Regierungsprogramm: Was eine junge Familie ab 2007 draufzahlt

- Im Wahlkampf noch heiß umstritten, ist die Mehrwertsteuererhöhung nun beschlossene Sache: Ab 2007 wird sie um drei auf 19 Prozent angehoben. Streichungen bei der Pendlerpauschale, dem Sparerfreibetrag oder der Eigenheimzulage lassen das Budget der privaten Verbraucher zusätzlich schrumpfen. Im Gegenzug verspricht die schwarz-rote Koalition, die Lohnnebenkosten zu senken. Dazu einige Beispiele.

"Mami, schau mal!", ruft die kleine Amelie und verfrachtet ihr Stoffhündchen in der Tasche. Doch die Mama hat gerade keine Zeit: Petra F. und ihr Mann Boris sitzen vor zwei dicken Ordnern. Gas und Wasser, monatliche Rechnungen, Grundsteuer - an diesem Abend blättern die Eltern nicht mit dem Töchterchen im Bilderbuch. Sie rechnen aus, was ihnen nach den aktuellen Plänen der Berliner Politiker im Geldbeutel bleibt. Ergebnis: Vorsichtig geschätzt, beläuft sich die Mehrbelastung der jungen Familie ab 2007 auf rund 100 Euro im Jahr.

Keine Klarheit über Krankenversicherung

Den größten Batzen stellen dabei Kleidung und Erdgas. Zahlt die Familie F. dafür bisher im Schnitt 80 und 77 Euro im Monat, wird sie künftig 82,07 und 79,99 Euro hinblättern - das sind aufs ganze Jahr gerechnet 25 beziehungsweise 24 Euro mehr. Ebenfalls teurer: Kosmetika (von 30 auf 30,87 Cent pro Monat, was sich im Jahr auf 11,44 Euro beläuft) und Spielsachen (von 20 auf 20,51 Cent pro Monat auf 6,12 Euro im Jahr).

Petra F. erwartet im Februar ihr zweites Kind. Bis Ende nächsten Jahres rechnet sie mit monatlichen Ausgaben für die Windeln von 25 Euro. Ab 2007 kosten die 65 Cent mehr im Monat (pro Jahr: 7,80 Euro mehr).

Freilich geht es nicht nur um die Dinge des täglichen Bedarfs. "Wenn die Pendlerpauschale irgendwann komplett wegfallen sollte, wird es hart", überlegt Boris F., der täglich von Weilheim nach München zur Arbeit fährt. Immerhin 3888 Euro hat der junge Familienvater 2005 vom Fiskus zurück bekommen - und damit bereits 1200 Euro weniger als im Vorjahr. Ab 2007 kann er nur noch Strecken geltend machen, die länger sind als 20 Kilometer.

"Ich frage mich, wie hoch die Krankenversicherung wird", sagt Petra. Bisher waren sie und Amelie beitragsfrei mitversichert - es ist nicht sicher, ob das weiterhin gilt. Welche Kosten die Familie künftig belasten werden, kann das Paar noch nicht kalkulieren.

Glück für die junge Familie: Boris F. hat einen festen Arbeitsvertrag. Nach den Plänen der Berliner Politiker soll der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung um zwei Punkte gesenkt werden, so dass die Haushaltskasse entlastet wird. Wer zum Beispiel 3000 Euro brutto verdient, behält monatlich 30 Euro mehr. Allerdings muss er sechs Euro mehr Rentenbeitrag zahlen, so dass unterm Strich ein Plus von 24 Euro bleiben soll.

Was die Sparstrümpfe der Bürger betrifft, langt der Fiskus allerdings noch einmal zu: Der Sparerfreibetrag auf Zinsen und Dividenden wird kräftig gekürzt. Bei Singles von 1370 auf 750 Euro. Dazu kommt ein Pauschbetrag von 51 Euro. Für Verheiratete gilt jeweils das Doppelte.

30 000 Euro fürs Haus bereits gesichert

Wolfgang Kohl vom Bund der Steuerzahler in München gibt außerdem zu Bedenken: "Eventuell wird auch die Grundsteuer angehoben!"

Mit einem Seufzer sortieren Boris und Petra F. die Zettel und Unterlagen wieder ein und klappen die Ordner zu. "Wie gut, dass wir uns im Dezember 2003 noch die Eigenheimzulage in voller Höhe gesichert haben", sagt der Ehemann. "Das sind immerhin 30 000 Euro über einen Zeitraum von acht Jahren". Ohne dieses Geld, so das Paar, hätten sie ihr gemütliches Heim vielleicht gar nicht bauen können - eine Frage, die sich hoffnungsvolle Häuslebauer schon in wenigen Wochen stellen müssen. Denn ab Januar 2006 wird die Eigenheimzulage gestrichen.

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