Rettung missglückt: Jetzt ist bei BenQ die Pleite offiziell

- München ­ - Drei Monate lang haben die BenQ-Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze gebangt und auf einen Investor gehofft. Diese Hoffnungen haben sich nun vorerst zerschlagen. Das Amtsgericht München hat das Insolvenzverfahren für BenQ offiziell eröffnet. Wird kein Investor mehr gefunden, würden mit BenQ auch Mobiltelefone aus deutscher Herstellung endgültig vom Markt verschwinden.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen hatte der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld die verlustbringende Handysparte des Konzerns 2005 an den taiwanischen Elektronikkonzern BenQ verkauft. Siemens legte sogar 400 Millionen Euro Mitgift drauf, gab BenQ wichtige Patente mit und erlaubte dem Konzern, den Namen Siemens fünf Jahre lang zu benutzen.

Nach eigenen Angaben steckten die Taiwaner anschließend selbst noch einmal über 800 Millionen Euro in die deutsche Tochter. Doch exakt ein Jahr nach der offiziellen Übernahme und unmittelbar vor Ablauf der Beschäftigungsgarantie für die 3000 Mitarbeiter drehte der taiwanische Mutterkonzern den Geldhahn zu und schickte BenQ Deutschland Ende September 2006 in die Insolvenz.

Der Münchner Rechtsanwalt Martin Prager wurde daraufhin als Insolvenzverwalter eingesetzt und begab sich auf die Suche nach Investoren. Hatte es zunächst noch geheißen, man wolle bereits vor Weihnachten einen möglichen Investor finden und präsentieren, verlautete zuletzt, man verhandle bis Silvester. Bis 1. Januar hätte ein Investor gefunden werden müssen. Denn an diesem Tag lief eine dreimonatige Frist ab, innerhalb derer BenQ noch Verluste machen durfte.

Doch auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens geben die BenQ-Beschäftigten die Hoffnung noch nicht auf. BenQ-Gesamtbetriebsratschef Michael Leucker rechnet weiter damit, dass ein deutsch-amerikanischer Investor ein Angebot für BenQ abgeben werde und die Fertigung aus der Insolvenzmasse herauskauft. Anders als bei einer Übernahme des gesamten Unternehmens, könnte der Investor sich so der Verpflichtungen gegenüber den BenQ-Beschäftigten entledigen.

Siemens dagegen sah sich nach Bekanntgabe der Insolvenz Forderungen ausgesetzt, Verantwortung für die ehemaligen Mitarbeiter zu übernehmen. Gewerkschafter warfen dem Konzern vor, sich nicht nur seiner Handy-Sparte entledigt zu haben, sondern vor allem auch der Verantwortung für seine Beschäftigten. Der Konzern zahlte daraufhin in eine Transfergesellschaft ein.

400 BenQ-Beschäftigte haben inzwischen einen neuen Job gefunden. Diejenigen Mitarbeiter, denen dies bisher noch nicht gelungen ist, erhalten ab Januar ihren Lohn von der Transfergesellschaft. Zuletzt arbeiteten nach Angaben des Insolvenzverwalters noch rund 1100 Menschen für BenQ. Der Rest der ehemals 3000 Beschäftigten, die noch keinen neuen Job haben, befindet sich demnach "in Qualifizierungsmaßnahmen".

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Samsung stellt neues Modell vor: Das kann das Galaxy S9
Auf der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona hat Samsung das Galaxy S9 und S9+ vorgestellt. Mit dem neuen Smartphone können unter anderem persönliche Emojis erstellt werden.
Samsung stellt neues Modell vor: Das kann das Galaxy S9
Daimler-Großaktionär Geely: langfristiger Plan
Der chinesische Milliardär Li Shufu ist Eigentümer von knapp einem Zehntel der Daimler-Aktien. Was hat der schillernde Unternehmer damit vor? Er verspricht: Die …
Daimler-Großaktionär Geely: langfristiger Plan
Warren Buffett will viel Geld ausgeben
Omaha (dpa) - US-Staranleger Warren Buffett brennt auf große Firmenzukäufe. "Eine oder mehrere gewaltige Akquisitionen" seien nötig, um die Gewinne seiner …
Warren Buffett will viel Geld ausgeben
Erste Lebensversicherer ändern Kunden-Infos
Unvollständige oder unverständliche Angaben über den Wert einer Lebensversicherungen sollen von Sommer an der Vergangenheit angehören. Einige Assekuranzen setzen jetzt …
Erste Lebensversicherer ändern Kunden-Infos

Kommentare