Milliarden-Überschuss

Erste Kasse zahlt Praxisgebühr zurück

Berlin - Die gesetzliche Krankenversicherung hortet immer höhere Reserven. Die Debatte um die Praxisgebühr dürfte neu an Fahrt gewinnen - die erste Kasse zahlt sie zurück.

Die Finanzlage im deutschen Gesundheitssystem verbessert sich noch weiter: Nach Berechnungen des Schätzerkreises der gesetzlichen Krankenversicherung wird der Überschuss im Gesundheitsfonds Ende des Jahres zwölf Milliarden Euro betragen, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Donnerstag) berichtet. Das wären drei Milliarden Euro mehr als bei der letzten Schätzung erwartet.

Der Sprecher des Bundesversicherungsamts, Tobias Schmidt, sagte der Deutschen Presse-Agentur dazu, der Schätzerkreis tage und wolle sein Ergebnis am Nachmittag vorlegen.

Für das kommende Jahr rechnen die Schätzer - Fachleute des Gesundheitsministeriums, der Krankenkassen und des Bundesversicherungsamtes - laut „FAZ“ mit einem weiteren Anstieg der Reserven um nochmals 3 auf dann 15 Milliarden Euro. Diese Information wies Schmidt allerdings zunächst zurück. „Die Ausgabenschätzung für 2013 ist noch nicht erfolgt“, sagte er. Ergebnisse würden ebenfalls erst für den Nachmittag erwartet. Laut „FAZ“ sind die Gründe die andauernd gute Beschäftigungslage und Gehaltserhöhungen, die sich in höheren Kassenbeiträgen niederschlagen.

In den Zahlen sind die Milliardenüberschüsse der gesetzlichen Krankenkassen nicht enthalten. Die unerwartet guten Zahlen dürften die Debatte über eine Beitragssatzsenkung und den Wegfall der 10-Euro-Praxisgebühr für Arztbesuche neu entfachen.

Als erste bundesweite große Krankenkasse zahlt nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung die KKH-Allianz (1,8 Mio. Versicherte) die Praxisgebühr komplett an ihre Mitglieder zurück. So würden die Versicherten und kostenlos Mitversicherte ab 1. Januar 2013 die Gebühr für Besuche bei Arzt, Zahnarzt und Psychotherapeut bis zu 40 Euro im Jahr bei Einreichen der Quittung erstattet bekommen. Als Bedingung sei allerdings ein Nachweis des jeweiligen Mitglieds über vier gesundheitsbewusste Maßnahmen pro Jahr wie Vorsorgeuntersuchungen oder sportliche Aktivitäten erforderlich.

Ingo Kailuweit, Vorstandschef KKH-Allianz, sagte der „BILD“: „Die Praxisgebühr belastet einseitig kranke Versicherte und hat keinerlei Steuerungswirkung. Das ist nicht gerecht. Wir wollen unsere Versicherten nicht warten lassen, bis auch der Gesetzgeber zu dieser Einsicht kommt und die Gebühr endlich abschafft.“

dpa

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