Rente mit 67 wird zur Gefahr für den Arbeitsmarkt

- München - Die Rente mit 67 dürfte massive Probleme am deutschen Arbeitsmarkt verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB), das zur Nürnberger Bundesagentur für Arbeit gehört. Demnach müssten bis zum Jahr 2030 drei Millionen Stellen zusätzlich - allein um die aktuelle Arbeitslosenquote zu halten.

Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD beschlossen, zwischen 2012 und 2029 das Renteneintrittsalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre anzuheben. Derzeit ist eine neunköpfige Arbeitsgruppe der Koalition damit befasst, Detailregelungen auszuarbeiten. Eckpunkte sollen am kommenden Montag verabschiedet werden, Arbeitsminister Franz Müntefering will das Gesetz im Dezember in den Bundestag einbringen. Bislang laufen die Beratungen der Experten äußerst geräuschlos.

Umso größer ist der Wirbel, den die Studie des Nürnberger Forschungsinstituts auslöst. Dort heißt es: "Damit wegen der Rente mit 67 die offene und verdeckte Arbeitslosigkeit nicht ansteigt, müssen zwischen 1,2 Millionen und deutlich mehr als drei Millionen Jobs zusätzlich entstehen." Als Grund nennt das IAB vor allem ein "unglückliches Zusammentreffen zweier Effekte". Die neue Regelung wird 2029 just zu jenem Zeitpunkt bei 65- bis 67-Jährigen die meiste Nachfrage nach Arbeit schaffen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge dieses Alter erreicht haben. "Zu- sammengenommen ergibt das eine gewaltige Zunahme an älteren Arbeitskräften", heißt es.

Zum Vergleich: Derzeit haben von den 65- und 66-Jährigen gerade einmal sieben Prozent einen Arbeitsplatz. Die Bundesregierung sieht sich durch die Studie zunächst einmal bestätigt: Die IAB-Experten wiesen zu Recht darauf hin, dass mit der Rente mit 67 verbesserte Berufschancen für ältere Arbeitnehmer einhergehen müssten, sagte Ministeriumssprecher Stefan Giffeler. Mit der "Initiative 50plus" setze die Bundesregierung genau dies um.

Doch damit dürfte es nach Ansicht der Wissenschaftler nicht getan sein: Sie fürchten, dass vor allem jüngere und schlecht ausgebildete Arbeitnehmer durch die große Zahl Älterer aus dem Arbeitsmarkt verdrängt werden dürften. Mit diesen Problemen beschäftigt sich die Renten-Arbeitsgruppe derzeit allenfalls am Rande. Ihr geht es um die konkrete Ausgestaltung des Renten-Gesetzes -beispielsweise um die Frage nach Ausnahmen. Einig ist man sich offenbar, dass Versicherte nach 45 Beitragsjahren unabhängig vom Alter ohne Abschläge in Rente gehen dürften.

Kritiker bemängeln, dass eine solche Regelung viele Frauen benachteiligt, die we gen der Kindererziehung keine so große Zahl ansammeln könnten. Die zwischenzeitlich von der SPD angeregten Ausnahmen für körperlich anstrengende Berufe ("Dachdecker") sind dagegen vom Tisch. Weiter Streit gibt es um die Erwerbsminderung: Die SPD möchte, dass hier wie bisher eine abschlagsfreie Rente mit 63 möglich bleibt, die Union will die Grenze auf 65 Jahre erhöhen. Für Rentner hält die Arbeitsgruppe eine gute Nachricht bereit: Künftig soll es nicht mehr mehrere Nullrunden in Folge geben. Beschlossene Faktoren, die den Anstieg dämpfen, sollen abgemildert werden.

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