Zwei Senioren unternehmen einen Spaziergang in der Innenstadt von Düsseldorf, Nordrhein Westfalen, Deutschland.
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Renten-Nullrunde für Senioren im Westen – im Osten steigen die Altersbezüge hingegen leicht.

Bundesregierung

Rente: Jetzt ist es amtlich - Nullrunde im Westen, doch im Osten gibt es einen Mini-Aufschlag

Das Bundeskabinett hat am Dienstag die geplante Renten-Nullrunde im Westen beschlossen. Für Rentner im Osten gibt es hingegen ein homöopathisches Plus.

Berlin - Die Rentenerhöhung im Juli fällt in diesem Jahr im Westen aus. Millionen Rentner sind von dieser Entscheidung betroffen. Was sich bereits im März angedeutet hatte, ist seit heute beschlossene Sache. Zum ersten Mal seit 2010 bekommen Ruheständler in den westlichen Bundesländern keine Rentenerhöhung. Grund dafür sei die Coronakrise, sagt Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD).

Denn die Entwicklung der Rente ist an die Bruttolöhne des Vorjahres geknüpft. Diese sanken im Corona-Jahr 2020 im Schnitt. Eine Rentenkürzung ist durch eine „gesetzliche Rentengarantie“ ausgeschlossen, weshalb die Bezüge nun im Westen auf dem aktuellen Niveau bleiben.

Im Osten hingegen steigen die Altersbezüge um sehr überschaubare 0,72 Prozent, denn der Rentenwert wird bis 2024 Schritt für Schritt an den im Westen angeglichen. Doch auch diese Erhöhung kann die aktuelle Inflationsrate nicht ausgleichen. Die Preissteigerung in Deutschland lag im März 2021 bei 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das geht aus Angaben des Statistischen Bundesamtes hervor.

Ökonom kritisiert Bundesregierung wegen „üppiger Rentenerhöhung“ in 2020

Die Coronakrise trifft die Wirtschaft hart. Im Jahr 2020 waren rund 480.000 Menschen mehr arbeitslos als noch im Vorjahr. Das geht aus Angaben der Bundesagentur für Arbeit hervor. Und das, obwohl allein im April 2020 etwa sechs Millionen Menschen in Kurzarbeit waren und damit nicht in die Arbeitslosenstatistik fielen.

Ökonom Jochen Jochen Pimpertz sieht die Verantwortung für die Nullrunde dennoch bei der Bundesregierung. Die Regierung hätte im vergangenen Jahr eine „üppige Rentenerhöhung“ ausgezahlt – obwohl die Auswirkungen der Corona-Pandemie damals schon abschätzbar gewesen seien. In den neuen Bundesländern erhöhten sich die Altersbezüge im Jahr 2020 um 4,2 Prozent, in den alten Bundesländern um 3,45 Prozent.

Der Experte des arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln erwartet daher für die nächsten Jahre weitere Beitragsanhebungen. Grund dafür sei der Nachholfaktor. Er spielt eine Rolle in der Rentenberechnung und gleicht zunächst ab, ob eigentlich notwendige Rentenkürzungen unterblieben sind. Das ist aufgrund der gesetzlichen Rentengarantie im Jahr 2021 der Fall. Wenn die Löhne wieder steigen, „ergeben sich Erhöhungsspielräume für die Renten, die aber wegen des ausgesetzten Nachholfaktors bis zur Mitte des Jahrzehnts nicht mit dem aktuellen Minus verrechnet werden dürfen“, so der Ökonom. (dpa/bm)

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