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Reisepreise im Tief: Lohnt sich Warten auch beim Sommerurlaub?

- Mallorca hin und zurück für weniger als 100 Euro, das Hotel dazu für eine Woche kostet 90 Euro. Für knapp 60 Euro Aufschlag gilt "all inclusive". Ein katastrophaler Reiseverkauf im Mai hat die Last-Minute-Preise dramatisch ins Rutschen gebracht. Ob sich Warten auch für den Sommerurlaub lohnt, ist eine andere Frage. Nicht alles, wo "Last Minute" draufsteht, ist ein Schnäppchen, und manches, was billig ist, erweist sich nicht als preiswert.

<P>"Discount-Travel", die neue Billig-Tochter von Tui, macht keinen Hehl daraus: Wer billig bucht, bekommt spürbar weniger als der Kunde, der den vollen Katalog-Preis zahlt. Kein Zug zum Flughafen und kaum Betreuung durch den Reiseleiter. Lohn des Verzichts: Die Preise liegen um bis zu 50 % unter denen der entsprechenden "besseren" Reisen.<BR><BR>Auch andere Veranstalter sind weitgehend davon abgekommen, einfach nur billiger abzuverkaufen. Pakete werden aufgeschnürt und neu wieder zusammengefügt, sagt Kornelia Kneissl vom Münchner Veranstalter FTI. Das erschwert die für Normalbucher meist peinlichen Überraschungen beim Preisvergleich am Hotel-Pool. Auch sind die Nachlässe geringer geworden, wie Manuela Brencher, Chefin der Reisebüro-Kette S-Tours, unserer Zeitung bestätigt. Doch sieht sie einen Markt für "Discount Travel". "Es gibt viele Kunden, die wenig Geld haben."</P><P>10 bis 30 % sind in Nebenzeiten möglich<BR><BR>Tatsächlich sind die Branchenriesen besonders darauf angewiesen, Kapazitäten auszunutzen und notfalls billig zu verkaufen. Sie fliegen mit eigenen Flugzeugen, haben eigene Hotelketten. Ausfälle schlagen mehrfach auf die Bilanz durch. Veranstalter, die sich auf die Vermittlung beschränken, haben es leichter. "Wenn etwas schlecht läuft, kann man auch Kontingente zurückgeben", sagt Anette Forré´ vom Branchendritten Rewe Touristik, der auf eine schlanke Strategie setzt. </P><P>Aus diesem Grund will Rewe unterhalb seiner Pauschalveranstalter Jahn Reisen ITS und Tjaereborg auch keine Abverkaufs-Gesellschaft gründen. Günstige Last-Minute-Angebote verkauft der Konzern über diese Gesellschaften. 10 bis 30 % Rabatt gegenüber dem Katalogpreis seien, so Anette Forré´, in Nebenzeiten möglich.<BR><BR>Eine eigene Last-Minute-Schiene hat der Branchenzweite Thomas Cook längst eingerichtet. Bucher Reisen verkauft nicht nur die Restbestände der Konzernmarken, sondern kauft auch Restkapazitäten auf. Echte Preishämmer sind rar. Trotz eigener Fluggesellschaft und Hotels unter dem Konzerndach sieht Thomas-Cook-Sprecher Asger Schubert feinere Steuerungsmechanismen. "Man muss nicht mehr verscherbeln." <BR><BR>Außerhalb der Hauptferienzeiten kann man unter den Last-Minute-Reisen günstige Angebote finden. Der Spielraum der Veranstalter bei 10 Prozent Gewinnspanne ist aber begrenzt, sagt Kornelia Kneissl von FTI. Doch werde auch mit Hotels häufig nachverhandelt und günstigere Konditionen erzielt.<BR><BR>Die Reiseveranstalter wurden Opfer der eigenen Politik. Noch vor wenigen Jahren wurden Urlaubsreisen überwiegend lang voraus gebucht, eine kleine flexible Minderheit konnte aus den Restbeständen günstige Schnäppchen aussuchen. Das sprach sich rum. Mittlerweile werden 60 % aller Reisen erst acht Wochen vor Urlaubsantritt oder später gebucht.<BR><BR>Die Gegenstrategie griff nur zum Teil: Frühbucherrabatte sollten die langfristige Kalkulation erleichtern. Obwohl die Auswahl für "frühe Vögel" weit größer ist und die Nachlässe kaum hinter dem Gros der Last-Minute-Angebote zurückbleiben, blieben die Erfolge weitgehend aus. Reihenweise mussten die Veranstalter ihre Frühbucher-Fristen verlängern.<BR><BR>Der Gewinner ist L'Tur, der auf Last Minute spezialisierte Veranstalter, der bisher die wichtigste Abverkaufsschiene von Tui war (die an L'Tur mit 46 % beteiligt ist), gehört zu den wenigen Reiseveranstaltern, die im vergangenen Jahr Zuwächse vermelden konnten: 727 000 verkaufte Tickets bescherten ihm einen Umsatzzuwachs von 10 % auf 333 Millionen Euro.</P><P>Kein Wunder, dass Karlheinz Kögel, Vorstandschef des Last-Minute-Marktführers, noch Öl ins Feuer gießt, unter dessen Hitze die Katalog-Veranstalter schmoren. Eine Woche Mallorca für 99 Euro schweben ihm vor. Sein Signal "Warten lohnt sich" wird aber von Experten mit Skepsis betrachtet. Wenn Millionen, die sich bisher wegen der Wirtschaftsflaute oder wegen des Irakkriegs nicht für eine Reise entscheiden wollten, wenige Tage vor Abflug um verringerte Kapazitäten raufen, könnte es eng werden.</P><P> </P><P> </P>

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