Rentenfonds für Anleger nur bedingt ein sicherer Hafen

- München - Optimistische Werbeslogans von Investmentgesellschaften stilisieren Rentenfonds als einen Hort der Sicherheit. Anleger, die in der Börsenkrise viel Geld verloren haben, greifen deshalb jetzt bevorzugt zu dieser Anlageform. Doch obwohl hier das Kapital in festverzinsliche Wertpapiere investiert wird, sind Verluste möglich.

<P>Absatzrenner</P><P>Rentenfonds gehören heuer zu den Absatzrennern in Deutschland: 643 derartige Fonds sammelten allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 7,1 Milliarden Euro ein. In Aktienfonds dagegen flossen im gleichen Zeitraum nur 1,8 Milliarden Euro. Bis Jahresmitte belief sich das Vermögen der Rentenfonds auf ca. 117,7 Milliarden Euro.<BR><BR>Ungünstiger Zeitpunkt</P><P>Gerade die vielen Neueinsteiger haben einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt, in Rentenfonds zu investieren. Denn so sicher und pflegeleicht, wie mancher Anbieter behauptet, sind derartige Anlageformen nicht: Wenn in Zeiten steigender Zinsen die Kurse der bereits ausgegebenen Anleihen sinken, fallen auch die Notierungen der in den Rentenfonds enthaltenen Papiere und damit der Preis der Fondsanteile, die der Anleger gekauft hat. Dass die festverzinslichen Staatsanleihen, die während der Angst vor Deflation einen Boom erlebten, wegen der positiven Konjunkturaussichten stark an Wert verloren haben, beschert vielen Fonds empfindliche Kursverluste.<BR><BR>Minus möglich</P><P>Sollte dieser Trend noch einige Zeit anhalten, werden Scharen von Anlegern den Rentenmarkt verlassen. Und in der Folge können derartige Fonds statt der erwarteten Rendite von ca. fünf Prozent auch ein dickes Minus einfahren.<BR><BR>Geduld mitbringen</P><P>Vor allem Anleger, die auf dem Höhepunkt des Anleihenbooms eingestiegen sind, müssen jetzt viel Geduld mitbringen: Wer momentan auf Verlusten von fünf Prozent sitzt, braucht womöglich mehrere Jahre, bis aus dem Minus im Depotauszug wieder ein Plus geworden ist.<BR><BR>Kein sicherer Hafen</P><P>Anleger sollten sich bewusst sein, dass Rentenfonds im Vergleich zur Direktanlage in festverzinsliche Wertpapiere eben kein sicherer Hafen sind: Beim Kauf einer Bundesanleihe bekommt der Sparer am Ende der Laufzeit immer sein eingezahltes Kapital komplett zurück, plus die bereits gezahlten Zinsen. Diese Garantie kann ein Rentenfonds nicht geben.<BR><BR>Allerdings versuchen seriöse Anbieter, das Kursrisiko zu begrenzen. Etwa, indem sie Anleihen mit verschiedenen Laufzeiten kaufen und in turbulenten Zeiten die Papiere umschichten. Das gilt besonders für Anleihen mit langer Laufzeit, die beim Umkippen eines Zinstrends am stärksten unter die Räder geraten. Diese Entwicklung ist allerdings nur schwer vorherzusehen.<BR><BR>Richtig auswählen</P><P>Umso wichtiger ist die richtige Auswahl: Beflügelt von den damaligen Kursgewinnen am Anleihenmarkt kamen zum Beispiel Rentenfonds mit dem Anlageschwerpunkt Euro bis zum Stichtag 30. Juni 2003 im Jahresvergleich auf eine Rendite von im Schnitt 7,8 Prozent. Nur einen Monat später reduzierten die Kursverluste die durchschnittliche Rendite auf 6,3 Prozent. Insofern sollten potentielle Investoren genau abwägen, in welchen Rentenfonds sie ihr Vermögen investieren.</P>

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