Rekordergebnis: BMW legt Geld für Prämien zurück

München - BMW eilt der Konkurrenz davon. Doch der Vorstand präsentiert die Rekordzahlen mit einer gehörigen Portion Skepsis. Einmal schon endete ein gefeierter Höhenflug schmerzhaft.

Wie verhält man sich, wenn man als Unternehmen gerade mal das beste Halbjahresergebnis aller Zeiten verkündet hat? BMW-Chef Norbert Reithofer, dem die branchenüblichen Selbstinszenierungen ohnehin fremd sind, tat das mit selbst für ihn überraschend zurückhaltenden Worten: „Wir haben allen Grund für die Zukunft vorsichtig optimistisch zu sein.“ Dabei hatte er vorher nur Bestwerte verkündet. Absatz (833 366 Autos – plus 20 Prozent), Umsatz (33,9 Milliarden Euro – plus 22 Prozent) und operatives Ergebnis (2,86 Milliarden Euro – plus 66,3 Prozent) lagen über den Prognosen.

Markant ist die Entwicklung der Verkaufszahlen im Vergleich. Hier ist Verfolger Audi dicht an Mercedes dran. Während die Stuttgarter ihre Verkäufe um acht Prozent auf 668 353 steigerten, legten die Ingolstädter um 17,6 Prozent auf 652 970 zu. Doch BMW hat noch ein Quäntchen mehr draufgelegt: Um 19,7 Prozent stiegen die Auslieferung auf 833 366. Damit hat Verfolger Audi zwar den Abstand zu Mercedes verringert. Aber BMW hat seinen Vorsprung weiter ausgebaut.

Auch bei der Rendite können die Konkurrenten nicht mithalten: Audi (mit 12,9 Prozent) und und Daimler (mit 10,7 Prozent) hatten bereits gute Zahlen berichtet. BMW brachte es auf 14,4 Prozent.

Diese Zahl zu erwähnen, überließ Reithofer Finanzvorstand Friedrich Eichiner. Er selbst betonte die globalen Risiken. Diese nehmen, so Reithofer „tendenziell eher zu als ab“. Er nannte die hohe Verschuldung vieler Staaten, politische Unruhen, heterogene Märkte. Auch Modellwechsel würden BMW zunächst bremsen. Für Eichiner ist die Rekordrendite keine Vorgabe. „Aufgrund der dargestellten Risiken halten wir über das Jahr 2011 hinaus an unserem Zielkorridor von acht bis zehn Prozent Ebit-Marge im Automobilsegment fest“, sagte er.

Dabei wird BMW diesen Zielkorridor 2011 wohl verfehlen. Die Marge bleibt nach Eichiners Prognose selbst dann zweistellig, wenn ein außergewöhnlicher Posten in der Bilanz herausgerechnet wird: Rückläufer aus Leasingverträgen sind heute mehr wert, als ursprünglich kalkuliert. Das geht ins Zahlenwerk ein.

Der umgekehrte Fall hatte BMW in der Finanzkrise zu schaffen gemacht: Aber 2003 wurden, um den Vertrieb anzukurbeln, Leasingraten in den USA zu niedrig angesetzt. Der Höhenflug beim Absatz endete schmerzhaft. Die Gebrauchten waren nach dem Zusammenbruch der Finanzmärkte 2007/2008 aber nur deutlich unter dem zu hoch kalkulierten Zeitwert zu verkaufen. Die entsprechenden Wertberichtigungen fraßen nahezu den gesamten Gewinn wieder auf.

Auch aus anderen Gründen kann es klug sein, wegen der Ertragslage nicht in Euphorie zu verfallen. Denn Einkäufer der großen Autohersteller nutzten auskömmliche Renditen von Zulieferern gern, um deren Preise zu drücken. Eine Traumrendite vor über 14 Prozent macht sich da in Verhandlungen nicht so gut.

Die dennoch erwarteten hohen Gewinne auch fürs ganze Jahr dürften aber Aktionäre und Beschäftigte freuen. Eichiner deutete nicht nur eine steigende Dividende an, er kündigte auch an, dass das deutlich bessere Ergebnis auch „zu höheren Boni und Tantiemen führen“ wird. Im zweiten Halbjahr will er dafür schon einmal Geld zurücklegen.

Das Geld haben sich die Mitarbeiter verdient. Sie arbeiten am Anschlag. Längst sind wieder tausende Zeitarbeiter an Bord, um genügend Autos zu liefern. Das gelingt nicht. Vor allem auf die Geländemodelle X1 und X3 müssen BMW-Kunden oft monatelang warten. Reithofer bezifferte die Auslastung der Werke auf 102 Prozent. Die Werksferien und die Standzeiten für Wartung und Umbauten werden auf das mögliche Minimum zusammengestrichen. Gleichzeitig nutzt der Konzern die Produktion unter Vollgas aus, um weitere Schwachstellen im Ablauf zu finden. Flaschenhälse beseitigen nennt Reithofer die Methode. Im zweitgrößten Werk des Konzerns in Spartanburg (USA), das bis 2010 auf eine Kapazität von 240 000 Fahrzeugen ausgebaut wurde, werden heuer bereits 270 000 Autos gebaut und im nächsten Jahr 300 000. Doch das soll nicht die Grenze des Wachstums sein. Es steht die Entscheidung an, das Werk noch einmal auszubauen, und wie Reithofer einräumte, dort auch Limousinen zu bauen.

Darüber hinaus gibt es Pläne, in Brasilien mit dem Aufbau eines Montagewerks in die Produktion einzusteigen. Diese Vorhaben zeigen, dass der BMW-Vorstand bei seinen Zielen weniger bescheiden ist, als bei seinen Auftritten. Denn das bedeutet indirekt, dass die für dieses Jahr angepeilte Produktion von über 1,6 Millionen BMW und Minis nicht das Ende der Fahnenstange ist.

BMW bereitet sich damit darauf vor, im Rennen auch gegen Audi die Führung zu behalten. Rupert Stadler, Chef des Rivalen aus Ingolstadt, hat angekündigt, nicht erst 2015, sondern bereits 2014 die 1,5-Millionen-Marke beim Absatz knacken zu wollen. Dies ist nur ein Etappenziel beim Vorhaben, BMW als Nummer eins im Premiumsektor abzulösen. Lange hielten das Beobachter nur für eine Frage der Zeit, weil Audi wegen des Zugriffs auf Teile und Entwicklungskapazitäten von Volkswagen als rentabler galt – und damit mehr Spielraum hat, die Konkurrenten bei der Preispolitik auszustechen. Die hohe BMW-Renditezahlen weisen nun in eine andere Richtung.

Auch bei der Geldbeschaffung hat BMW gute Karten. Beim kurzfristigen Rating bekommt der Konzern von Moody’s die Bestnote P1, langfristig die Note A2. BMW liegt damit in Europa an der Spitze vor Volkswagen (A3) und weltweit hinter Honda (A1) und Toyota (AA3) auf Platz 3. Der Weltmarktführer sieht nach einem hohen operativen Verlust im abgelaufenen Quartal wieder optimistischer in die Zukunft. Er hob gestern seine Gewinnprognose von umgerechnet 2,5 Milliarden Euro auf 3,5 Milliarden Euro an.

Martin Prem

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