Rekordgewinne und mehr Dividenden

- München - BMW, Deutsche Bank und Allianz ­ das sind nur einige aus dem Deutschen Aktienindex (Dax), die auf dem Weg zu Bestmarken beim Gewinn 2006 sind. Mit der Rekordsumme von insgesamt 56 Milliarden Euro rechnet die Landesbank Rheinland-Pfalz. Das wären 11 Prozent mehr als 2005, als sich schon mehrere Unternehmen über ein Rekordjahr freuen konnten. Während die Aktionäre und die Top-Etagen der Konzerne von dem Boom profitieren, scheint bei vielen Beschäftigten bisher wenig davon anzukommen.

Zwar ist das Nettoeinkommen der Haushalte in Deutschland von 1991 bis 2005 im Schnitt von 26 000 auf 33 700 Euro gestiegen. Doch weil die Inflation noch stärker zulegte, hatten die meisten Bürger unter dem Strich zwei Prozent weniger im Geldbeutel. Über das höchste Einkommen verfügten laut Statistischem Bundesamt noch die Haushalte von Selbstständigen mit durchschnittlich 77 200 Euro, bei Arbeitern waren es 30 200 Euro.

"Wir haben tarifpolitisch unter unseren Verhältnissen gelebt", meinte Reinhard Bispinck von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Nach Angaben des Instituts stiegen die Tarifeinkommen der Beschäftigten 2005 im Schnitt um 1,6 Prozent und damit geringer als die Inflation. Am stärksten viel das Plus mit 2 Prozent noch im Bereich Grundstoff- und Produktionsgütergewerbe aus. Im Baugewerbe gab es dagegen nur einen Anstieg von 0,5 Prozent.

Möglicherweise könnte sich dies bei den Tarifverhandlungen im kommenden Jahr ändern. So signalisierte Deutschlands größter Stahlproduzent Thyssen-Krupp nach den Rekordgewinnen 2005/2006 Bereitschaft zu deutlichen Lohnerhöhungen. "Der Lohnabschluss darf diesmal auch oberhalb der Produktivitätssteigerung liegen", sagte Konzernchef Ekkehard Schulz. Voraussetzung sei allerdings, dass die Arbeitnehmer zu längeren Arbeitszeiten bereit seien.

Die Vorstandsbezüge der meisten 30 Dax-Unternehmen stiegen bereits 2005 im Schnitt um 11 Prozent auf 1,7 Millionen ohne Vergütungsbestandteile wie Aktienoptionen, schätzt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Vorstandschefs erhielten im Schnitt 3 Millionen Euro, ebenfalls ein Plus von 11 Prozent. Absoluter Spitzenreiter war die Deutsche Bank, hier verdiente ein einfaches Vorstandsmitglied etwa 3,83 Millionen Euro, ein Gehaltssprung von 26 Prozent. Das Ergebnis je Aktie hatte sich aber auch um 52 Prozent verbessert.

Auf Rang zwei folgt die Führungsriege des Softwareriesen SAP mit 3,18 Millionen Euro, ein Plus von 58 Prozent. Der Handelskonzern Metro zahlte seinen Spitzenmanagern laut DSW fast 23 Prozent weniger, das Ergebnis je Aktie war um 35,6 Prozent gesunken. 25 von 30 Konzernen werden nach Schätzung der Landesbank Rheinland-Pfalz für 2006 die Dividende erhöhen. Die Anteilseigner von Bayer, Daimler-Chrysler, Infineon und Metro werden sich dagegen wohl mit einer unveränderten Ausschüttung bescheiden müssen. Und Tui-Konzernchef Frenzel kündigte unlängst an, dass die Anteilseigner 2006 ganz auf eine Ausschüttung verzichten müssen.

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