Rentengeschenk: Noch in diesem Jahr "riestern" kann sich lohnen

- München - Bundesbürger können seit 2002 mit Hilfe der Riester-Rente Geld für den Lebensabend sparen. Das Angebot vom Staat, die freiwillige Altersvorsorge zu sponsern, steht auch im zweiten Jahr nach Einführung noch offen. 25 Millionen Bürger könnten gefördert werden - erstaunlich wenige haben das "Privatrentengeschenk" bislang angenommen. "Zugreifen, wenn der Staat mal was gibt", rät Peter Grieble, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Stuttgart.

<P>Die Finanzspritze mitnehmen, und zwar möglichst bis Jahresende, empfiehlt auch der Rentenfachmann der Verbraucherzentrale Bayern, Merten Larisch. Der Zeitpunkt sei günstig: Wer noch bis Dezember in ein Riester-Produkt einsteigt, bekommt für 2003 noch Zulagen und Steuervorteile. Das Jahr ist für den Sparer nicht verloren.</P><P>Auch heuer beträgt die Grundzulage für jeden Riester-Sparer 38 Euro. Für jedes Kind, für das es Kindergeld gibt, kommen 46 Euro hinzu. Ein Ehepaar mit drei Kindern erhält für 2003 also 214 Euro Zulage, wenn beide einen Vertrag in der Tasche haben, hat "Finanztest" berechnet.</P><P>Die eigenen Sparbeträge und die Zulagen kann der Riester-Sparer als Sonderausgaben ansetzen. Für das Einkommen, das in die Extra-Altersvorsorge fließt, muss er keine Steuern zahlen. Im nächsten Jahr kann er dann schon mit einer höheren Förderung rechnen, betont Grieble. Dann greift die zweite Stufe der "Riester-Treppe": Bis 2008 erhöht der Staat die Förderung alle zwei Jahre. In der Endstufe kriegt jeder Riester-Sparer 154 Euro Grundzulage. Die Kinderzulage liegt bei 185 Euro pro Kind.</P><P>Jeder sollte sich ausrechnen lassen, was er an Mindestbeträgen aufbringen muss, um eine möglichst gute Förderung zu kriegen, empfehlen Verbraucherschützer einmütig. Riesensummen brauchen gar nicht investiert zu werden. Aber je höher der Eigenanteil, desto mehr rückt der Staat an Zulagen heraus.</P><P>Nach oben gibt es Grenzen. Zusammen mit den Zulagen kann man 2003 noch höchstens ein Prozent des im Vorjahr verdienten Bruttolohns in ein Riester-Produkt einsparen. Der Einkommensdeckel liegt bei 52 500 Euro Jahreseinkommen. 2004 kann der Sparer maximal zwei Prozent des Bruttolohns anlegen. Bis 2008 erhöht sich der Betrag auf vier Prozent. Anfangs darf man also maximal 525 Euro jährlich zu seinem Riester-Produkt beisteuern, bis 2008 klettert der Beitrag auf 2100 Euro. Wer nicht den Maximalbeitrag aufbringen kann oder will, muss es nicht.</P><P>"Es müsste für jeden Förderberechtigten selbstverständlich sein zu riestern", ermuntert Larisch zum Handeln. Diese Sparform rentiere sich für alle, nicht nur für kinderreiche Familien mit niedrigem Einkommen, ist auch "Finanztest" überzeugt. Selbst wenn eine Riester-Anlage schlecht wächst, ist sie wegen der Fördergelder immer noch lohnenswert, haben die Experten berechnet.</P><P>Bisher brachten allerdings nur 3,7 Millionen Bürger einen privaten Riester-Vertrag unter Dach und Fach. Weitere zwei Millionen entschlossen sich für ein betriebliches Riester-Modell. Das sind viel weniger Abschlüsse als von der Bundesregierung erwartet. "Um das heiß diskutierte Thema ist es still geworden, auch die Anbieter behandeln es stiefmütterlich", meint Grieble. Die komplizierte Materie habe zudem viele Bürger abgeschreckt.</P><P>Vom staatlichen "Zuckerl" kann auch im Jahr zwei nach dem Start jeder Angestellte und Arbeiter profitieren. Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst kriegen nichts, Selbstständige nur dann, wenn sie rentenpflichtversichert sind. Bei Ehepaaren erhalten beide die Finanzspritze für separate Verträge, auch wenn nur einer von ihnen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt.</P><P>Hausfrauen, Hausmänner und Selbstständige ohne Versicherungspflicht müssen für ihren Riester-Vertrag gar nichts zahlen - wenn ihr Mann oder ihre Frau Anspruch auf Förderung hat. So können sie ohne einen Euro Eigenbeteiligung eine kleine Altersvorsorge aufbauen, betont "Finanztest".</P>

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