in den nächsten Monaten verschärft. 69 %, nach 61 % im Januar, erwarten keine Veränderung der Geschäftsentwicklung und nur noch 18 % (27) sind pessimistisch. Der Anteil der Optimisten hat sich mit 13 % (12) allerdings kaum erhöht. </P><P>Schwierig bleibt der Arbeitsmarkt in Bayern. Nur 7 % wollen neue Mitarbeiter einstellen, dagegen plant nach wie vor jeder dritte Betrieb, Stellen abzubauen. Besonders in der Industrie stehen offenbar viele Stellen zur Disposition. 39 % der Unternehmen wollen abbauen. Selbst die Dienstleistungsbranche, die über viele Jahre hinweg den Arbeitsmarkt stabilisiert hatte, schwenkt um: nur noch 14 % der Betriebe (Januar: 17 %) wollen Personal einstellen, 25 % (22) planen Stellenabbau.</P><P>Noch weitaus negativer fiel eine Konjunkturumfrage des bayerischen Handwerks aus. 45 % der Betriebe erwartet eine Verschlechterung der Geschäftslage, 43 % befriedigende Geschäfte und nur 12 % gehen von einer Verbesserung aus, berichtete der Bayerische Handwerkstag in München.</P><P><BR> </P>

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