Nur reine Zahnersatzpolice wird man per Sonderkündigungsrecht los

- Kassenpatienten müssen ab 1. Juli 2005 für Zahnersatz und Krankengeld extra zahlen. Eine spezielle Zusatzpolice für Zahnersatz, die eigentlich ab Januar für die gut 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten Pflicht sein sollte, braucht jetzt kein Mensch mehr. Ärgerlich für all diejenigen, die schon eine Zahn-Versicherung abgeschlossen haben. Sie sind jetzt häufig unnötig doppelt abgesichert und müssen auch doppelt zahlen.

<P>Eine automatische Auflösung der Verträge gibt es nicht, wie Heidemarie Krause-Böhm von der Verbraucherzentrale Bayern betont. Auch dann nicht, wenn die gesetzliche Grundlage dafür weggefallen ist, wie in diesem Fall. Wer aus seiner Police raus will, muss sie schon ausdrücklich kündigen. Die Bundesregierung hat für private Zahnersatz-Policen extra ein Sonderkündigungsrecht vorgesehen. Wer sich noch nicht mit seinem Anbieter in Verbindung gesetzt hat, sollte das bis spätestens Dezember tun. Sonst tritt die Pflichtversicherung im Januar in Kraft. </P><P>Das Sonderkündigungsrecht hilft nur den wenigsten Betroffenen wirklich. Nur ein Bruchteil der Kassenpatienten hat nämlich eine reine Pflichtpolice abgeschlossen, die den wegbrechenden Bereich der Finanzierung von Brücken, Kronen oder Prothesen ersetzen sollte. Die allermeisten haben sich doch viel mehr Leistungen als nötig andrehen lassen, so die Erfahrung von Ruth Greiner von der Verbraucherzentrale Hamburg. Was in der Regel unterschrieben wurde, seien klassische private Zusatzversicherungen. Wer eigentlich nur seine Zähne pflichtgemäß versichern wollte, kaufte oft noch Extras wie Heilpraktiker-Behandlungen, Sehhilfen, Kranken- oder Kurtagegeld ein. "Viele haben wohl gar nicht verstanden, dass sie Kombi-Pakete abschließen", sagt Krause-Böhm. Die meisten Gesellschaften hätten auch gar nicht groß die Unterschiede erklärt und mit Aussicht auf gute Geschäfte von vornherein nur gekoppelte Verträge angeboten. Und für diese verknüpften Policen gilt das Sonderkündigungsrecht nicht.</P><P>Da säßen Tausende in ihren Verträgen erst einmal fest, meint auch Andrea Hoffmann, Juristin der Verbraucherzentrale Sachsen. Die Chancen auf Kulanz seien gering. Das habe eine stichprobenartige Telefonumfrage bei 22 privaten Krankenversicherern ergeben. Wer sich mit seinem Versicherer nicht lange streiten will, muss ein Jahr lang durchhalten und sein reguläres Kündigungsrecht nutzen. Aber aufpassen, dass die Kündigungsfrist nicht verpasst wird. Die meisten Verträge verlängerten sich sonst automatisch. Wer Auseinandersetzungen nicht scheut, sollte vom Versicherer verlangen, das Kombi-Paket aufzuschnüren, den abgedeckten Zahnersatz-Bereich herauszunehmen und die Prämie entsprechend nach unten zu korrigieren, rät Krause-Böhm.</P><P>Wer unbedingt ganz raus wolle, müsse dem Anbieter Beratungsfehler nachweisen können, betont Hoffmann.</P><P>Zahnersatz in vielen Fällen teurer</P><P>Mit dem neuen Zuschusssystem für Zahnersatz müssen viele Patienten ab Januar mehr zuzahlen. "Das System führt vielfach zu zusätzlichen finanziellen Belastungen", zitierte der "Focus" den Bundesverband der Angestellten Krankenkassen. Ab Januar zahlen die Krankenkassen nicht mehr einen bestimmten Prozentsatz für genehmigte Zahnersatzbehandlungen - je nach Vorsorge 50 bis 65 Prozent -, sondern einen festen Zuschuss nach Befund. Der Patient bekommt also eine feste Summe bewilligt und darf entscheiden, ob er eine billige Versorgung wählt oder sich eine optisch schönere Variante gönnt. Bei der Umstellung sollte sichergestellt werden, dass die Standardbehandlung weiter so viel Zuschuss bekommt wie bisher. </P><P>Nach Berechnungen des IKK-Bundesverbands müsste beispielsweise ein Versicherter mit fünf fehlenden Zähnen für eine Brücke ab Januar 739 Euro mehr zuzahlen, da sich der Zuschuss der Kasse an der billigeren herausnehmbaren Prothese orientiere: "Je aufwendiger der Zahnersatz, desto weniger decken die Festzuschüsse die tatsächlichen Kosten ab."</P>

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