GM und Renault-Nissan diskutieren Allianz

- New York - Rick Wagoner und Carlos Ghosn wollen in Detroit zu ersten Gesprächen über eine globale Allianz der drei Autoriesen General Motors (GM), Renault und Nissan zusammen kommen.

Eine Allianz zwischen dem angeschlagenen US-Autokonzern, dem französischen sowie dem japanischen Autohersteller war vor zwei Wochen von dem GM-Großaktionär Kirk Kerkorian und seiner Investmentfirma Tracinda vorgeschlagen worden. Kerkorian hält 9,9 Prozent der Aktien des globalen Branchenführer. GM hatte im vergangenen Jahr wegen seines maroden nordamerikanischen Autogeschäfts einen Verlust von 10,6 Milliarden Dollar verbucht.

Eine GM-Renault-Nissan-Allianz könnte die globale Automobilindustrie von Grund auf ändern. Die drei Gesellschaften haben einen weltweiten Marktanteil von fast einem Viertel und einen Gesamtumsatz von 327 Milliarden Dollar.

Ghosn will Wagoner bei dem Treffen von den Vorzügen einer solchen Dreier-Allianz überzeugen. Wagoner machte am Donnerstag seinerseits in Washington erneut klar, dass er bereit sei, sich die potenziellen Vorteile einer solchen Allianz anzusehen. GM muss sich nach seiner Ansicht aber auf die eigenen Sanierungspläne konzentrieren und dürfe sich nicht ablenken lassen.

In einer Serie von Interviews mit dem US-Wirtschaftsfernsehsender "CNBC", der "New York Times" und dem "Wall Street Journal" präzisierte Ghosn seine Allianzvorstellungen vor dem Treffen mit Wagoner. In dem CNBC-Interview machte er es am Donnerstagabend klar, dass eine Entscheidung über die Allianz bis zum Jahresende erfolgen sollte. Er erklärte "kategorisch", dass er zusätzlich zu seiner Verantwortlichkeit bei Renault und Nissan nicht noch ein drittes Unternehmen führen wolle.

Nach dem Treffen mit Wagoner sollen nach seinen Angaben Experten der Unternehmen die Zahlen in den kommenden Tagen und Wochen diskutieren. Er machte auch klar, dass Nissan in den USA zusätzliche Kapazitäten benötige und hierfür möglicherweise GM-Werke verwenden könnte, die geschlossen werden sollen. Wagoner GM will angesichts der schwachen Verkaufslage in Nordamerika ein Dutzend Fabriken schließen. GM hat sich bereits auf Vorruhestands- und Abfindungsprogramme für 35 000 amerikanische GM-Bedienstete geeinigt.

Wagoner hat bereits mehrere Beteiligungen verkauft und sich bei dem Allianzdebakel mit Fiat mit einer Abstandszahlung von zwei Milliarden Dollar aus der Affäre gezogen. Jetzt muss er noch den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung an der großen Finanztochter GMAC endgültig vollziehen, was Milliarden in die GM-Kasse bringen wird. Auch eine endgültige Sanierungslösung bei der insolventen ehemaligen GM-Autoteilesparte Delphi muss noch ausgehandelt werden. Delphi ist der größte US-Autozulieferer und wichtigster GM-Teilelieferant. Das Unternehmen leidet selbst unter Milliardenverlusten. Im nächsten Jahr stehen dann bei GM Tarifverhandlungen mit der Automobilarbeitergewerkschaft UAW an. Dabei wird GM mit Sicherheit weitere enorme Zugeständnisse von seinen Mitarbeitern verlangen.

Ghosn besteht im Falle einer Allianz auf einer erheblichen Beteiligung an GM, ohne sie jedoch zu quantifizieren. Kerkorian wollte, dass Renault und Nissan jeweils zehn Prozent GM-Anteile für insgesamt rund drei Milliarden Dollar kaufen sollten. Ghosn bestätigte in dem CNBC-Interview auch, dass er sich mit Ford- Konzernchef Bill Ford getroffen habe. Es hat jedoch nach seiner Darstellung keine Allianzgespräche mit Ford gegeben.

Die GM-Aktien sind am Donnerstag um 4,39 Prozent auf 28,32 Dollar gefallen. Sie haben damit noch einen Gesamtwert von rund 16 Milliarden Dollar.

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