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Rente mit 70: Wer dafür und wer dagegen ist – und welche Alternativen es gibt

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Von: Patricia Huber

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Der Gesamtmetall-Chef hat sich für die Rente mit 70 ausgesprochen – und eine heftige Diskussion entfacht. Alle Fragen und Antworten zur Debatte in der Übersicht.

München – Das deutsche Rentensystem steht auf wackeligen Beinen. Immer mehr Experten warnen, dass die Rente in ihrer jetzigen Form nicht mehr lange finanzierbar sein wird. Das liegt besonders am demografischen Wandel, also daran, dass immer mehr Renten-Bezieher auf immer weniger Einzahler kommen. Aus diesem Grund wurden in der Vergangenheit die verschiedensten Lösungen diskutiert. Die Idee mit dem meisten Gegenwind kam hierbei von Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf. Er sprach sich für eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre aus.

Rente mit 70: Wer ist dagegen?

Dieser Vorschlag löste eine Welle der Empörung aus und auch in der Regierung gibt es eine eindeutig ablehnende Haltung zur Rente mit 70. Grünen-Bundestagsfraktionsvize Andreas Audretsch nannte den Vorstoß des Gesamtmetall-Chefs zutiefst ungerecht. Der SPD-Arbeitsmarktexperte Michael Gerdes sagte den RND-Zeitungen vom Dienstag: „Wer 67 Jahre alt ist, muss in Rente gehen dürfen.“

Auch Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) lehnt ein höheres Renteneintrittsalter klar ab. „Wir haben in der Koalition vereinbart, dass wir das gesetzliche Renteneintrittsalter nicht erhöhen. Und daran wird sich nichts ändern“, hatte er erst vor wenigen Wochen dazu klargestellt. Er halte die Diskussion über eine Rente mit 70 für eine „Phantomdebatte“. Gewerkschaften und Sozialverbände stellen sich ebenso gegen den Vorschlag. Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, beschrieb die Idee als „Rentenkürzung mit Ansage“.

Ein Rollator und Krücken im Bundestag
Die Bundesregierung ist gegen die Rente mit 70. Sie hat andere Pläne zur Sicherung der Rentenkasse. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Renteneintritt: So ist die aktuelle Regelung

Aber wie ist die derzeitige Regelung zum Renteneintritt überhaupt? In Deutschland steigt das Alter für den Beginn der Rente schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Für jene, die 1964 aufwärts geboren wurden, gilt künftig definitiv eine Regelaltersgrenze von 67 Jahren.

Wirtschaftsexperten sprechen sich für Rente mit 70 aus

Doch Wirtschaftsexperten halten dies für nicht ausreichend. So bezeichnet etwa der Ökonom Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg im Gespräch mit der Bild-Zeitung den Vorschlag des Gesamtmetall-Chefs als „richtig und wichtig“. Bis 70 zu arbeiten, helfe gegen Altersarmut und entlaste die Rentenkasse, die vor dem Kollaps stehe, sagt Raffelhüschen. Auch andere Experten wie die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer kommen zu diesem Schluss.

Auch Ifo-Chef Clemens Fuest hält den Vorschlag der Rente mit 70 für sinnvoll: „Die zusätzlichen Lasten allein durch höhere Beiträge oder Steuerzuschüsse zu finanzieren, wäre grob unfair gegenüber der jungen Generation und würde Beschäftigung und Wachstum stark beeinträchtigen.“

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Rente mit 70: Welche Alternativen gibt es?

Es gibt außer einem höheren Eintrittsalter allerdings noch andere Möglichkeiten, um die Rente abzusichern. Es könnten beispielsweise die Rentenbeiträge steigen. Dann müssten Arbeitnehmer monatlich mehr von ihrem Gehalt in die Rentenkasse einbezahlen. Eine andere Möglichkeit wäre, das Rentenniveau sinken zu lassen. Das würde bedeuten, dass Rentner weniger Geld im Monat erhalten. Eine dritte Option wäre, den Bundeszuschuss zur Rente zu erhöhen – dann würden die Steuerzahler quasi automatisch mehr in die Altersvorsorge einzahlen. Bereits jetzt zahlt der Bund jährlich rund 100 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt in die Rentenkassen ein.

Das planen die Ampel-Parteien für die Rente

Die Bundesregierung hat jedoch andere Pläne, um die Rentenkasse zu unterstützen. Im Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien heißt es wörtlich: „Es wird keine Rentenkürzungen und keine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters geben. Um diese Zusage generationengerecht abzusichern, werden wir zur langfristigen Stabilisierung von Rentenniveau und Rentenbeitragssatz in eine teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung einsteigen.“

Zudem soll diese „umlagenfinanzierte Rente“ durch die Erwerbsbeteiligung von Frauen, qualifizierte Einwanderung und älteren Arbeitnehmern gestärkt werden. Klingt also doch so, als würden ältere Menschen bei der Stütze der Rentenkasse eine bedeutende Rolle spielen. Wie das Ganze jedoch schlussendlich aussehen soll, ist noch nicht abschließend geklärt. (ph)

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