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„Ich bin nicht bange um die Allianz.“ Michael Diekmann, zwölf Jahre lang Chef von Europas größtem Versicherungskonzern, übergibt seinem Nachfolger im Mai ein Unternehmen auf Wachstumskurs.

Allianz: Rekord-Dividende zum Abschied

München - Zum Abschied hat der scheidende Allianz-Chef Michael Diekmann einen Milliardengewinn vorgelegt. Trotz Niedrigzins verzeichnete der Dax-Konzern 2014 einen Rekordumsatz. Die Aktionäre sollen so viel Geld bekommen wie nie zuvor. Ein paar offene Baustellen bleiben aber.

Nach 27 Jahren bei der Allianz, zwölf davon als Chef, verliert Michael Diekmann nicht viele Worte. Er will sich selbst kein Zeugnis ausstellen. „Das sollen andere machen“, sagt der scheidende Allianz-Chef am Donnerstag bei der Vorlage seiner letzten Bilanz in München. Diekmann lässt lieber die Zahlen sprechen – und die können sich sehen lassen.

Europas größter Versicherer hat im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz erwirtschaftet – 122,25 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von gut zehn Prozent. Auch das operative Ergebnis, das um 3,3 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro gestiegen ist, kann sich sehen lassen. Unterm Strich verdiente die Allianz-Gruppe 6,2 Milliarden Euro und damit vier Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Kunden um zwei Millionen auf 85 Millionen.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Allianz Wort hält, was die Dividende angeht. Im vergangenen Jahr hatte der Münchner Dax-Konzern angekündigt, die Dividendenpolitik zu ändern – und künftig mehr Geld an die Aktionäre auszuschütten. Statt 40 Prozent des auf Anteilseigner entfallenden Jahresüberschusses sollen es ab jetzt 50 Prozent sein. Für das Jahr 2015 bedeutet das: 6,85 Euro je Aktie (2014: 5,30 Euro). Damit schüttet die Allianz insgesamt 3,1 Milliarden Euro an ihre Aktionäre aus. „Ich gehe davon aus, dass das die höchste Dividenden-Summe aller Dax-Gesellschaften ist“, so Diekmann. Gute Nachrichten für die Aktionäre, die allerdings mit noch mehr Gewinn und einer höheren Dividende gerechnet hatten – und so fiel die Allianz-Aktie gestern zwischenzeitlich um 1,9 Prozent.

Unter den Sparten schnitt die größte am besten ab: In der Schaden- und Unfallversicherung profitierte die Allianz davon, dass es 2014 vergleichsweise wenig Naturkatastrophen gab. Der Bereich steuerte mit 5,4 Milliarden Euro (plus 2,2 Prozent) mehr als die Hälfte zum Gesamtergebnis bei. Doch auch im Leben- und Krankenversicherungsgeschäft lief es gut. Die Beitragseinnahmen und das operative Ergebnis (3,2 Milliarden Euro) wuchsen zweistellig. Vor allem in den USA, Italien und Deutschland machte die Allianz gute Geschäfte. Trotz Niedrigzins und Kritik von Verbraucherschützern verkaufen sich die neuen Policen ohne Garantiezins gut.

Rückgänge gab es dagegen in der Vermögensverwaltung. Dabei entwickelten sich die beiden Töchter der Allianz im Asset Management unterschiedlich. Die Allianz Global Investors konnte ihr Ergebnis steigern. Bei der US-Fondstochter Pimco kommt es dagegen seit dem Ausscheiden von Bill Gross zu massiven Nettomittelabflüssen – im Gesamtjahr zogen Kunden rund 236 Milliarden Euro ab. Dennoch ist Diekmann optimistisch. „Wir müssen uns bei Pimco auf die Performance konzentrieren und von Monat zu Monat zeigen, dass wir gut sind – denn das sind wir.“ Insgesamt schrumpfte das Ergebnis im Asset Management um 18 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro.

Für die Zukunft sieht Diekmann eine große Herausforderung in der Digitalisierung. Hier hat die Allianz in den vergangenen drei Jahren rund eine Milliarde Euro investiert. Wie viele Beraterstellen künftig wegfallen werden, nachdem Kunden immer mehr Produkte online abschließen können, ließ Diekmann offen. „Digitalisierung hat Rationalisierungseffekte – das ist unbestritten“, räumte er allerdings ein. Die Allianz hat weltweit aktuell rund 147 000 Mitarbeiter – 40 500 in Deutschland, 8200 davon sind Berater.

Für 2015 rechnet Diekmann mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau – plus/minus 400 Millionen Euro. Ein bescheidenes Ziel nach drei Jahren Wachstum – für das allerdings bald Diekmanns Nachfolger verantwortlich sein wird. Oliver Bäte übernimmt im Mai die Geschäfte. Der Aufsichtsrat habe mit Bäte eine gute Wahl getroffen, beteuert Diekmann. „Ich wünsche meinem Nachfolger eine ruhige Hand und viel Glück, denn das braucht jeder.“

Diekmann selbst bleibt der Allianz weiterhin verbunden – privat, später auch erneut beruflich. „Ich bin und bleibe großer Privataktionär“, so der 61-Jährige. Nach der gesetzlich vorgeschrieben Abkühlphase von zwei Jahren will Diekmann 2017 als Chef in den Allianz-Aufsichtsrat einziehen. Das gilt als beschlossene Sache.

Von Manuela Dollinger

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