Gesamtmetall-Chef

Arbeitgeber fordern Rente mit 70: „Wir müssen darüber reden“

  • Jonas Raab
    VonJonas Raab
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Während die Diskussion um die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahre auf Hochtouren läuft, prescht Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf vor und spricht auf einmal von Rente mit 70.

Berlin - „Wir müssen zu den Menschen ehrlich sein“, meint Stefan Wolf. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall ist sich sicher: „Wir werden das Renteneintrittsalter nicht bei 67 Jahren halten können.“ So weit, so bekannt. Doch Wolf fordert nicht etwa die Rente mit 68 Jahren, die zuletzt diskutiert wurde; Wolf sprach sich gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe für die Rente mit 70 aus.

„Wir werden in den nächsten Jahren über ein Renteneintrittsalter von 69 bis 70 Jahren reden müssen“, sagte der Gesamtmetall-Präsident, der die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie vertritt, am Dienstag (17. August). Wolf warnte vor einem Finanzierungsproblem bei den Rentenkassen angesichts der steigenden Lebenserwartung und leitete daraus die Konsequenz ab, dass „die Leute länger arbeiten werden“.

Rente mit 68 oder sogar 70: „Das Rentensystem hat keine Zukunft“

Mit dieser Einschätzung ist Wolf nicht allein. Kürzlich forderte der wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium ein höheres Eintrittsalter, das an die Lebenserwartung gekoppelt wird. Der Arbeitgeberverband schlug Anfang August in dieselbe Kerbe und plädierte für eine längere Lebensarbeitszeit. Das Rentensystem habe in der aktuellen Form keine Zukunft, sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger der Deutschen Presse-Agentur. Auch das Ifo-Institut sprach sich für eine Erhöhung des Rentenalters aus.

„Wir werden in den nächsten Jahren über ein Renteneintrittsalter von 69 bis 70 Jahren reden müssen“, sagt Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf.

Hintergrund der Rentendiskussion ist die Alterung der deutschen Gesellschaft. Weil die Menschen immer länger leben, weil die geburtenstarken Jahrgänge auf absehbare Zeit in Rente gehen und weil zu wenige Beitragszahler nachkommen, stößt das umlagefinanzierte Rentensystem in seiner jetzigen Form an seine Grenzen. Derzeit gilt ein stufenweiser Anstieg des Eintrittsalters von 65 auf 67 Jahre bis 2031.

Rente mit 68, 69 oder sogar 70? Arbeitsminister Hubertus Heil hat eine andere Idee

Erster Ansprechpartner für alle Rentenbelange in Deutschland ist Arbeitsminister Hubertus Heil. Er lehnte ein späteres Eintrittsalter für Rentner kürzlich als „zynisch“ ab. Mit ihm werde es das nicht geben, sagte der SPD-Politiker der Berliner Morgenpost. Um die Rentenkasse zu stabilisieren, schlug er vor, auch Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen.

Auch der Sozialverband VdK lehnt eine Erhöhung des Rentenalters auf 68, 69 oder 70 Jahre strikt ab und fordert sogar eine abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren. Die Begründung: Wer in einem Beruf mit hoher Belastung arbeite, etwa auf dem Bau oder in der Altenpflege, lebe im Schnitt deutlich kürzer. Der VdK bezieht sich dabei auf eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie wurde im Auftrag des Verbandes erstellt. „Wir brauchen eine Rentenversicherung, in die alle Erwerbstätigen einzahlen: Arbeiter, Angestellte, Selbständige und eben auch Politiker und Beamte“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Rubriklistenbild: Patrick Pleul/dpa 

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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