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Renate Schmidt machte bei Quelle ihre Ausbildung und ist dem Haus sehr verbunden.

Interview

Renate Schmidt: „Dummheit richtete Quelle zugrunde“

München - Die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) ist ein Quelle-Gewächs: 1961 begann sie in Fürth eine Ausbildung als Programmiererin und arbeitete anschließend in der Datenverarbeitung.

Nach ihrer Wahl in den Betriebsrat wurde Schmidt 1973 als Arbeitnehmervertreterin freigestellt, bis sie 1980 in den Bundestag wechselte. Bis heute hält die Nürnbergerin enge Verbindungen zu ihren alten Kollegen.

Der Quelle-Katalog: Früher und heute

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-Frau Schmidt, wie haben Sie die Nachricht vom endgültigen Aus für Quelle aufgenommen?

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Ich war vollkommen perplex. Alle waren immer der Meinung, es wird gelingen, es sei nur die Frage, wer den Zuschlag bekommt und wie viele Arbeitsplätze weniger das bedeutet. Als die Nachricht kam, war das ein großer Schrecken und auch ein großer Ärger. Der Schrecken wegen der Mitarbeiter, und der Ärger, weil ein solches Unternehmen, das über 80 Jahre lang bestanden und über lange Zeit floriert hat, durch die Dummheit von Managern, aber auch das Unvermögen bestimmter Teile der Politik kaputtgegangen ist.

-Wer waren denn Ihrer Meinung nach die Totengräber von Quelle?

Der Bestattungsunternehmer war Herr Middelhoff (der frühere Arcandor-Chef, d. Red.), und den letzten Sargnagel zu dem ganzen Drama hat Herr zu Guttenberg (Bundeswirtschaftsminister, CSU) geliefert, weil er sich über das Geschäftsmodell der Quelle nie wirklich informiert hat. Die von ihm vorgeschlagene „geordnete Insolvenz“ hat für Quelle das reine Chaos bedeutet, weil die Quelle von einem Tag auf den anderen von jedem Finanzstrom abgeschnitten wurde. Damit ist sie in die Schlagzeilen geraten, damit ist der Umsatz zurückgegangen und das Vertrauen der Kunden.

-Was hätte anders laufen müssen?

Die Hilfe hätte man wie bei anderen Unternehmen auch gleich am Anfang leisten müssen, dann hätte man die geordnete Insolvenz vermeiden können. Doch Herr zu Guttenberg musste befriedet werden, weil er bei Opel nachgegeben hatte, da durfte er bei Quelle nicht noch einmal das Gesicht verlieren. Da muss man auch sehr sauber unterscheiden zwischen zu Guttenberg und der bayerischen Staatsregierung, weil die von Anfang an helfen wollte, dies aber auf dieser Basis nicht im ausreichenden Maß konnte. Ich bin überzeugt davon: Es hätte gelingen können, dass die Quelle gerettet worden wäre.

-Welche Rolle spielten die Fehler des Managements beim Niedergang?

Es mag für manche wie eine Lappalie erscheinen, ist aber keine: Wenn man Traditionsunternehmen wie Karstadt oder Quelle umtauft in Arcandor und Primondo, muss man schlicht und ergreifend eine Meise haben. Das sind eingeführte Markennamen, unter denen die Menschen sich was vorstellen können. Das war einer der großen Fehler. Dahinter stand ein dauerndes „rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln“ bei den Managern. Es war ja überhaupt nicht mehr ersichtlich, wer im Moment das Sagen hat, weil die Manager im Turnus von ein bis zwei Jahren gewechselt haben. Doch derjenige, der der Quelle wirklich den Todesstoß gegeben hat, war Herr Middelhoff mit dem Verkauf jedweden Tafelsilbers.

-Bayerns Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) warf dem Insolvenzverwalter vor, dass die Suche nach Investoren nicht transparent gewesen sei. Teilen Sie diese Kritik?

Ja. Der Insolvenzverwalter machte bis zuletzt Hoffnungen, ohne dass sich diese Hoffnung letztlich bewahrheitet hat. Er hätte die Politik darüber informieren müssen, was für die Investoren gegebenenfalls der Knackpunkt ist, aber das ist niemals gesagt worden.

Interview: Elke Richter .

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