Renditedruck erzwingt Stellenabbau bei ProSiebenSat.1

München - Dass der Aufschwung bei ProSiebenSat.1 derzeit die Kassen klingeln lässt, ging auf der Hauptversammlung am Dienstag unter. Für Gesprächsstoff sorgten hingegen der geplante Stellenabbau und damit einhergehende Einschnitte im Programm von Sat.1. Sorgen bereitet manchem Aktionär zudem der Schuldenstand des TV-Konzerns.

Eher am Rande und auch nur auf Nachfrage gab Vorstandschef Guillaume de Posch bei dem Aktionärstreffen am Münchner Messegelände erstmals Details zu den Sparplänen bei ProSiebenSat.1 preis. Etwa 180 Stellen, erklärte der Belgier, würden in Deutschland abgebaut. Das entspricht in etwa der Größenordnung, über die in den vergangenen Tagen bereits spekuliert worden war. Der Fernseh-Manager kündigte allerdings an, dass es durch den weiteren Ausbau der Geschäftsaktivitäten der Sendergruppe "mittelfristig wieder zu einem Aufbau von Stellen" kommen werde.

Von den Einschnitten wird, wie bereits berichtet, vor allem das Berliner Hauptquartier von Sat.1 betroffen sein. Dort fallen 100 Arbeitsplätze unter anderem deshalb weg, weil die Sendungen "Sat.1 am Mittag" und "Sat.1 am Abend" mit sofortiger Wirkung aus dem Programm genommen werden. Am 31. August wird zudem das letzte Mal die vom Schwesterkanal N24 produzierte Nachrichtensendung "Sat.1 News - Die Nacht" ausgestrahlt. Bei den drei Formaten stimmten die Quoten nicht, wie eine Sprecherin am Rande der Hauptversammlung erklärte. Sat.1 hatte zuletzt insgesamt in der Zuschauergunst eingebüßt, der Marktanteil rutschte auf gut zehn Prozent.

Gewerkschaften, Medienwächter und Politiker reagierten mit Kritik auf den Sparkurs bei Sat.1. "Es kann nicht sein, dass ein Privatsender auf seine Informationssendungen verzichtet, obwohl er ursprünglich die Lizenz für ein Vollprogramm erhielt", sagte der CSU-Generalsekretär Markus Söder gegenüber "Spiegel Online". Die Lizenz verpflichtet den Sender, neben Unterhaltungs- auch Bildungs-, Beratungs- und Informationselemente in seinem Programm anzubieten. De Posch verwies jedoch darauf, dass nicht festgelegt sei, wie groß der Nachrichtenanteil sein muss. Bei Sat.1 hieß es, man wolle auch weiterhin täglich um 18.30 Uhr die "Sat.1 News" ausstrahlen.

Im Dunkeln blieb, in welchen Bereichen das ProSiebenSat.1-Management weitere Arbeitsplätze streichen will. De Posch sagte lediglich, dass auch in der Münchner Konzernzentrale 80 Stellen abgebaut werden. Nach einer Analyse der Gruppe habe man sich entschlossen, Sparpotenziale auszuschöpfen, sagte der Vorstandschef. Das Unternehmen sitzt nach der eben erst vollzogenen Übernahme der europaweit aktiven Senderkette SBS auf einem Schuldenberg von über vier Milliarden Euro, der auch mithilfe des Jobabbaus abgetragen werden soll. Durch das Zusammengehen ist das nach der RTL-Gruppe zweitgrößte TV-Imperium Europas herangewachsen.

Aktionärsvertreter kritisierten auf der Hauptversammlung den hohen Preis für das Verschmelzen der beiden Unternehmen, die sich im Besitz der Finanzinvestoren KKR und Permira befinden. Der Kauf von SBS sei "ein guter Deal zum unverschämten Preis" gewesen, sagte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Das Unternehmen brauche mindestens 14,7 gute Geschäftsjahre, um die ausgegebenen 3,3 Milliarden Euro zu finanzieren.

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