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Akuter Arbeitskräftemangel: Top-Ökonom warnt - Deutscher Wirtschaft droht der Super-Gau

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Von: Patricia Huber

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Bauarbeiter stehen auf einem Gerüst am Neubau eines Mehrfamilienhauses.
Die geburtenstarken Jahrgänge gehen nach und nach in Rente - mit fatalen Folgen für die Wirtschaft. © Julian Stratenschulte/picture alliance/dpa

In den kommenden Jahren gehen Millionen Menschen in Rente. Aber es fehlt an Nachwuchs - mit einschneidenden Folgen für die deutsche Wirtschaft.

Köln - Immer mehr Experten warnen, dass das deutsche Rentensystem schon bald nicht mehr funktionieren wird. Das könnte nicht nur für Rentner, sondern auch für Arbeitnehmer schwerwiegende Folgen haben.

In den nächsten Jahren gehen Beschäftigte der „Babyboomer“-Jahrgänge in Rente. Also Personen, die in den geburtenstarken Jahren zwischen 1946 und 1964 zur Welt gekommen sind. Dadurch gehen der Rentenkasse enorm viele Beitragszahler verloren - mit weitreichenden Folgen.

Rente: Einkommensverluste als Folge des aktuellen Systems absehbar

Eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass ohne eine Reform des Systems die Rentenbeiträge bis 2040 auf mehr als 22 Prozent steigen. Im Jahr 2060 könnten es dann sogar schon 23,6 Prozent sein. Derzeit müssen Beschäftigte 18,6 Prozent von ihrem Lohn in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Zudem fehlt es an Arbeitskräften. Schon jetzt sind 1,4 Millionen Stellen unbesetzt. Nach IW-Berechnungen könnten in 15 Jahren mehr als 5 Millionen Erwerbstätige fehlen.

Studienleiter Michael Hüther vom IW warnt gegenüber Bild deshalb eindringlich:  „Wenn die Politik nichts unternimmt, schrumpft unser Wohlstand bis 2035 um 326 Milliarden Euro. Für jeden Arbeitnehmer heißt das rechnerisch ein Einkommensverlust von 4.000 Euro im Jahr. Ein ,Weiter so‘ kostet uns alle Wohlstand und kann nicht im Interesse der Politik sein.“

Rente: Derzeitiges Eintrittsalter reicht nicht

Hüther fordert die Politik zum schnellen Handeln auf. „Würden Kitas und Schulen weiter ausgebaut, könnten viele Eltern Vollzeit statt Teilzeit arbeiten. Auch Zuwanderer können helfen, die Fachkräftelücke etwas zu schließen.“ Das IW macht jedoch auch unmissverständlich klar: „Auf Dauer wird es nicht ohne eine längere Lebensarbeitszeit gehen.“ Heißt, dass das Renteneintrittsalter angehoben werden müsste. Derzeit liegt die Regelaltersgrenze für alle ab dem Jahrgang 1964 bei 67 Jahren.

Die Ampel-Parteien haben in ihrem Sondierungspapier bereits deutlich gemacht, dass sie nicht am Eintrittsalter schrauben möchten. In Anbetracht der schwierigen Lage und der zahlreichen Warnungen müssen sie das wohl noch einmal überdenken. (ph)

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