Strapazierter Staatshaushalt

Hitzige Debatte um Rente mit 68 - Wissenschaftler gehen sogar einen Schritt weiter

  • Patrick Freiwah
    VonPatrick Freiwah
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Die Debatte um ein höheres Renteneintrittsalter stößt in der Politik vorerst auf Ablehnung. Dabei werden die Warnungen der Wissenschaftler immer dramatischer.

Berlin/München - Wie ernst ist die Lage um die Altersbezüge deutscher Rentner und Rentnerinnen? Dramatisch, wenn man verschiedenen Wirtschaftswissenschaftlern Glauben schenkt. Während Regierungspolitiker wie Peter Altmaier (CDU) und Olaf Scholz (SPD) eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahre nicht für notwendig erachten, schlagen Experten Alarm und sind zugleich verwundert über die ablehnende Haltung in der Politik. Problematisch ist: Sie könnte vor allem darin begründet sein, dass sich kurz vor der Bundestagswahl im Hinblick auf den Wahlkampf niemand die Finger verbrennen möchte.

Rente mit 68? Professoren kritisieren Regierung - „Belügt sich selbst und auch die Bürger“

Prof. Klaus Schmidt, wissenschaftlicher Beiratsvorsitzender der Münchner LMU moniert gegenüber der Bild: „Die Politik hat ihre Hausaufgaben in der Rentenpolitik nicht gemacht, daran wollten wir sie mit dem Gutachten erinnern.“ Darüber hinaus sei es dem Gremium wichtig gewesen, den Bericht noch vor der anstehenden Wahl zu veröffentlichen, damit die darin enthaltenen Vorschläge „in den kommenden Koalitionsverhandlungen diskutiert werden“.

Rentner auf einem Rollator: Wie lange müssen deutsche Bürger künftig arbeiten?

Prof. Gabriel Felbermayer, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, schlägt in die gleiche Kerbe und sagt: „Wenn die Politik das Rentensystem nicht reformiert, werden die Lasten für den Haushalt massiv ansteigen. Wenn die Politik hingegen so tut, als sei zwei und zwei fünf, belügt sie sich selbst und auch die Wähler“ Eine neue Studie malt für deutsche Arbeitnehmer ein noch schlimmeres Szenario an die Wand und geht einen Schritt weiter: Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fordern langfristig eine weitere Heraufsetzung des Renteneintrittsalters auf nicht nur 68 (welche Jahrgänge betroffen wären) - sondern 70 Jahre, ab dem Jahr 2052.

Rente mit 70 gefordert - Andernfalls drohen finanzielle Einbußen

Wie die Rheinische Post am Donnerstag berichtet, würde eine Erhöhung des Rentenalters auf 68 Jahre gar nicht ausreichen, um die finanzielle Belastung aufgrund der gewaltigen Kosten zu stemmen. Und das ist schließlich jener Vorschlag, mit dem ein Beratergremium des Wirtschaftsressorts von Altmaier für Wirbel sorgt. Laut der nun bekanntgewordenen IW-Studie würde die ab 2042 geforderte Heraufsetzung die Belastung nicht ausgleichen können, so der Bericht.

Mit der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung müsse der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung unweigerlich steigen - trotz gleichzeitig sinkendem Rentenniveau und Rente mit 67. „Mit einer fortgesetzten Anhebung der Regelaltersgrenze bis auf 70 Jahre ab 2052 ließe sich der Beitragssatzanstieg aber bremsen und gleichzeitig das Sicherungsniveau stabilisieren“, lautet die Einschätzung von IW-Studienautor Jochen Pimpertz. Dafür müsste das Rentenalter ab 2031 angeblich pro Jahr um zwei Monate angehoben werden.

Andernfalls würde in Deutschland der Rentenbeitragssatz erhöht werden - oder die Renten gekürzt, so die IW-Prognose. Politisch erwünscht ist hierzulande ein Beitragssatz für die Rentenversicherung von maximal 22 Prozent sowie ein Sicherungsniveau von mindestens 43 Prozent des durchschnittlichen Arbeitnehmer-Gehalts. Jedoch ist die Debatte um eine Erhöhung des Rentenalters schon länger im Gange. Doch wie viele Beschäftigte in Deutschland können die Rente mit 67 überhaupt erreichen? (PF mit AFP)

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