Rekordstrafe der EU für Aufzug-Kartell

Preisabsprachen: - Brüssel ­- Ein Jahrzehnt lang ging es für die führenden Hersteller von Aufzügen und Rolltreppen dank verbotener Absprachen immer nur nach oben, jetzt hat EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes auf "Nothalt" gedrückt. Erst Ende Januar bat sie Siemens mit 418,6 Millionen Euro für eine Führungsrolle bei einem Kartell für Schaltanlagen zur Kasse.

Keinen Monat später gleitet nun Thyssen-Krupp mit 479,7 Millionen Euro wegen seiner Mitwirkung an dem Kartell für Fahrstühle und Rolltreppen auf den Spitzenplatz der "Hitparade" der größten Kartellsünder in der EU. Weil die Düsseldorfer wegen einer früheren Missetat im Bereich Edelstahl als "Wiederholungstäter" eingestuft wurden, wurde die Strafe gleich um 50 Prozent erhöht. Insgesamt markierte Kroes mit einer Kartellbuße von knapp einer Milliarde Euro einen neuen Rekordbetrag.

Im vergangenen Jahr verhängte die Kommission Kartellbußen in Höhe von zwei Milliarden Euro, in den ersten beiden Monaten dieses Jahres waren es bereits 1,7 Milliarden Euro. Das Signal ist eindeutig: Preisabsprachen sollen kein Kavaliersdelikt mehr sein. Mit großer Härte will die Kommission zeigen, dass sie den Wettbewerb bewahren will ­ um jeden Preis. Reiner Zufall sei es, dass in diesem Jahr vor dem Hintergrund des deutschen EU-Ratsvorsitzes bereits zwei Perlen der deutschen Industrielandschaft an Glanz verloren, heißt es. In der Tat rangieren unter den zehn führenden Kartellsündern außer Thyssen-Krupp, Siemens und BASF auch sieben Konzerne aus anderen Ländern.

Die Steuerzahler seien "in großem Stil betrogen worden" wetterte Kommissionssprecher Jonathan Todd. "Steuerzahler, öffentliche Auftraggeber und Bauherren mussten sehr viel mehr bezahlen als dies beim Vorhandensein eines funktionierenden Marktes der Fall gewesen wäre", sagte er. Beziffern könne man dies aber nicht. Die EU-Kommission ist selbst betroffen: "Auch die Verträge für Aufzüge und Rolltreppen in diesem Gebäude und in einem Neubau des Europäischen Gerichtshofes unterlagen den Absprachen des Kartells", räumte Todd ein.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Experten: Nachrüstungen alter Diesel "grundsätzlich möglich"
Die Regierung lässt Millionen Autobesitzer seit Monaten im Unklaren: Kommt doch noch mehr als neue Software, um Motoren zu schmutziger Diesel sauberer zu bekommen? Nun …
Experten: Nachrüstungen alter Diesel "grundsätzlich möglich"
Wegen des Deutschland-Spiels gegen Schweden: Edeka- und Rewe-Filialen schließen früher
Für die DFB-Elf geht es am Samstag schon um alles. Gut ist das immerhin für die TV-Einschaltquoten - und die Spannung. Auch mehrere Supermarkt-Filialen reagieren.
Wegen des Deutschland-Spiels gegen Schweden: Edeka- und Rewe-Filialen schließen früher
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Die Opec hat am Freitag vorgelegt, einen Tag später ziehen die Nicht-Opec-Länder nach. Mehr Öl soll in den Markt gepumpt werden, um eine Balance zwischen Angebot und …
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 
Daimler hat die Auslieferung mehrerer Diesel-Modelle gestoppt. Grund  ist der angekündigte Rückruf für Fahrzeuge, die einen Diesel-Motor nach der Norm 6b enthalten.
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.