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Zollkontrolle: Zwei Zöllner warten auf Reisende und ihr Gepäck. Wer bestimmte Waren aus dem Ausland einführt, muss diese anmelden. Wer schummelt und auffliegt, kann wegen Schmuggels belangt werden.

Ärger mit dem Zoll vermeiden

Regeln zum Einkaufen im Ausland

München - Ob übers Internet oder im Urlaub. Die Deutschen kaufen gerne im Ausland ein. Um Ärger mit den Behörden zu vermeiden, sollte man einige Steuer- und Zollregeln beachten.

Fast jeder zehnte Deutsche kauft in Internetshops im Ausland: PC-Spiele aus den USA, Elektronik aus China, die Armbanduhr aus Bangkok – alles zum kleinen Preis. Im Urlaub wandern oft Souvenirs oder gefälschte Markenware in den Einkaufskorb. Die Frage ist: Was ist steuerfrei? Was muss verzollt werden? Laut der Zeitschrift Finanztest entscheidet hier, wie hoch der Warenwert ist, wo die Einkäufe herkommen und ob man sie persönlich einführt.

Shoppen im Internet

Besonders einfach ist das grenzenlose Shoppen innerhalb der EU. Hier gelten die gleichen Reklamationsrechte wie daheim und Einfuhren bleiben fast immer abgabenfrei. Eine der Ausnahmen ist Kaffee. Deutschland erhebt 2,19 Euro Steuer pro Kilo. Noch 2007 hatten hunderte Genießer, die ihre Bohnen im Ausland bestellten, das Hauptzollamt am Hals. Seit 2010 müssen Händler Steuer abführen, wenn sie Kaffee nach Deutschland versenden.

Für Einkäufe aus Nicht-EU-Ländern liegt die Freimenge sehr niedrig: Nur Waren bis zum Wert von 22 Euro sind frei, bei Geschenken von privat an privat 45 Euro. Auf alles darüber sind Abgaben fällig: Einfuhrumsatzsteuer, ab 150 Euro zusätzlich Zoll.

Steuer und Zoll

Die Umsatzsteuer, auch Mehrwertsteuer genannt, beträgt meistens 19 Prozent. Bei einigen Waren wie Büchern sieben Prozent. Fällig wird sie laut Finanztest nicht nur auf den Warenwert, sondern auf den Gesamtpreis mit Versandkosten und Zollgebühren. Kassiert wird allerdings nur, wenn der fällige Betrag über fünf Euro liegt. Damit sind in der Praxis Waren bis 26,30 Euro steuerfrei. Die Höhe des Zolls hängt von der Ware ab, von Preis, Herkunftsland und Material. Je nachdem, ob ein Schuh aus Leder, Stoff oder Plastik besteht, fallen andere Sätze an. Ein Schuh aus der Schweiz wird anders verzollt als einer aus Hongkong. Wer schon vor der Bestellung Bescheid wissen möchte, ruft am besten beim Zoll an (Telefon 03 51/44 83 45 10).

Einfuhr aus der EU

Andere Freigrenzen gelten, wenn der Käufer die Sachen persönlich einführt, zum Beispiel bei der Rückkehr aus dem Urlaub. Wer aus einem EU-Land einreist, muss den Zoll nicht fürchten. Einfuhren sind abgabenfrei. Grenzen setzt nur der Verdacht, der Käufer könne mit den Waren ein Gewerbe betreiben. „Bei Zigaretten vermuten wir ab etwa 800 Stück gewerbliches Handeln“, sagt Thomas Molitor vom Hauptzollamt Koblenz. „Das ist aber nur ein Richtwert.“ Der Richtwert für Tabak liegt bei einem Kilo, bei Spirituosen sind es zehn Liter, bei Wein 90 Liter. Wer mehr dabeihat, muss nachweisen, dass die Ware nur dem Privatgebrauch dient. Bei Kaffee sind zehn Kilo steuerfrei.

Nicht-EU-Staaten

Klare Grenzen gelten bei der Rückkehr aus Staaten, die nicht zur EU gehören: 200 Zigaretten, 250 Gramm Tabak, vier Liter Wein, 16 Liter Bier, ein Liter Alkohol über 22 Volumenprozent – aber nur für Käufer ab 17 Jahre. Kaffee ist bis 500 Gramm erlaubt. Andere Waren bleiben bis 300 Euro abgabenfrei, bei Flug- oder Schiffsreisen 430 Euro. Dabei zählt der Wert mit ausländischer Umsatzsteuer. Für Kinder unter 15 Jahren beträgt die Grenze 175 Euro.

Hat der Urlauber mehr, sind bis zu einem Wert von 700 Euro oft pauschal 17,5 Prozent Abgaben fällig. Für viele Länder gelten 15 Prozent – nicht aber für die USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Japan. Bei mehr als 700 Euro Warenwert fallen Zoll und Umsatzsteuer an.

Freigrenzen

Reisen mehrere Menschen zusammen, dürfen sie trotzdem ihre Freigrenzen nicht addieren. Waren oberhalb der Freigrenzen muss der Urlauber melden. Das Argument, das Handy sei in Deutschland gekauft, beeindruckt Zöllner nicht. Wer teure, neuwertige Geräte mit in den Urlaub nimmt, sollte den Kaufbeleg dabeihaben oder sie beim Zoll anmelden. Sonst verlangt die Behörde gleich doppelte Einfuhrabgaben, weil sie von Schmuggel ausgeht.

Vorsicht Fälschung

Vorsicht gilt bei gefälschter Markenware. Der Zoll kann sie beschlagnahmen und die Markenfirma verständigen. Die wird eine Unterlassungserklärung vom Käufer verlangen. Ware und Geld sind futsch, zudem stellt der Firmenanwalt eine Rechnung. Gut die Hälfte aller Fälschungen kommen aus China, ein weiteres Viertel aus Hongkong. Erwischt werden Urlauber vor allem mit Handtaschen, Sonnenbrillen, Uhren, Schuhen und Bekleidung. Auch im Internet gibt es viel angebliche Markenware. Die ist auch für Laien oft leicht erkennbar: am verführerisch niedrigen Preis.  

mm

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