Reithofer stemmt sich gegen Renditesturz

München - BMW-Chef Norbert Reithofer will mit neuen Modellen und einem milliardenschweren Sparprogramm den bedenklichen Verfall der Rendite stoppen. Stellen sollen dabei aber nicht wegfallen.

BMW war bislang in der Öffentlichtkeit nicht gerade als Krisenunternehmen bekannt. Die Münchner Autoschmiede feierte in den letzten Jahren einen Absatzrekord nach dem anderen, 2006 verkaufte der Konzern weltweit knapp 1,4 Millionen Fahrzeuge der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce. Doch während die Erlöse beständig wuchsen, stagnierte der Gewinn. Die Vorsteuerrendite fiel seit dem Jahr 2000 von über neun auf derzeit unter sechs Prozent. Sprich: Das Unternehmen verdiente immer weniger pro verkauftem Auto.

Die Investoren zogen ihre Konsequenzen aus dem Verfall der Gewinnmarge und ließen die BMW-Aktie zunehmend links liegen. Zwar stieg der Kurs, doch von dem Sonnenschein an den Börsen konnte der Premiumhersteller weit weniger profitieren als andere Mitglieder des Clubs der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften (Dax). Das Management sei deswegen unter großem Druck seines Großaktionärs, der Familie Quandt, geraten, sagen Marktbeobachter. In den Büros der BMW-Zentrale in München soll sogar von einer "Krise" die Rede gewesen sein.

Jetzt handelt Reithofer, der den Chefposten bei dem Premiumhersteller vor gut einem Jahr übernahm. "Die BMW-Gruppe steht vor einer grundlegenden strategischen Neuausrichtung", verkündete der 51-Jährige am Donnerstag nach einem Treffen des Aufsichtsrats. Seit seinem Amtsantritt habe er mit den anderen Topmanagern intensiv die Lage des Unternehmens diskutiert; das Fazit fiel trotz der Verkaufserfolge erschreckend aus. Reithofer: "Wir konnten nicht so weiter machen wie bisher." Deswegen hat der Konzernlenker eine Überlebensstrategie ausgearbeitet, die er gestern präsentierte. Zusammengefasst lautet deren Inhalt: Das Unternehmen soll mehr Autos absetzen, aber viel profitabler werden.

Ziel ist es, die Umsatzrendite bis 2012 auf mindestens acht Prozent zu steigern. Das heißt, von 100 eingenommenen Euro sollen dann nicht mehr nur sechs, wie heute, sondern acht oder mehr Euro als Gewinn übrig bleiben. Reithofer will BMW dadurch und durch eine Anhebung der Dividende für Anleger herausputzen. Ein steigender Aktienkurs soll vor Übernahmen schützen und so die Unabhängigkeit des Konzerns schützen.

Um das ehrgeizige Renditeziel zu erreichen, sollen in den nächsten fünf Jahren sechs Milliarden Euro an Kosten eingespart werden - ohne, dass im größeren Ausmaß Stellen wegfallen . Stattdessen sollen die Produktionsabläufe weiter perfektioniert werden. Unter anderem schließt Reithofer Kooperationen mit anderen Premiumherstellern wie Daimler nicht aus. Komponenten könnten dann gemeinsam und somit preisgünstiger hergestellt werden.

Gleichzeitig will BMW den Absatz um gut 400 000 auf 1,8 Millionen Fahrzeuge nach oben treiben und damit die Marktführerschaft im Premiumsegment verteidigen. Intensive Vertriebsarbeit in China und Russland soll dazu beitragen, aber auch ein Ausbau der Modellpalette. So bestätigte Reithofer gestern unter anderem den Bau des Geländewagens X1. Wachstum durch den Zukauf einer Automarke, wie zuletzt spekuliert, wird es zunächst nicht geben. "Akquisitionen bleiben aber auf unserer Agenda", sagte der gebürtige Penzberger.

Seine Zukunftspläne bringen auch das Personalkarussell in Schwung. Der viel kritisierte Finanzvorstand Stefan Krause tauscht den Platz mit Vertriebschef Michael Ganal. Zugleich kommt ein neuer Vorstandsposten für den Einkauf sowie die Konzern- und Markenentwicklung dazu. Reithofer: "Die Umsetzung der Strategie erfordert eine leistungsfähige Organisation".

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