Rentenkassen wieder gut gefüllt

Würzburg - Die Rentenkassen in Deutschland sind wieder gut gefüllt. Setzt sich die von der Konjunktur gestützte gute Entwicklung fort, kann 2011 der Rentenbeitrag nach Experten-Berechnung von derzeit 19,9 auf 19,4 Prozent sinken.

Zugleich zeichnet sich ab, dass die Finanzreserve von voraussichtlich 11,5 Milliarden Euro zum Ende dieses Jahres auf 25,8 Milliarden Euro bis Ende 2011 steigt. Das wäre dann mehr als das Eineinhalbfache einer Monatsausgabe. Für die rund 20 Millionen Rentner zeichnet sich 2008 eine Rentenerhöhung um gut ein Prozent ab, im günstigen Fall sogar leicht darüber.

Insgesamt sei von einer "durchaus positiven, stabilen Finanzsituation" auszugehen, zeigte sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund, Alexander Gunkel, am Dienstag in Würzburg zufrieden. Er warnte aber davor, angesichts der günstigen Kassenlage eine Diskussion über eine vorgezogene Beitragssenkung wie in der Arbeitslosenversicherung oder die Rücknahme von Leistungskürzungen zu beginnen. "Die Rentenversicherung muss langfristig stabil aufgebaut sein." Gunkel vertritt die Arbeitgeber in der Spitze der Rentenversicherung.

Aus heutiger Sicht erscheint selbst den Rentenversicherern die zu Jahresbeginn vorgenommene Erhöhung beim Rentenbeitrag von 19,5 auf 19,9 Prozent höher als unbedingt notwendig. "Rückblickend lässt sich das so sagen", meinte Gunkel. Eine Kritik an der Bundesregierung sei damit aber ausdrücklich nicht verbunden. DRV-Präsident Herbert Rische sagte: "19,9 Prozent waren damals geboten."

Mit Blick auf die jüngst von den Schätzern für 2008 in Aussicht gestellte Rentenerhöhung von gut einem Prozent sagte Gunkel: "Einige Zehntel nach oben oder unten sind möglich". Er warne aber davor, "voreilig Erwartungen zu wecken". Eine genaue Aussage sei erst im kommenden Frühjahr möglich, wenn die für eine Rentenanpassung maßgeblichen Daten über die Lohn- und Beschäftigungsentwicklung endgültig vorliegen. Zur Jahresmitte hatte es nach drei Nullrunden in Folge erstmals wieder eine Rentenerhöhung von 0,54 Prozent gegeben - ein Wert, der die inflationsbedingten Kaufkraftverluste nicht ausgleichen konnte.

Im laufenden Jahr bietet sich bei den Rentenfinanzen nach den Worten Gunkels "ein ähnlich positives Bild" wie 2006. Gerechnet wird mit einem Überschuss von 1,2 Milliarden Euro, die Rücklage klettert auf 11,5 Milliarden Euro oder 0,72 Prozent einer Monatsausgabe. Die Gefahr einer "Rente auf Pump" wie 2005, als Bundeszuschüsse wegen Liquiditätsengpässen vorgezogen werden mussten, scheint damit auf längere Sicht gebannt.

Die Co-Vorsitzende Annelie Buntenbach, Vertreterin der Gewerkschaften in der Rentenversicherung, sprach sich dafür aus, die Möglichkeiten für einen flexiblen Übergang vom Arbeitsleben in die Rente zu erweitern. Sie plädierte für zusätzliche Rentenbeiträge für Ältere oder für Beschäftigte in gesundheitsgefährdenden Berufen - als Ausgleich von Rentenabschlägen bei vorzeitigem Rentenbeginn. Sie wies darauf hin, dass von der Möglichkeit, eine Teilrente zu beziehen und weiterzuarbeiten, derzeit lediglich 4000 Versicherte Gebrauch machen. Dies entspreche lediglich 0,05 Prozent der vorgezogenen Altersrenten. Ein Grund dafür seien zu komplizierte und intransparente Regelungen. (dpa)

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