Vom Reißbrett in das Kühlregal: Der lange Weg eines Joghurts

- Freising - Ein neuer Joghurt steht im Kühlregal und wartet auf seine ersten Abnehmer. Ob er es schafft, sich gegen seine zahlreichen Konkurrenten zu behaupten, wird sich zeigen. Doch das Schlimmste hat er eigentlich schon hinter sich: den langen und schwierigen Weg von der Idee zum fertigen Produkt.

Bevor bei der Staatlichen Molkerei Weihenstephan etwas Neues auf den Tisch kommt, sind Profis am Werk: "Drei bis vier Leute sind ständig mit der Entwicklung beschäftigt", sagt Produktmanager David Kalweit. Bei der Kreation eines zuckerreduzierten Fruchtjoghurts gab der Markt den Ausschlag: "Wellness und Gesundheit sind ein Riesen-Thema", sagt Kalweit.

Die Idee wurde im Mai 2004 geboren. Bevor jedoch der erste Tropfen Milch verarbeitet wurde, kam schon der erste von vielen Tests. Ein Marktforschungsinstitut befragte etwa 2000 Personen. Verschiedene schriftliche Konzepte wurden beurteilt. Manchmal werden sogar gleich mehrere neue Produkte auf einmal getestet. "Manchmal schafft es keines, die erste Hürde zu nehmen", sagt Kalweit. Dem Joghurt ist das gelungen. Und er bekam endlich einen Namen: Weihenstephaner Fruchtjoghurt "Weniger Zucker".

Erst jetzt ging es ans Mischen, Rühren und Probieren - die Rezeptur wurde entwickelt. Im Februar 2005 war es dann endlich so weit: Die ersten Geschmackstests wurden durchgeführt. Konsumenten bekamen drei Varianten des Joghurts vorgesetzt und gaben ihre Wertung ab.

Interessant wurde es für die Marketingabteilung, als im März 2005 tiefenpsychologische Studien anstanden. "Das wird nicht bei jedem Produkt gemacht. Aber hier interessierte uns, warum die Konsumenten zuckerreduzierten Joghurt kaufen." Und das Nachfragen lohnte sich, denn heraus kam: Die Käufer sind in diesem Fall nicht so sehr an der Kalorienreduktion interessiert. Sie wollen ein möglichst naturbelassenes Produkt, das möglichst wenig mit industrieller Massenfertigung zu tun hat. Zur Zuckerreduktion benutzt Weihenstephan beim neuen Joghurt Frucht- statt Kristallzucker. Und damit kommt man den Kundenwünschen entgegen. Mit diesem Ergebnis machte man sich jetzt an die Kreation eines Fernseh-Werbespots, der ab Februar 2006 zu sehen sein wird.

Für den Joghurt galt es nun noch eine letzte Hürde zu nehmen: Im Mai und Juni 2005 wurde die Markteinführung simuliert. Konsumenten sollten auf Bildern von gefüllten Regalen auswählen, was sie kaufen würden. Auch die neuen Becher wurden von den Testpersonen genau unter die Lupe genommen. Und schließlich durften sie den Joghurt zu Hause probieren und ihr Urteil abgeben. "Wenn das Produkt bei diesem Test durchfällt, wird alles gestoppt", erklärt Kalweit. Doch der zuckerreduzierte Joghurt sorgte für eine Überraschung: Die Kaufbereitschaft lag nach den Auswertungen aller Tests bei 87 Prozent - ein Wert, der nur selten erreicht wird.

Damit hatte er es endlich geschafft: Seit November steht der Weihenstephaner Joghurt "Weniger Zucker" im Kühlregal. Und während die ersten Käufer schon schlemmen, sind die innovativen Köpfe bei Weihenstephan bereits mit der nächsten Idee beschäftigt. Was das sein wird, bleibt natürlich noch Firmengeheimnis.

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