In Reichweite: Steckdose statt Zapfsäule

Frankfurt - Sein Auto an der Steckdose auftanken ­ das galt lange als Traum von Tüftlern. Doch dies könnte sich schneller ändern als gedacht. Rekord-Spritpreise und schrumpfende Ölvorräte drängen die Autobauer zu umweltfreundlichen Antrieben. Billig wird das für die Autofahrer allerdings nicht.

­Autobauer im Wettrennen um Elektroautos -­ Opel-Modell wird 10 000 Euro mehr kosten als vergleichbarer Benziner

Wer ab 2012 in Europa ein Elektroauto von Opel fahren will, muss für den Kauf des Wagens deutlich mehr zahlen als für vergleichbare Benzin- und Diesel-Modelle. Der Europa-Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM), Carl-Peter Forster, sagte der "Automobilwoche": "Die Kunden müssen sich auf einen erheblichen Mehrpreis einstellen."

Möglicherweise werde er bis zu 10 000 Euro über einem vergleichbaren Modell mit konventionellem Antrieb liegen. Allerdings könnten die Autofahrer dafür an anderer Stelle sparen: "Bei einem Spritpreis, wie wir ihn heute haben, wäre ein Elektroauto pro gefahrenem Kilometer signifikant billiger", sagte Forster. Die Kosten für die Anschaffung würden zudem drastisch sinken, je mehr Wagen dieses Typs verkauft werden, betonte der GM-Europa-Präsident. Angaben zum künftigen Marktpotenzial machte er nicht, denn dies sei "absolutes Kristallkugellesen, die Nachfrage ist abhängig vom Ölpreis".

Die geplanten Elektroautos sollen zunächst aus den USA nach Europa geliefert werden. Schon ab 2011 will GM unter der Marke Chevrolet in den USA den Volt auf den Markt bringen. "Die ersten Fahrzeuge, die für Europa bestimmt sind, kommen aus amerikanischer Produktion", sagte Forster. Dies müsse aber nicht so bleiben: "Es können sich nahezu alle Standorte Hoffnungen machen, eines Tages Elektrofahrzeuge zu produzieren, da diese Baukastenelemente bestehender Modelle nutzen."

Die hohen Kosten für Elektroautos liegen vor allem an den teuren Batterien. Derzeit kostet das Batteriepack rund 15 000 bis 20 000 Euro. Den Durchbruch zur Produktion von kostengünstigen und leistungsfähigen Lithium-Ionen-Batterien mit einem Preis von 1500 bis 2000 Euro erwartet Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer um das Jahr 2015. "Dann sind wir so weit, dass ein Elektrofahrzeug oder ein Hybrid-Fahrzeug so teuer ist wie jetzt ein Diesel oder ein Benziner."

Andere Experten warnen allerdings vor zu großer Euphorie. "Wir möchten die Erwartungen dämpfen", sagt der Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland, Daniel Kluge. Es gebe noch große Probleme bei Infrastruktur und Technologie. Greenpeace-Experte Wolfgang Lohbeck spricht gar von einem "Elektro-Hype". Die Autoindustrie könne bereits heute auf der Basis der herkömmlichen Antriebstechnologie sparsamere, kleinere und innovative Autos bauen. "Das passiert aber nicht. Die Autoindustrie fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, dass ihr Image als Premium-Hersteller leidet."

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren erfolglose Vorstöße für Elektrowagen. "Die Frage ist, wer diese Autos kauft und ob sie rentable Stückzahlen erreichen", sagt Michael Bargende, Leiter des FKFS Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren in Stuttgart. "Der Aufpreis für ein Elektroauto liegt bei mindestens 50 Prozent."

Die Hersteller stehen vor vielen Problemen. Die Lithium-Ionen-Batterie, die auch aus Handy-Akkus bekannt ist, darf bei einem Unfall nicht explodieren und muss mindestens zehn Jahre halten, damit sich die Technik lohnt. "Das Thema Batterie hat noch kein Hersteller richtig gelöst", sagt Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen. "Ihre Haltbarkeit ist begrenzt und ihre Reichweite liegt bei 100 Kilometern. Das Elektroauto ist daher nur für die Kurzstrecke eine Alternative." Der US-Elektroautobauer Tesla Motors reklamiert für seinen Sportwagen allerdings je nach Fahrstil eine Reichweite zwischen 274 und 430 Kilometern. Die hohe Batterie-Kapazität hat aber ihren Preis: Der Kofferraum des Elektro-Flitzers bietet gerade einmal Platz für eine Golftasche.

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