Renault: Kampfpreis für Billigauto

- München - Kann ein Auto für 7500 Euro mit spartanischer Ausstattung ein Verkaufsschlager werden? Nach der Renault-Ankündigung, den rumänischen Dacia Logan 2005 in Deutschland anzubieten, streiten Experten über diese Frage. Bisher hatten die Franzosen mit Ideen, die in Deutschland zuerst belächelt wurden, die Nase im Wind.

<P>Das war bei den Familien-Vans so, beim Diesel-Rußfilter, bei den Blechdach-Cabrios und nun wohl bei der Neudefinition des Volksautos: Das hat 75 PS, kein Stabilitätsprogramm (in Deutschland aber wohl Airbag und ABS), viel Platz im Innern und im Kofferraum sowie Bodenfreiheit für schlechte Straßen.</P><P>Der Logan wird in Rumänien gebaut, wo die Löhne mit 200 Euro im Monat so niedrig sind, dass nicht einmal der Einsatz von Robotern sich lohnt. 5000 Euro kostet das Auto in Osteuropa. Da kann man bei 7500 Euro tiefer in die Ausstattungskiste greifen, ohne dass die Gewinne einbrechen. Dabei geht Renault vorsichtig vor, um die eigene Marke zu schonen. Das Auto wird zwar auch über Renault-Händler vertrieben. Aber als Dacia "by Renault". Ursprünglich wollten die Franzosen sich mit dem Logan auf Osteuropa beschränken. Diese Zurückhaltung wurde aufgegeben.</P><P>Die deutschen Massen-Hersteller sehen den Vorstoß zumindest offiziell gelassen. "In Deutschland werden mehr Autos zu Preisen über 100 000 Euro verkauft als zu Preisen von weniger als 10 000 Euro", sagte laut "Welt am Sonntag" VW-Chef Bernd Pischetsrieder. So richtig erfolgreich war der Ausflug der Wolfsburger ins obere Preissegment bisher nicht. Dafür wurde aber für den Phaeton und teure Entwicklungen bei Bentley und Bugatti viel Geld ausgeben. Motoren mit acht, zehn und zwölf und sogar mehr Zylindern hat der Konzern für viel Geld entwickelt. Geld, das Golf, Polo und Passat nicht verdienen können und das nun mit Sparprogrammen erwirtschaftet werden muss.</P><P>Bei Renault und Peugeot liegt die Zylinder-Norm bei wirtschaftlichen vier. Nur in Spitzenmodellen dürfen es zwei mehr sein. Solche Zurückhaltung spart Geld und steigert damit die Rendite (siehe Kasten). Während deutsche Massen-Hersteller davon träumen, in den exklusiven Kreis der Premium-Anbieter aufzusteigen (die aber mit Opel und VW im Premium-Olymp nichts Besonderes mehr wären) und viel Geld in immer noch mehr Technik stecken, greifen die Franzosen sowohl in ihre übersichtlichen Baukasten und kommen finanziell gut über die Runden.</P><P>Kurioserweise sind es Vertreter der echten Premium-Anbieter, die einen Logan-Erfolg für möglich halten. So räumt BMW-Vertriebsvorstand Michael Ganal laut "WamS" Wachstumschancen für ein Billigsegment ein und auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sieht für solche Autos einen Markt. Beide aber warnen vor geringen Margen.</P><P>Bislang bieten vor allem Hersteller aus Fernost Billig-Autos an. Wenn Renault über sein gut ausgebautes Händlernetz nun vorprescht, ist auch VW unter Zugzwang. Die Wolfsburger haben zwar mit dem Fox aus Brasilien ein potenzielles Billigauto, das sie in Europa verkaufen könnten. Doch bisher kalkulieren sie mit Preisen von lediglich unter 10 000 Euro. Im Wettbewerb über den Preis aber hat das zweitbilligste Produkt, wie die Erfahrungen im Einzelhandel zeigen, keine Chance.<BR></P>

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