Rentner brauchen viele Policen nicht

- Unsummen berappen Bayerns Senioren monatlich für Versicherungen aller Art. Geld, das sie manchmal verschenken - denn viele der Policen sind schlichtweg sinnlos. Zu diesem Ergebnis kommt die Zeitschrift "Finanztest" in ihrer Oktoberausgabe.

Längst haben Unternehmen und Marketingfachleute die sogenannten "Golden Agers" - Menschen im goldenen Alter - als lohnende Zielgruppe aufgetan. Grund: Sie "haben Geld und es werden immer mehr", sagt Finanztest. Auch Versicherer und Finanzdienstleister bemühen sich verstärkt, betagtere Kundschaft für sich zu gewinnen: So werden Mitarbeiter in speziellen Kursen speziell darauf trainiert, ihre Produkte an Senioren zu verkaufen.

Ein Streifzug durch das Internet spricht laut Finanztest eine ähnliche Sprache: Vermeintliche Experten vom ,Institut für Senioren-Ökonomie beispielsweise geben Tipps, wie man die Sorgen Älterer (",Haben Sie nicht auch Angst, keine Rente mehr aus der gesetzlichen Rentenversicherung zu bekommen, ,Sicher haben auch Sie das Leid der prominenten Pflegefälle bis zu deren Tod verfolgt") gezielt ausnutzen kann.

Mit derartigen Methoden soll, so Finanztest, "der Bedarf an Versicherungen bei Senioren geweckt werden". Und das, obwohl dieser bei Rentnern generell "auf jeden Fall geringer" ist als der von Berufstätigen oder Familien mit Kindern: Zum einen, weil die kostspielige Absicherung gegen Berufsunfähigkeit und Todesfall nicht mehr bezahlt werden muss. Zum anderen, weil keine Beiträge für die Altersvorsorge mehr fällig sind.

Für die Senioren heißt das im Klartext: Finger weg von unsinnigen Versicherungsprodukten. Ganz groß im Rennen unter Vermittlern ist beispielsweise der Verkauf von überteuerten und unseriösen Sterbegeld-Policen. Hier zahlt ein Großteil der Älteren nämlich im Laufe der Jahre weit mehr ein, als später ausbezahlt wird. "Andere Anlageformen bringen eine viel bessere Verzinsung", erklärt Finanztest.

Keinen Sinn macht für Senioren zudem eine Krankentagegeldversicherung, da sie ihre Rente ohnehin bei Krankheit weiter erhalten. Das oft schlechte Preis-Leistungs-Verhältnis bei Reparatur-, Brillen-, Handy-Versicherung und Haushaltsschutzbrief machen auch diese Policen unbrauchbar. "Finanztest" empfiehlt, stattdessen jeden Monat einen kleinen Betrag zurückzulegen.

Ebenso überflüssig: Ausbildungsversicherungen für Enkel. Hohe Abschlusskosten und Risikoschutz schmälern hier die Rendite, die langen Laufzeiten machen das Ganze zudem noch hochgradig unflexibel.

Auch wer aus Sorge um das Wohlergehen seines Hundes oder der Katze eine Tierkrankenversicherung abschließt, wird enttäuscht: "Lohnt meist nicht. Oft schlechte Vertragsbedingungen", urteilt Finanztest.

Senioren, die unsicher sind, ob sie diesen oder jenen Versicherungsschutz überhaupt benötigen, sollten sich an folgender Finanztest-Faustregel orientieren: "Stellen Sie sich einfach den größtmöglichen Schaden vor, den diese Versicherung abdeckt. Nur wenn Sie diesen Schaden nicht aus eigener Tasche bezahlen können, dann ist die Versicherung auch sinnvoll für Sie."

Wer im Ruhestand allerdings genauso hohe Beiträge bezahlen muss wie zuvor, der sollte seine Policen überprüfen:

- Private Haftpflichtversicherung: Wichtig, braucht jeder. Bietet für ehrenamtliche Tätigkeiten allerdings oftmals keinen Schutz.

- Tierhalter-Haftpflichtversicherung: Unbedingt nötig für Hundehalter oder Pferdebesitzer.

- Hausratversicherung: Geeignet für Senioren, deren Hausrat einen höheren Wert erreicht.

- Wohngebäudeversicherung: Sehr zu empfehlen für jeden Immobilieneigentümer.

- Gewässerschaden-Haftpflichtversicherung: Sehr zu empfehlen für Öltankbesitzer.

- Kfz-Versicherung: Pflicht für alle Kfz-Halter.

- Verkehrsrechtsschutzversicherung: Sehr zu empfehlen für jeden Autofahrer.

- Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung: Braucht jeder, der nicht privat krankenversichert ist. Vorsicht: Ältere haben laut "Finanztest" "keine Chance, eine neue private Krankenversicherung zu finden".

- Krankentagegeldversicherung: Für Senioren nicht nötig: Renter beziehen auch im Krankheitsfall ihre Rente.

- Pflegezusatzversicherung: Für Neukunden über 65 Jahren meist nicht mehr möglich oder zu teuer.

- Zahnzusatzversicherung: Bietet sich für gesetzlich Krankenversicherte an, die einen höherwertigen Zahnersatz wünschen; nicht mehr sinnvoll bei Gebissträgern, hier bezuschusst die Krankenkasse den Zahnersatz.

- Unfallversicherung: Eignet sich für Senioren, die sich gegen Mehrkosten im Falle von unfallbedingter Invalidität absichern wollen (Haushaltshilfe, Wohnungsumbau).

- Seniorenunfallversicherung: Nur sinnvoll, wenn Hilfe nicht anders organisiert werden kann (Nachbahrschaftshilfen, BRK, etc.)

- Kinderinvaliditätsversicherung: Sehr zu empfehlen für Großeltern, die wollen, dass ihre Enkel im Falle einer Invalidität wegen Unfall oder Krankheit Rente bekommen.

- Insassen-/Fahrerunfallversicherung: Überflüssig.

-Sterbegeldversicherung: Überflüssig. Daran verdienen allein die Versicherer. Besser: Geld privat zurücklegen.

- Rechtsschutzversicherung: Sinnvoll, Sozialverbände oder Mieterschutzbund bieten aber oft besseren Schutz.

- Auslandsreise-Krankenversicherung: Wichtig, wenn die Kostenübernahme für medizinisch notwendige Rücktransporte aus dem Ausland in der Hauptpolice fehlt.

- Ausbildungsversicherung für die Enkel: Überflüssig. Unflexibel, viel zu hohe Beiträge. Lieber: Sparplan bei Bank.

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