Der Renner in der Formel 1: Kunststoff-Technik aus Feldkirchen

- Feldkirchen - Warum eigentlich sieht mein Auto so hässlich aus? Kann die Fahrertür nicht besser schließen? Und muss die Heckklappe so quietschen? Bekanntlich ist nicht jeder Deutsche zufrieden mit seinem fahrbaren Untersatz. Manch einer schraubt, feilt und lackiert gar selbst am guten Stück herum - mit zweifelhaften Erfolgsaussichten. Hersteller, die wissen wollen, wie sie ein neues Modell besser machen, wenden sich an Andreas Daunderer. Seine Firma Alphaform entwickelt seit 1995 Prototypen für namhafte Autohersteller. Mit Modellbau hat das freilich nichts zu tun.

<P>"Wir machen große Autos", stellt auch Andreas Daunderer leicht amüsiert klar. Bevor ein Auto in die Serienfertigung geht, werden die Testfahrzeuge nämlich bei Hitze und Kälte, Regen und Schnee, auf der Autobahn und im Gelände auf Herz und Nieren geprüft. Hierfür entwickelt Alphaform spezielle Kunststoff- und Metallelemente, die dann in die Testfahrzeuge eingebaut werden - in Originalgröße. Audi, Daimler-Chrysler, BMW, VW, Bugatti, Maybach - die Referenzliste der Alphaform AG ist inzwischen lang. Rund 80 Prozent der Geschäfts machen die Auto-Prototypen aus, den Rest steuern andere Branchen bei.</P><P>"Unsere Prototypen sind dazu da, kaputt gemacht zu werden", bringt der Chef die Unternehmensaufgabe auf den Punkt. Bevor etwa der neue Audi A 6 in die Fertigung geht, verschleißen die Testfahrzeuge über hundert Prototypen. Fahrertür, Kühlergrill, Scheinwerfer, Tank - alle Teile werden immer wieder Belastungstests unterworfen. Treten Fehler oder Mängel auf, überarbeitet Alphaform das Verfahren. "Schließlich soll so ein Auto ja länger als drei, vier Jahre halten", erläutert Daunderer den Sinn des Verfahrens.</P><P>Wird ein Auto erst einmal in Serie gefertigt, wären solche Änderungen viel zu teuer. "Bei 70, 80 Testfahrzeugen rechnet sich das", sagt Daunderer. Die Entscheidung, welcher Türgriff nun am besten in der Hand liegt oder welches Amaturendesign gefällt, ist laut Daunderer immer Chefsache. Hierfür mache dann der Vorstand eine Spritztour mit dem neuen Modell. "Heutzutage entscheidet das Design über den Erfolg eines Modells", sagt er.</P><P>Spektakulär sehen die Geräte zur Herstellung der Prototypen nicht aus: In einer Halle stehen mehrere rechteckige Maschinen, etwas größer als ein Kühlschrank. Darin befindet sich eine Lage flüssiger Kunststoff, die ein Laser computergesteuert Schicht für Schicht aushärtet. Bei einem Verfahren entsteht so direkt der Prototyp, bei einem anderem, der Stereolithographie, muss der Kunststoff erst noch weiter verarbeitet werden.</P><P>Ihre Designvorgaben erhalten die Mitarbeiter von Alphaform als Datenpaket direkt vom Hersteller - unter strengster Geheimhaltung. "Alles, was wir über die Konkurrenz wissen, dürfen wir nicht ausplaudern", bestätigt der Geschäftsführer. Am sensibelsten ist das Geschäft mit den wirklich schnellen Autos. Denn auch in der Formel I fährt Alphaform mit. Namen werden hier aber auf keinen Fall genannt.<BR></P>

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