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Doppelbesteuerung der Rente: Reform könnte einigen Bürgern tausende Euro bringen

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Von: Jan Trieselmann

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Ein Rentnerpaar sitzt auf einer Bank und sonnt sich
Die Ampel-Koalition will die Doppelbesteuerung der Rente verhindern. Von einer entsprechenden Reform könnten manche Jahrgänge besonders hohe Steuervorteile haben. Ein Finanzmathematiker berechnet diesbezüglich bis zu 23.500 Euro Steuervorteile. (Symbolfoto) © Stephan Scheuer/dpa

Die Ampel muss nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts die Doppelbesteuerung der Rente abstellen. Die geplanten Änderungen werden einem Jahrgang besonders zugute kommen.

Frankfurt/Berlin – Die Ampelregierung aus SPD, Grüne und FDP plant eine große Reform bei der Besteuerung der Renten, durch die viele Bürger:innen mehrere tausend Euro einsparen könnten. Vorausgegangen war dem ein wegweisendes Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) aus dem Mai 2021*: Der hatte eine Änderung bei der Renten-Besteuerung verlangt, damit es künftig bei bestimmten Jahrgängen nicht zu einer Doppelbesteuerung kommt. Denn die ist verfassungswidrig.

Eine Doppelbesteuerung bei der Rente* bedeutet, dass Rentner:innen weniger steuerfreies Rentengeld erhalten, als sie während ihres Arbeitslebens in die Rentenkasse eingezahlt haben. Somit betrifft die Reform diejenigen Bürger:innen, die gesetzlich rentenversichert sind. Doch deren Vorteile sind je nach Geburtsjahr unterschiedlich hoch, wie jetzt ein Finanzmathematiker berechnet hat, über den die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Reform bei Renten-Besteuerung: Doppelbesteuerung durch zwei Maßnahmen verhindern

Konkret geht es bei der Reform um zwei Änderungen, um eine Doppelbesteuerung der Rente zu verhindern: Zum einen sind die Beiträge in die Rentenversicherung schon ab 2023 vollständig steuerlich absetzbar und nicht erst ab 2025. Diesen Plan hatte die Ampel-Koalition auch nach der Bundestagswahl 2021 bereits in ihren Plänen für die Rente in Deutschland bekannt gegeben und FDP-Chef Christian Lindner im vergamgenen Januar noch einmal bekräftigt.

Zum anderen werden die Renten seit 2005 immer mehr besteuert, damals startete man mit einem Satz von 50 Prozent. Einen Satz von 100 Prozent würde sie nach aktuellen Regelungen bereits 2040 erreichen, doch schon im vergangenen Juni kündigte Olaf Scholz als Finanzminister Korrekturen bei der Besteuerung der Rente an, laut denen das erst 2060 der Fall werden solle.

Doppelbesteuerung der Rente: Reform könnte Steuervorteil von bis zu 23.500 Euro bringen

Für einen Renteneintritt in 2022 liegt der Anteil der Rente, der versteuert werden muss, aktuell bei 82 Prozent. Damit dieser bei der Versteuerung der Rente erst im Jahr 2058 bei 100 Prozent liegen würde, dürfte er jährlich nur noch um knapp 0,5 statt aktuell einem Prozent steigen. Die Renten-Besteuerung wird demnach etwas gestreckt. Welche drastischen Folgen das für einige Bürger:innen hat, hat nun der Finanzmathematiker Werner Siepe laut der Süddeutschen Zeitung berechnet.

Die finanziellen Entlastungen bei der Renten-Besteuerung könnten sich demnach auf bis zu 23.500 Euro belaufen – abhängig vom individuellen Einkommen und dem Jahrgang, in dem die Rentner:innen geboren wurden. Faktisch erhalten damit die Bürger zwar natürlich nicht mehr Geld – denn sie müssen lediglich nicht mehr so schnell einen verfassungswidrig hohen Anteil versteuern.

Reform soll Renten-Doppelbesteuerung verhindern: Steuervorteil-Höhepunkt 2040?

Doch die Unterschiede sind gravierend: Wer Siepes Berechnungen zufolge bis 2040 in die Rente eintritt, hat bis dahin jährlich immer größer werdende Steuervorteile. Ab 2040 sinkt dieser Steuervorteil allmählich wieder, obwohl er auch in den ersten Jahren danach noch beträchtlich bleibt.

Im Jahr 2040 hat der Steuervorteil allerdings den Höhepunkt: Geht man dann in Rente, beträgt er bei einem Durchschnittsverdienenden, der 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt und monatlich 3240 Euro brutto verdient hat, knapp 12.500 Euro. Bei Top-Verdienern (7050 Euro brutto monatlich), von denen Siepe mit 40 Jahren Einzahlen in die Rentenkasse und vorzeitiger Rente mit Abzügen rechnet, wären es sogar die besagten knapp 23.500 Euro. Ausgegangen ist er dabei von einem Renteneintrittsalter von 65 Jahren.

Renten-Doppelbesteuerung: Größere Steuervorteile bei Reform für manche Jahrgänge

Ein Überblick, welche Jahrgänge laut Werner Siepe welche Steuervorteile haben – in der mittleren Spalte die Top-Verdiener, rechts die Durchschnittsverdiener:

Rente 2040 (Jahrgang 1975)23.522 Euro12.482 Euro
Rente 2045 (Jahrgang 1980)18.819 Euro9952 Euro
Rente 2035 (Jahrgang 1970)15.210 Euro8149 Euro
Rente 2050 (Jahrgang 1985)12.727 Euro6762 Euro
Rente 2030 (Jahrgang 1965)8339 Euro4537 Euro
Rente 2055 (Jahrgang 1990)5259 Euro2800 Euro
Rente 2025 (Jahrgang 1960)2937 Euro1538 Euro

Deutlich erkennbar ist, dass diejenigen Jahrgänge, die am weitesten entfernt von einem Renteneintritt in 2040 liegen, nur minimal geringere Abzüge durch die Renten-Besteuerung haben. Das betrifft somit vor allem die Jahrgänge, die aktuell oder in den nächsten Jahren in Rente gehen – also die späten 1950er – sowie kurz vor der Versteuerung von 100 Prozent um das Jahr 2060. Auch die Steuervorteile der vor allem späten 1990er-Jahrgänge wären demnach deutlich weniger groß als bei anderen. (Jan Trieselmann) *fr.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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