Rekordquartal für Allianz

- München - Deutschlands größter Versicherungskonzern Allianz behält nach einem Rekordquartal weitere Wachstumschancen im Blick und hat sich höhere Ziele für dieses Jahr gesteckt.

Gegenwärtig habe man zehn Projekte in der Pipeline und wolle dabei beispielsweise auf strategischen Wachstumsmärkten wie Indien und China Potenziale ausschöpfen, sagte Allianz-Chef Michael Diekmann in München. Mit dem bisher sehr guten Geschäftsverlauf in diesem Jahr ernte man weiter die Früchte der Strategie zur Steigerung der Ertragskraft.

"Aber wir wissen auch, dass gute Quartalszahlen keine Garantie für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens darstellen." Es gebe daher keinen Grund, innezuhalten. Die Jahresprognose hob der Konzern nach dem Gewinnsprung im zweiten Quartal an und geht nun von 5,5 bis 6,0 Milliarden Euro Überschuss sowie einem operativen Ergebnis von über neun Milliarden Euro aus.

Den tiefgreifenden Konzernumbau, der mit dem Abbau von insgesamt 7500 Stellen im deutschen Versicherungsgeschäft sowie bei der Tochter Dresdner Bank einher geht, verteidigte Diekmann erneut als alternativlos. "Die notwendigen Veränderungen sind nicht einfach, denn Veränderungsprozesse sind nie einfach", sagte der Konzernchef. Ein starkes Unternehmen sei aber gut für Kunden und Mitarbeiter, für die Eigentümer und den Holdingstandort Deutschland. "Deshalb arbeiten wir daran, die Allianz weltweit noch besser aufzustellen."

Nach vorläufigen Zahlen kletterte der Überschuss der Allianz zwischen April und Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 64 Prozent auf etwa 2,3 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr hat der Konzern damit 4,06 Milliarden Euro verdient und damit bereits annähernd so viel wie im gesamten Jahr 2005, als unter dem Strich ein Überschuss von 4,38 Milliarden Euro stand.

In dem Quartalsergebnis sind bereits Rückstellungen von Restrukturierungskosten in Höhe von 522 Millionen Euro für den Umbau des deutschen Versicherungsgeschäfts enthalten. Dies konnte der Konzern mit Hilfe von Beteiligungsverkäufen ausgleichen. So gab der Versicherer seinen Schering-Anteil an Bayer ab, was den Gewinn nach Angaben von Allianz-Vorstand Helmut Perlet um rund 800 Millionen nach oben trieb. Der Gesamtumsatz der Gruppe stieg im zweiten Quartal von 23,7 auf 24,1 Milliarden Euro.

Die Allianz hat unter anderem das Geschäft mit Sach-, Lebens- und Krankenversicherungen unter dem Dach einer Deutschland-Holding gebündelt und will sich mit der Komplettübernahme der italienischen Tochter RAS in eine Europäische Gesellschaft umwandeln. Mit den Vorbereitungen dazu liege man im Plan, sagte Diekmann.

Zu den Ergebnisverbesserungen im zweiten Quartal trugen alle operativen Segmente bei. So belief sich die Schaden-Kosten-Quote in der Schaden- und Unfallversicherung auf 91,9 Prozent. Je weiter die Quote unter 100 Prozent liegt, desto profitabler arbeiten Versicherer. Mit einem operativen Ergebnis von 1,845 Milliarden Euro blieb diese Sparte auch mit Abstand größter Ertragsbringer des Konzerns. Auch die Lebens- und Krankenversicherungen sowie die Vermögensverwaltung konnten ihre operativen Ergebnisse jeweils deutlich steigern.

Fortschritte machte im zweiten Quartal auch die Tochter Dresdner Bank, die beim operativen Gewinn mit einem Plus um 56 Prozent auf 319 Millionen Euro den stärksten Anstieg verzeichnete. Die operativen Erträge legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28,5 Prozent auf 1,71 Milliarden Euro zu. "Ich glaube, dass wir uns mit diesen Zahlen im Vergleich zur Konkurrenz durchaus sehen lassen können", sagte Allianz-Vorstand Helmut Perlet. Experten hatten allerdings eine noch stärkere Verbesserung erwartet.

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