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Großes Finanzloch: Ist die Rente noch zu retten? Milliardenschwere Zuschüsse nötig

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Das deutsche Rentensystem steht vor dem Kollaps.
Das deutsche Rentensystem steht vor dem Kollaps. © Julian Stratenschulte/dpa

Die gesetzliche Rentenversicherung trägt sich nur noch über milliardenschwere Zuschüsse des Bundes. Es wird Zeit, dass sich die Parteien mit Lösungen befassen.

Berlin - Zur anstehenden Bundestagswahl rückt das Thema Rente* wieder in den Fokus der Parteien. Schließlich wurde längst erkannt, dass sich die Rentenzahlungen immer mehr zu einer handfesten Krise entwickeln.

Konkret liegt das Problem darin, dass es der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland an Geld mangelt. Monatlich bekommen die Ruheständler mehr Geld überwiesen, als die Beitragszahler aufbringen. Daraus resultiert das sogenannte Finanzloch, das die nächsten Jahre noch weiter anwachsen wird.

Rente: Steuerzahler zahlen jährlich Milliarden drauf

Gerettet wird das deutsche Rentensystem bisher durch die Beiträge der Steuerzahler. Erkennt der Bund ein drohendes Finanzloch in der Rentenkasse, wird dieses durch Zuschüsse gestopft. Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) betrugen die Leistungen des Bundes 2019 etwa rund 93 Milliarden Euro.

Wie Focus Online den Rentenversicherungsbericht des BMAS von 2020 zitiert, hatte die "gesetzliche Rentenversicherung 2019 Einnahmen in Höhe von fast 326,7 Milliarden Euro." Dabei entfielen nur rund 248 Milliarden auf Beiträge von gesetzlich Versicherten, die restlichen 77,6 Milliarden wurden vom Bund bezuschusst.

Rente: Bis 2034 über 125 Milliarden Euro Steuer-Zuschüsse

Damit finanziert der Steuerzahler fast ein Viertel der Rentenbeiträge. An einem Beispiel von Focus Online wird es deutlich: Laut Deutscher Rentenversicherung (DRV) erhielt ein durchschnittlicher Rentner im Jahr 2020 nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungskosten monatlich 989 Euro. Davon werden nur 751 Euro vom Beitragszahler finanziert - rein rechnerisch zahlt der Steuerzahler die restlichen 238,25 Euro.

Dabei ist für die staatlichen Zuschüsse noch kein Ende in Sicht. Nach Erwartungen des BMAS sollen die staatlichen Zuschüsse zur Rentenkasse bis 2034 weiter steigen. Gerechnet wird dann mit einem Betrag von 125,8 Milliarden Euro, die der Steuerzahler jährlich zur Rente beiträgt. Wegweisend sind in diesem Hinblick die Koalitionsverhandlungen einer möglichen Ampelkoalition im Hinblick auf die Altersvorsorge.

Demographischer Wandel: Fast 35 Prozent mehr Altersrentner

Für diese Entwicklung wird schon lange der demographische Wandel verantwortlich gemacht. Wenn die Bevölkerung immer älter wird und es zu weniger Geburten kommt, sinkt gleichzeitig auch die Anzahl an erwerbstätigen Beitragszahlern. Zahlen von Focus Online machen das deutlich. Von 1996 bis 2020 stieg die Zahl der Altersrentner von etwa 13,6 auf 18,5 Millionen an. Ein Zuwachs von 34,7 Prozent.

Das sich der Trend nicht mehr umkehren wird, ist abzusehen. Als Reaktion darauf steigt seit 2012 das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre an. Wer früher in den Ruhestand will, muss teilweise empfindliche Einbußen hinnehmen. Selbst die Grundrente wird dann nicht reichen. Diskutiert werden auch andere Lösungsansätze. Darunter ein späterer Rentenbeginn, höhere Zuschüsse, Ausbau der privaten Altersvorsorge oder steigende Rentenbeiträge.

Rente: Sind Lösungen in Sicht?

Kritisch sehen Experten laut Focus Online vor allem die Forderung nach einem höheren Renteneintrittsalter. Diese habe "rein fiskalisch nur einen kurzen Effekt", sei "real gesehen eine Rentenkürzung" und basiere auf einem "verteilungspolitischen Werturteil, das man teilen kann, aber nicht teilen muss."

Lösungen für das Finanzloch sind auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Einig sind sich die Experten allerdings, dass nur eine hohe Erwerbstätigenquote und gut bezahlte, sichere Jobs auf Dauer zu einer Entlastung der gesetzlichen Rentenversicherung führen. Gleichzeitig fordern sie eine Eindämmung des Niedriglohnsektors, Förderung der Erwerbstätigkeit von Frauen und eine Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte.

Rente: Gute Nachrichten für (fast) alle Beamte

Eine Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Krankenkasse halten die Experten nur teilweise für richtig. Müsste der Staat als Arbeitgeber für Beamte im aktiven Dienst Beiträge wie für Angestellte in der freien Wirtschaft bezahlen, dürften deutliche Mehrkosten auf ihn zukommen. Eine Ende fordern die Experten allerdings für die Verbeamtung aller nicht-hoheitlich tätigen, also etwas Lehrern und Hochschullehrern. Dadurch erhöhe sich die Anzahl an Beitragszahlern und die Pensionskassen würden entlastet.

Für die zukünftige Regierung wird es also zur großen Herausforderung, Antworten auf die drängendsten Fragen zur Rente zu finden. Ob dies neben anderen gesellschaftspolitischen Themen, wie etwa Umweltschutz und Klimawandel, gelingen kann, bleibt abzusehen.

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