Reisebranche hofft auf Chinesen

- München - Sie geben ihr Geld mit vollen Händen aus und sind bereits die drittgrößte Touristengruppe aus Übersee: Chinesen sind zu einer wichtigen Zielgruppe der deutschen Tourismuswirtschaft geworden. Mehr als 600 000 Übernachtungen wird es nach Schätzungen der Deutschen Zentrale für Tourismus dieses Jahr geben. Künftige Reiseerleichterungen in Europa sollen das Geschäft ankurbeln.

<P>"Die Chinesen kaufen in Deutschland am liebsten Mode", so das Unternehmen Global Refund, das in Düsseldorf die Tax-Free-Mehrwertsteuerabrechnungen aus Deutschland bearbeitet. Ein Drittel der gut 33 Millionen Euro angemeldeten Umsätze haben im vergangenen Jahr Geschäfte in Frankfurt für sich verbuchen können, die klar vor Köln und München lagen. Frankfurt profitiert bislang stark von seinem Großflughafen.</P><P>Doch Bayern will aufholen. Hier ist die Chiemsee-Tourismus Vorreiter: Deren Geschäftsführer Hermann Roth stellt sich auf den "Markt der Zukunft" ein. Zwar seien nur vier bis fünf Prozent der Chinesen in der Lage, Europareisen zu bezahlen. Doch auch das wären dann schon 60 bis 70 Millionen Menschen. Dabei wirbt Roth nicht nur mit Zielen wie Herrenchiemsee oder die Fraueninsel oder den landschaftlichen Schönheiten der Region. Chiemsee-Tourismus preist auch die Lage zwischen den Städtetourismus-Magneten Salzburg und München an. Hotels der Region spezialisieren sich bereits auf die neu entdeckte Zielgruppe. Persönliche Kontaktpflege ist hier nötig, sagt Roth.</P><P>Auch in München will man sich verstärkt auf Besucher aus China einstellen: Im Herbst startet das städtische Fremdenverkehrsamt Promotion-Aktionen in China unter anderem auf der Messe "China International Travel Mart". Bereits heute ist das Fremdenverkehrsamt in Peking vertreten. Eine spezielle Tourismus-Attraktion kann an China anknüpfen: Auch in Schanghai steht ein Hofbräuhaus.</P><P>Allerdings muss das Personal auf die neue Gästegruppe vorbereitet werden. Unerfahrenen mangelt es oft an der richtigen Ansprache, berichtet Stefanie Lyngbye vom Hamburger Reiseveranstalter Caissa. Chinesische Kunden fühlen sich oft schlechter behandelt als andere Touristen. <BR>Zudem seien sie zwar kaufkräftige, aber auch sehr wählerische Konsumenten. "Uhren wollen sie in der Schweiz kaufen, Parfüm in Paris."</P><P>Die voll gepackten Programme orientieren sich auch an den Einkaufsmöglichkeiten: Feste Programmpunkte sind etwa der Kuckucksuhren-Hersteller Drubba am Titisee und der Boss-Fabrikverkauf im schwäbischen Metzingen. Hermann Roth berichtet auch von regem Interesse an Chiemgauer Hirschhornschnitzereien. Auch Markenwaren aller Art gehen gut. Dabei schauen chinesische Touristen kaum auf den Preis, heißt es aus der Branche. Dies gelte aber nicht für die Buchung einer Reise nach Europa, meint Lyngbye. "In China herrscht ein absoluter Preiskrieg." Hotels, Gaststätten und Verkehrsunternehmen sehen sich ständigen Wünschen der Veranstalter nach Billigstpreisen gegenüber. Gewarnt wird bereits vor Dumping-Angeboten, die in der Hoffnung auf Geschäfte in der Zukunft anvisiert würden.</P><P>Große Erwartungen werden auf Reiseerleichterungen für chinesische Touristen gesetzt, die ab September mit nur einem Visum ganz Westeuropa bereisen können. "Wir haben unseren Vorsprung von einem Jahr genutzt. Da wird noch mehr für Deutschland abfallen", sagt Horst Lommatzsch, China-Experte der Deutschen Zentrale für Tourismus.</P>

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