Rentnerrepublik: Jeder vierte Euro stammt vom Staat

- Berlin - Der Staat greift den Bürgern finanziell immer mehr unter die Arme. Öffentliche Transfers wie Sozialhilfe und Arbeitslosengeld machten im ersten Halbjahr 2003 mehr als ein Viertel der Bruttoeinkommen aus, vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei nur 20 Prozent. Ursache sei aber vor allem der immer höhere Anteil von Rentnern in der Gesellschaft, erläuterten Experten des Statistischen Bundesamtes.

<P>Um rund zwei Prozent stieg der Anteil an den Einkommen, den die Staatskasse zuschießt - damit stammte im ersten Halbjahr jeder vierte Euro vom Staat. In manchen Ländern, insbesondere in Ostdeutschland, kam sogar jeder zweite Euro nicht mehr aus Erwerbsarbeit. Politische Wertungen ließ sich Johann Hahlen, Präsident des Statistischen Bundesamtes, nicht entlocken. Mit Vermutungen, die Entwicklung könne etwa mit der Lohnzurückhaltung der Unternehmen zusammenhängen, müsse man vorsichtig sein. Referatsleiter Thomas Krebs betonte, die Zahlen spiegelten vor allem die demographische Entwicklung wider, schließlich sei der Anteil der Rentner erheblich gestiegen. <BR><BR>Das Einkaufen fällt den Verbrauchern indes immer schwerer: Um rund zwei Prozent sank die Konsumquote in den vergangenen fünf Jahren, geringfügig ging auch die Sparquote zurück. <BR><BR>Doch wohin fließt das Geld der Bundesbürger? Ganz einfach: zunehmend in Versicherungen, Unterhaltsleistungen und Zinsrückzahlungen, die sogenannten Nicht-Konsumzwecke. Hierfür gaben Paare mit Kindern heuer im ersten Halbjahr fast 55 Prozent mehr aus als noch vor fünf Jahren. "Wir haben festgestellt, dass Paare mit Kindern pro Monat allein für Zinszahlungen durchschnittlich rund 200 Euro aufbringen müssen", so Hahlen. Bei den "echten" Konsumausgaben schlagen vor allem die Energiekosten viel stärker ins Gewicht: Dafür zahlten die Haushalte über ein Viertel mehr als 1998. Noch stärker, um rund 30 Prozent, stiegen die Ausgaben für Nachrichtenübermittlung, also zum Beispiel Telefon und Internet. <BR><BR>Inwiefern sich Hartz IV auf die Einkommensstruktur der Deutschen auswirken wird, wissen die Statistiker noch nicht. Schließlich blicken sie, wie Hahlen verdeutlichte, "in den Rückspiegel, nicht in das prognostische Fernrohr".<BR></P>

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