Rekordauftrag für Airbus aus China

- Paris - Mit einem Rekordauftrag über 150 Airbus-Flugzeuge der A320-Familie und der Vereinbarung gemeinsamer Produktionen hat der europäische Flugtechnikkonzern EADS einen Riesenschritt zur Eroberung des chinesischen Luftfahrtmarktes getan. Der Großauftrag zum Listenpreis von fast zehn Milliarden Dollar entspreche der A320-Produktion eines halben Jahres, sagte EADS-Chef No½l Forgeard in Paris. Die Verträge wurden am Montag bei einem Treffen des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao mit Premierminister Dominique de Villepin in Paris unterzeichnet.

Der Auftrag umfasst die in Hamburg montierten Typen A319 und A321 sowie das in Toulouse gefertigte Modell A320. Die Gesamtzahl wurde nicht aufgeschlüsselt. Der tatsächliche Wert soll nach Informationen der "Monde" bei sechs Milliarden Euro liegen. Die Maschinen sind für sechs Fluggesellschaften bestimmt. Insgesamt schlossen die Chinesen nach Villepins Worten in Frankreich Handelsverträge in Höhe von neun Milliarden Euro ab. Als erstes europäisches Unternehmen vereinbarte Airbus dabei mit der chinesischen Plankommission eine Kooperation.

Airbus prüft in den kommenden sechs Monaten gemeinsam mit chinesischen Partnern den Aufbau einer Endmontage für Flugzeuge der A320-Familie in China. Dies soll die Produktion in Europa nicht beeinträchtigen, sondern - durch die Öffnung des Fernost-Marktes unterstützen. "Bisher stellt Airbus nur 27 Prozent der chinesischen Verkehrsflotte, doch seit drei Jahren haben wir 60 Prozent Marktanteil bei den Bestellungen", sagte Forgeard. Bis 2013 soll der Marktanteil von Airbus 50 Prozent erreichen.

Die Chinesen vereinbarten ferner mit der EADS-Tochter Eurocopter die Entwicklung des sechs bis sieben Tonnen schweren Hubschraubers EC 175 für den zivilen Weltmarkt. Es ist weltweit das erste Mal, dass ein solches Weltmarkt-Projekt gleichberechtigt angepackt wird. Der EC 175 soll bei Eurocopter die Lücke zwischen dem Fünftonner Dauphin und dem Zehntonner Super Puma füllen. EADS erhofft den Verkauf von 800 Stück binnen 20 Jahren. Außerdem vereinbarte Wen Jiaobao in Paris einen Vertrag über 150 Millionen Euro über den Bau einer Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke.

Villepin betonte auf einer Pressekonferenz mit dem chinesischen Regierungschef, das von der Europäischen Union verhängte Verbot von Waffenverkäufen an China sei ein "Anachronismus". Frankreich werde sich mit seinen europäischen Partnern weiterhin darum bemühen, das Embargo aufzuheben, auch wenn keine Absicht bestünde, "mehr Waffen an China zu verkaufen". Forgeard erklärte, das Embargo sei ein Staatsthema. EADS halte sich daran, sei in der Frage passiv und würde auch ohne Embargo beim Export verantwortungsbewusst handeln.

Der Regierungschef aus Peking war am Sonntag zu einem viertägigen Frankreichbesuch in Toulouse eingetroffen. Während seines Aufenthalts besucht Wen Jiabao Anlagen der Weltraumindustrie wie EADS-Astrium und Alcatel Alenia Space, Eurocopter und den Lenkungsausschuss des experimentellen Fusionsreaktors Iter.

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