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Rente: Sattes Plus durch Corona - Ruheständler können sich ab 2022 auf schöne Zuwächse freuen

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Von: Markus Hofstetter

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Nach einer Nullrunde 2021 können sich Ruheständler auf hohe Rentenzuwächse freuen. Denn ein wichtiger Bremsfaktor für Rentenerhöhungen ist ausgesetzt.

Berlin - Jahrelang freuten sich Ruheständler in Deutschland über steigende Renten. Dann folgte in diesem Jahr der Schock. Im März wurde bekannt, dass die sonst im Sommer übliche Erhöhung der Altersbezüge 2021 wegen der Corona-Krise im Westen Deutschlands ausfällt. Im Osten wird es nur eine Anhebung um 0,72 Prozent geben. (Verfolgen Sie unsere Wirtschaftsberichterstattung auf unserer LinkedIn-Unternehmensseite und diskutieren Sie mit.)

Doch in den folgenden Jahren wird dieser Stillstand für die über 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner mehr als ausgeglichen werden. Aus dem Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung geht hervor, dass die Altersbezüge zum 1. Juli 2022 für Westrentner um 4,8 Prozent und für Ostrentner um 5,6 Prozent steigen sollen.

Im Jahr darauf soll es weitergehen. 2023 soll sich das Rentenplus in den alten Bundesländern auf 3,15 Prozent beziehungsweise 3,88 Prozent in den neuen Bundesländern belaufen. Für 2024 dagegen erwarten Rentenversicherung und Bundesregierung wieder eine Nullrunde für Westrentner und einen Anstieg um 0,7 Prozent für Ostrentner.

Rentenplus wegen Corona: Bremseffekt Nachholfaktor ausgesetzt

Ursache für die starke Steigerung in den kommenden beiden Jahren ist eine Änderung der Rentenformel. Denn bereits 2018 hat die Bundesregierung den sogenannten Nachholfaktor ausgesetzt, vorerst bis 2025. Der Nachholfaktor wurde 2007 eingeführt als Ausgleich für die Rentengarantie. Diese verhindert, dass bei sinkenden Löhnen auch die Renten sinken.

Laut dem Nachholfaktor fallen mögliche Rentenerhöhungen nur halb so hoch aus wie nach der Rentenanpassungsformel vorgesehen, wenn die Löhne nach einer Senkung wieder steigen. Dies soll solange zum Tragen kommen, bis die vermiedene Rentenkürzung ausgeglichen ist. 

In den aktuellen Situation hat das gravierende Folgen. Denn wegen der Pandemie sind die Löhne in Deutschland im vergangenen Jahr laut der Rentenversicherung um 2,3 Prozent gesunken. Wegen der Rentengarantie sinken die Renten jedoch nicht entsprechend mit.

Rentenplus wegen Corona: bis 2050 sollen 100 Milliarden Euro Rente zusätzlich zusammenkommen

Wenn aber nach der Krise die Gehälter wieder das alte Niveau erreichen, kommt die Aussetzung des Nachholfaktors voll zum Tragen. Denn für die Rente gilt das Erreichen des alten Lohnniveaus als Lohnerhöhung und die Renten steigen in vollem Umfang mit. Mit Nachholfaktor würde diese Steigerung nur halb so hoch ausfallen. Deswegen geht der Rentenversicherungsbericht für den Zeitraum 2020 bis 2034 von einem Rentenplus von insgesamt 32 Prozent aus, was im Schnitt einer jährlichen Steigerung von zwei Prozent entspricht. 

Dies kostet viel Geld. Das Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik hat für die F.A.S. ausgerechnet, dass die Rentensteigerung allein 2022 rund vier Milliarden Euro ausmachen wird. Bis 2050 sollen sich die Kosten wegen der Aussetzung des Nachholfaktors auf fast 100 Milliarden Euro belaufen. 

Rentenplus wegen Corona: FDP und Teile der CDU für Wiedereinführung des Nachholfaktors

Was die Ruheständler freut sorgt in einigen Partei für Kritik. So will die FDP den Nachholfaktor wieder einführen. „Dieses Aussetzen des Nachholfaktors kommt einer Manipulation der Rentenanpassungsformel zu Lasten der Jüngeren gleich. Denn es wird in der aktuellen Situation unweigerlich zu einer ungleichen Lastenverteilung in der gesetzlichen Rentenversicherung führen - auf Kosten der Steuer- und Beitragszahler der jüngeren Generationen“, schrieben die Liberalen bereits im Juli vergangenen Jahres.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits im vergangenen Jahr einer Rückkehr des Nachholfaktors eine Absage erteilt. Doch Teile der CDU plädieren dafür, die Änderung an der Rentenformel wieder rückgängig zu machen, so auch Wolfgang Steiger, Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats. Er sagte Bild.de: „Das wäre nur gerecht gegenüber den heutigen Arbeitnehmern und vor allem der jüngeren Generation, auf die in der Zukunft eine immer größere Last zukommt.“

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