Rentenpolicen für Kinder sind "einfach nur Quatsch"

Verbraucherschützer: - Sie haben klangvolle Namen, heißen Biene Maja, Einstein oder Juniorinvest, und sollen schon die Kleinsten vor Geldsorgen im Alter schützen. Rentenpolicen für Kinder ab null Jahren mit Endloslaufzeiten um die 60 Jahre sind derzeit heiß begehrt. Aber Verbraucherschützer warnen: Die meisten dieser Vorsorgeverträge die Eltern, Großeltern oder Paten für den Nachwuchs abschließen, klingen besser, als sie tatsächlich sind.

"Wir sehen diesen Trend seit einiger Zeit", sagt Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern. "Immer mehr Unternehmen werben mit kombinierten Versicherungen für Kleinkinder und gaukeln den Verbrauchern vor, sie würden mit diesen Verträgen etwas Sinnvolles tun." Doch dem ist nicht so. Diese Policen seien viel zu unflexibel und letztendlich zu teuer, so Larisch. "Die Rendite ist eigentlich gleich null", winkt auch Lilo Blunck vom Bund der Versicherten (BdV) ab: "Dazu kann man überhaupt nicht raten." Vor allem die langen Laufzeiten sind völlig unpraktisch. Erfahrungen mit Lebensversicherungen haben gezeigt, dass jede zweite Police vorzeitig gekündigt wird - und dann sind Gebühren fällig.

Risikoschutz und Geldanlage immer trennen

Was Eltern für den Sprößling von 0 bis etwa 15 gern ans Herz gelegt wird, sind vor allem klassische private Rentenversicherungen sowie fondsgebundene Varianten, häufig gekoppelt mit Todesfall- oder Unfallschutz oder gar Berufsunfähigkeitsversicherungen. Und genau diese Kopplung ist falsch.

"Risikoschutz und Geldanlage sollte man immer trennen", rät Merten Larisch. Und erst wenn man eine Verteidigungslinie aufgebaut hat, könne man sich ans Sparen machen.

"Jede Familie, die Kinder hat, sollte eine Risikolebensversicherung haben", sagt Larisch, so dass, sollte der Hauptverdiener sterben, für den Nachwuchs finanziell gesorgt ist, bis er auf eigenen Beinen steht. Bei der Auswahl der Versicherung, sollte man auf den Preis aufpassen, der je nach Anbieter stark variiert. Larisch rät immer zum günstigsten Angebot: Bei einer Todesfallsumme von 200 000 Euro zahlt ein 35-jähriger Familienvater mit zwei Kindern, der Nichtraucher ist und die Laufzeit auf 25 Jahre ansetzt im günstigsten Fall 264 Euro im Jahr. Wählt er die teuerste Variante, zahlt er 940 Euro.

Für die Kinder reicht eine Unfallversicherung, die aber nach Larisch keine Beitragsrückgewähr haben sollte, dafür eine ausreichende Invaliditätssumme. Im Basissatz wären das mindestens 200 000 Euro, im Vollsatz mindesten 500 000 Euro. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung - dynamisch abgeschlossen - lohne sich erst wenn der Nachwuchs die Lehre oder das Studium anfängt.

Lange Laufzeiten halten eher ältere Verbraucher durch

Wenn Eltern nach diesem Risikoschutz noch Geld übrig haben, oder die Großeltern dem Nachwuchs etwas Gutes tun wollen, dann können sie überlegen, ob und wie sie das Geld sinnvoll anlegen, so Larisch (siehe Kasten). Aber eine Rentenversicherung ist grundsätzlich nur etwas für ältere Verbraucher, die die Laufzeit durchhalten. "Für Kinder ist es einfach nur Quatsch", bekräftigt sein Düsseldorfer Kollege Thomas Bieler.

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