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Viele Ruheständler müssen Akten wälzen. Seit es die neue Steuernummer gibt, wird zusammengetragen, was Senioren an Altersbezügen und Kapitaleinkünften haben.

Rentner in der Steuerfalle

München - Jetzt zieht sich das Kontrollnetz um säumige Rentner endgültig zu: Die Finanzämter starten in den nächsten Wochen die letzte Welle blauer Briefe an Senioren, die ihre Steuerpflicht bislang ignoriert haben.

Die Steuerfalle schnappt für alle zu, die seit 2005 hohe Renten oder mehrere Alterseinkünfte am Fiskus vorbei kassiert haben - oft ohne es zu wissen. Ertappte Steuersünder müssen mit Nachzahlungen plus Zinsen rechnen, ab circa 500 Euro aufwärts schlimmstenfalls auch mit Strafverfahren.

Der blaue Brief fordert zur Abgabe einer Steuererklärung auf, notfalls rückwirkend bis 2005, erklärt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine. Selbst Greise im Pflegeheim blieben nicht verschont. Wie viele der über 20 Millionen Rentner bald Post bekommen, weiß niemand.

Nöll rät eindringlich dazu, dem Brief zuvorzukommen. Wer noch nicht prüfen ließ, ob er steuerpflichtig ist, sollte das rasch tun. Lohnsteuerhilfevereine oder Steuerberater helfen dabei. Sobald sich das Finanzamt gemeldet hat, ist es fürs Nachholen von Versäumtem zu spät. In einer ersten Welle war der Fiskus Pensionären auf den Fersen, die ihre Einkünfte aus eigenem Antrieb deklariert haben.

Warum müssen sich Rentner mit der Steuer befassen?

Das liegt am Alterseinkünftegesetz von 2005. Früher hatten die meisten ihre Ruhe vorm Fiskus. Jetzt gilt: Je nach Rentenbeginn ist von der gesetzlichen Rente unterschiedlich viel steuerfrei. Neurentner aus dem Jahr 2005 mussten noch 50, die aus dem Jahr 2008 schon 56 Prozent ihrer Bezüge versteuern. Wer 2011 erstmals Altersrente bekommt, muss 62 Prozent versteuern, der Rentnerjahrgang 2015 bereits 70. Der Anteil erhöht sich für jeden Rentnerjahrgang weiter bis auf 100 Prozent 2040. Wichtig: Der Steuerrabatt gilt nur für die Anfangsrente. Alles was später an Erhöhung dazukommt, muss voll versteuert werden.

Wer hat nichts zu befürchten?

Wer nur eine bescheidene gesetzliche Rente bekommt und höchstens etwas Zinsen dazu, muss in der Regel keine Steuern zahlen. Wer bis 2005 in den Ruhestand ging und bis zu 1590 Euro monatlich bekommt, hat Ruhe vor dem Finanzamt, rechnet Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine vor. Für jeden neuen Rentnerjahrgang ab 2006 fällt der Grenzbetrag aber um etwa 50 Euro geringer aus.

Wer sich 2009 zur Ruhe gesetzt hat, darf nur noch 1410 Euro staatliche Rente haben (nach Abzug gesetzlicher Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge), damit er steuerfrei bleibt. Für Neurentner in 2010 liegt die Richtschnur bei gut 1350 Euro. Für Ehepaare gelten doppelte Werte. Die Hürden gelten aber nur, wenn keine weiteren Einkünfte da sind.

Wer muss aktiv werden?

Bei Einkünften aus mehreren Quellen ist die Steuerpflicht schnell erreicht. Etwa dann, wenn eine niedrige gesetzliche Rente fließt, dazu aber Zusatzeinkommen wie eine Betriebs- oder Privatrente, Miet- oder Kapitaleinkünfte (Zinsen, Dividenden) oder ein Nebenverdienst. Auch die Witwenrente muss versteuert werden, eine Unfall- oder Entschädigungsrente dagegen nicht. Ein Beispiel: Eine alleinstehende Rentnerin bekommt im Monat 1100 Euro Rente inklusive Witwenrente, 200 Euro Betriebsrente und 300 Euro Zinsen. Damit muss sie eine Steuererklärung abgeben.

Was, wenn erst einer in Rente ist?

Gerade dann sollten sich Senioren genau informieren. In der Steuerpflicht sind ganz häufig Ehepaare, von denen einer noch berufstätig ist. Besonders drücken kann die Steuerlast, wenn der arbeitende Partner in Steuerklasse III eingestuft ist, so Nöll.

Was senkt die Steuerlast?

Nicht jede Steuererklärung bedeutet, dass am Ende auch Steuern zu zahlen sind. Mit Freibeträgen und Pauschalen kann das zu versteuernde Einkommen gesenkt werden. Dazu gehört auch das Absetzen von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen, Ausgaben für Privathaftpflicht-, Unfall- und Sterbegeld- oder eine Lebensversicherung. Auch die Kfz-Haftpflicht ist absetzbar. Das zu versteuernde Einkommen wird außerdem kleingerechnet durch Posten wie Spenden, Gewerkschaftsbeiträge, Handwerkerlöhne, Praxisgebühren und Aufwendungen für die Gesundheit wie die Anschaffung von Brille, Zahnersatz oder Fahrten zur Klinik. Schwerbehinderte mit Ausweis haben noch Extra-Freibeträge. Absetzbar sind auch Aufwendungen für Pflege. Belege sollte man unbedingt aufheben.

Was blüht Ertappten?

Wenn sich trotz aller vorgelegten Rechnungen eine Steuerpflicht ergibt, muss man nachzahlen. Außerdem werden sechs Prozent Zinsen pro Jahr fällig, eventuell auch Strafzinsen. Brenzlig wird es, wenn die Nachzahlung bei über 500 Euro pro Jahr liegt, so Tobias Gerauer von der Lohnsteuerhilfe Bayern. Dann drohen Bußgeld oder Geldstrafe.

Berrit Gräber

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