Aufstellung ueber Ausgaben einer Rentnerin.
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850 Euro Rente - das ist kein Einzelfall. 82 Prozent aller gesetzlichen Renten belaufen sich auf weniger als 1500 Euro.

„Zweiklassengesellschaft“

Ruhestandsbezüge: So groß ist die Lücke zwischen Renten und Pensionen

  • Jonas Raab
    VonJonas Raab
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Neue Zahlen des Arbeitsministeriums zeigen das gravierende Gefälle zwischen der gesetzlichen Rente und den Pensionsansprüchen von Beamten. Die Linken fordern eine Reform.

Berlin - Über die Zukunft der Rente wird viel geunkt, doch auch im Jetzt sieht es für viele Ruheständler nicht gerade rosig aus: 82 Prozent der gesetzlichen Renten belaufen sich auf weniger als 1500 Euro. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken. Bei Beamten sieht es ganz anders aus: 95,1 Prozent der Pensionen von Bundesbeamten liegen über 1500 Euro.

Wie gravierend die Unterschiede zwischen gesetzlicher Rente und Pension sind, zeigte kürzlich auch eine Analyse des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Darin wurde errechnet, dass die Pensionslasten für Bund und Länder inzwischen einen Barwert von mehr als zwei Billionen Euro erreicht haben. Der Barwert zeigt an, wie viel Geld man auf einem verzinsten Konto zurücklegen müsste, um damit alle künftigen Pensionsausgaben zu decken.

Rente wird zum „gewaltigen Problem“: Linke fordern eine große Reform

Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im Bundestag, sprach bei RND von einem „gewaltigen Problem“. Das Gefälle zwischen Beamtenpensionen und gesetzlicher Rente zeige eine Zweiklassengesellschaft. Das Vertrauen schwinde. Bartsch fordert deshalb eine „große Rentenreform“.

Doch wie könnte so eine Reform aussehen? Der Linken-Fraktionschef will sich Österreich als Vorbild nehmen. Dort seien die Renten im Durchschnitt 800 Euro höher als in Deutschland, weil alle Bürger in die Rentenkasse einzahlen – auch Beamte, Selbstständige und Politiker.

Rentenversicherung erwartet für 2022 ein „ordentliches Plus“

Die Zahlen des Bundesarbeitsministeriums sind ernüchternd; dafür hat Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Erbauliches zu berichten. Es sei davon auszugehen, dass die in diesem Jahr pandemiebedingt ausgebliebene Rentenerhöhung „im kommenden Jahr in gewissem Umfang nachgeholt wird und die Rentner 2022 ein ordentliches Plus bekommen werden“, sagte Roßbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Wie hoch die Rentenerhöhung ausfallen wird, steht Roßbach zufolge aber erst im nächsten Frühjahr fest, „denn wir müssen ja die Lohnentwicklung im gesamten Jahr 2021 betrachten“. Derzeit lasse sich beispielsweise nicht abschätzen, wie sich die vierte Corona-Welle auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt auswirke. Daher seien konkrete Vorhersagen zum jetzigen Zeitpunkt unseriös, sagte Roßbach. (jo/AFP)

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