Rente mit 67 kann sich lohnen: Wer länger arbeitet, bekommt mehr

- Ältere sollen demnächst länger arbeiten und künftig erst mit 67 Jahren die volle Rente erhalten. Was viele nicht wissen: Schon heute dürfen emsige Beschäftigte im fortgeschrittenen Alter schon über das reguläre Renteneintrittsalter von 65 Jahren hinaus ranklotzen, wenn sie wollen. Damit können sie sich ihre Altersbezüge vom Staat ordentlich aufstocken. Mit 65 Jahren haben Versicherte in aller Regel Anspruch auf eine Altersrente.

Doch ohne Antrag gibt es diese Leistung nicht -und niemand muss mit 65 Jahren das Ruhegeld beantragen, wie Stefan Braatz von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sagt: "Die Betroffenen können den Antrag auch später stellen, beispielsweise mit 67 oder mit 70. Das ist aus der Sicht der Rentenkasse frei wählbar." Ein späterer Renteneintritt zahlt sich nach Worten des Renten-Experten immer aus.

Denn wer erst später in Rente geht, dessen Altersrente erhöht sich pro Monat des späteren Einstiegsalters um 0,5 Prozentpunkte, erklärt Braatz. Ein Älterer, der erst mit 67 Rente beantragt, erhält also derzeit eine um zwölf Prozentpunkte höhere Rente -und zwar lebenslang. Hinzu kommt: Wer über das 65. Lebensjahr hinaus weiter arbeitet, ist in der Regel auch weiterhin rentenversicherungspflichtig.

Jedenfalls dann, wenn er noch keine Rente bezieht. Die weiter gezahlten Rentenbeiträge bringen den 65-Jährigen und Älteren dann nochmals eine Erhöhung ihres späteren Altersruhegeldes. Das alles gilt aber nur so lange, wie die gesetzliche Regelaltersgrenze noch bei 65 Jahren liegt. Und das ist nicht mehr lange der Fall: Die Große Koalition will das Eintrittsalter schrittweise auf 67 erhöhen. Grundsätzlich sagt diRentenversicherung heute aber noch "Ja" zu einem längeren Arbeiten -beim Arbeitsrecht sieht es allerdings etwas komplizierter aus. Klar ist: Alter oder ein Anspruch auf eine Altersrente Wer länger arbeiten will, kann kaum gekündigt werden sind keine anerkannten Kündigungsgründe.

Eine solche Kündigung ist sogar verboten. Das sechste Sozialgesetzbuch, in dem es um die Rente geht, enthält nämlich ausdrücklich eine Regelung zu "Altersrente und Kündigungsschutz". Daher ist es kaum verwunderlich, dass das Paderborner Arbeitsgericht in einem Urteil vom 23. März 2006 die Kündigung eines 70 Jahre alten Autoverkäufers durch seinen Arbeitgeber als unwirksam angesehen hat (Az.: 3 Ca1947/05). Das Gericht bewertete allein die gesetzlichen Sozialauswahl-Kriterien Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltsverpflichtungen sowie Schwerbehinderung und befand, dass der betroffene 70-Jährige nicht weniger, sondern eher mehr Schutz verdiene als seine jüngeren Kollegen.

Eine Kündigung aus Altersgründen ist also gesetzeswidrig; anders ist es jedoch mit einer Befristung des Arbeitsvertrages, etwa auf das 65. Lebensjahr. Dazu gibt es mehrere Urteile des Bundesarbeitsgerichts. Die obersten Arbeitsrichter haben im August 2003 entschieden, dass eine Begrenzung des Arbeitsvertrags auf das 65. Lebensjahr dann rechtens ist, wenn ein Arbeitnehmer durch die Regel-Altersrente abgesichert ist (Az.: 7 AZR 9/03). Wenn demnächst die Regelaltersgrenze schrittweise bis auf 67 Jahre angehoben wird, "wird das auch Folgen für die Rechtsprechung haben", ist sich Michael Felser, Rechtsanwalt aus Brühl bei Köln, sicher.

Die Arbeitsgerichte werden dann alte Arbeitsverträge, die noch eine 65-Jahres-Grenze enthalten, "nicht wörtlich, sondern sinngemäß auslegen", so der Arbeitsrechtsexperte. "Wenn im Vertrag ein Ende des Arbeitsverhältnisses mit 65 Jahren vorgesehen ist, ist damit ja schließlich nicht das exakte Alter gemeint, sondern die Regelaltersgrenze für die Rente, die derzeit noch bei 65 Jahren liegt." Bei neu abgeschlossenen Arbeitsverträgen empfiehlt Anwalt Felser jedoch keine Befristung auf ein konkretes Lebensalter, sondern die Formulierung: "Das Arbeitsverhältnis endet mit dem Erreichen des für den Arbeitnehmer geltenden Regelrentenalters."

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