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Reifen-Rivalen: Contis Konkurrenz preist den Standort Deutschland

- München - Während bei AEG in Nürnberg weiterhin gestreikt wird, hat der Autozulieferer Continental die Schließung seiner Pkw-Reifenproduktion in Hannover ohne Arbeitskampf durchgesetzt. Ein Imageschaden bleibt trotzdem. Der Abbau von 320 Arbeitsplätzen in dem profitablen Werk zugunsten billigerer Produktion in Tschechien hat dem Ansehen des Unternehmens geschadet. Und das nutzen ausländische Konkurrenten von Conti nun gezielt aus.

Für den französischen Reifenkonzern Michelin trifft es sich bestens, dass man heuer hundertjähriges Bestehen des Deutschland-Geschäftes feiern kann. So jubelte das Unternehmen, das seinen französischen Namen hierzulande deutsch ausspricht, nun in einer Pressemitteilung über "100 Jahre in Bewegung" und stellte klar: "Deutsche Werke gehören zur absoluten Weltspitze." Die Bundesrepublik zähle zu den "leistungsstärksten Standorten" innerhalb des Konzerns. "Michelin verfolgt keine Politik der Verlagerung", erklärte Deutschland-Chef Jürgen Eitel jüngst und meinte wohl auch: im Gegensatz zu Conti.

Denn der Vorstandsvorsitzende des deutschen Reifenherstellers, Manfred Wennemer, hatte argumentiert, dass sich der Reifenmarkt abgeschwächt habe und man Kapazitäten an Standorten mit hohen Kosten abbauen müsse - obwohl Continental im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erreicht haben dürfte.

"Es bleibt eine permanente Herausforderung, hier produzieren zu wollen", räumt ein Michelin-Sprecher ein. "Aber es geht." Das Unternehmen wolle seine Produkte dort herstellen, wo auch die Abnehmer sitzen. "Da kommt man an Deutschland nicht vorbei."

Auch der italienische Reifenhersteller Pirelli rühmte jüngst auffallend die Vorzüge des Standorts Deutschland. "Wir produzieren dort, weil wir dort nahe am anspruchsvollsten Kunden der Welt - der deutschen Autoindustrie - sind. Das stimuliert unsere Forschung und Entwicklung enorm", erklärte der Chef der Reifensparte des Konzerns, Francesco Gori, der "Financial Times Deutschland". Man konzentriere sich auf die Produktion von Hochleistungsreifen, die auskömmliche Gewinnspannen ermöglichen - auch mit deutschen Löhnen.

Darauf setzt auch Michelin. Zwar sei die Zahl der Beschäftigten hierzulande in den vergangenen Jahren gesunken, räumt der Sprecher ein. Zudem will das Unternehmen bis 2008 die Kosten um 30 Prozent reduzieren, was sich auch bei den Löhnen niederschlägt. Doch Verlagerungspläne gebe es keine. Für Deutschland spreche etwa eine außergewöhnlich gute Team-Kultur. "Es gibt Teams, die sich weitgehend selbst steuern." Und das spart Führungskräfte. Dazu käme eine hohe Flexibilität. Die Produktion könne auch dank gut ausgebildeter Mitarbeiter binnen kurzer Zeit auf verschiedene Reifenmodelle umgestellt werden.

Diese Vorzüge kennt man auch bei Conti und verweist auf seine übrigen deutschen Standorte. Das Unternehmen sei hier nach wie vor stark verwurzelt. 30 000 der weltweit 80 000 Beschäftigten seien hier tätig. Heuer investiere man 300 Millionen Euro in Deutschland. Bei Michelin sind es 30 Millionen.

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