Reiche Länder streiten über Schuldenberge

- Washington - Die Hoffnung der ärmsten Länder auf einen hundertprozentigen Schuldenerlass hat sich am Wochenende in Washington zerschlagen. Selten stand das Thema beim Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank so weit oben auf der Tagesordnung. Doch der Streit der Reichen über die Finanzierung blieb ungelöst.Finanzminister Hans Eichel hatte - sehr zum Leidwesen von Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul - schon vorher klar gemacht: "Bei der derzeitigen Haushaltslage sind Mittel aus Berlin nicht zu erwarten."

<P>Dritte-Welt-Gruppen wie "Jubilee USA Network" waren in Washington schwer enttäuscht. "Skandalös und unentschuldbar" kritisierte die Vorsitzende Marie Clarke. "Es ist eine Schande, dass die reichsten Länder uneins sind, wie sie die minimalen Kosten tragen können, vor allem angesichts der Tatsache, dass der IWF auf einem Berg ungenutzten Goldes sitzt."</P><P>Der IWF besitzt nach den USA und Deutschland weltweit die drittgrößten Goldreserven, insgesamt 3217 Tonnen. Sie sind in den Büchern nur mit 8,5 Milliarden Dollar bewertet, auf dem Markt aber 42,2 Milliarden Dollar wert. Mit einer Neubewertung könnten mehr als 30 Milliarden Dollar für Schuldenerlass und Armutsbekämpfung freigemacht werden. Die IWF-Devise ist aber, das Gold, so wie es ist, als Reserven für künftige Krisen zu behalten. Die IWF-Mitglieder könnten dies ändern. Dort haben aber die reichen Länder als Hauptanteilseigner das Sagen, und außer Brown hat keiner in Washington den Finger für die Neubewertung der Reserven gehoben.</P><P>Ohnehin sind längst nicht alle davon überzeugt, dass den Ärmsten die Schulden überhaupt erlassen werden müssen. "Es ist dem deutschen Steuerzahler bei allen Kürzungen im Sozialbereich schwer verständlich zu machen, dass er den Gürtel noch enger schnallen soll, um afrikanischen Ländern Schulden zu erlassen", heißt es etwa.</P><P>Da die Solidaritätsnummer wenig zieht, versucht Weltbankpräsident James Wolfensohn seit langem, die reichen Länder über eine andere Schiene ins Boot zu holen: die Terrorangst. "Die mit Abstand größte potenzielle Quelle für Instabilität ist die Armut, die so viele in unserer Welt in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung treibt", sagt er. Die Armut in anderen Ländern zu bekämpfen, sei auch eine Investition in die eigene Sicherheit.</P>

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