Rettung für die Überreste der alten Lebensversicherung

- Dass die Renditen aus Lebensversicherungen derzeit mächtig im Sinkflug sind, müssen Versicherte zähneknirschend hinnehmen. Gegensteuern ist nicht möglich. Was Inhaber von Policen allerdings tun können, ist die "Überbleibsel" für den Erbschaftsfall zu retten. Oder die Steuerfalle schnappt zu und verschlingt noch einmal die Hälfte der ohnehin geringeren Auszahlungssumme.

<P>Eine "Kapitalleben" gehört fortlaufend den veränderten Lebensbedingungen angepasst, wie Otto Bretzinger, Verbraucherjurist der ARD, mahnt. Kümmern sollten sich vor allem Versicherte nach Trennung oder Scheidung, nach deutlichem Vermögenszuwachs sowie Policenehmer in nichtehelichen Lebensgemeinschaften. Vor allem im Trubel einer Eheauflösung kann eine notwendige Anpassung untergehen.</P><P>Die wenigsten wissen: Mit der Scheidung verliert eine Police, die früher einmal zu Gunsten des Ex-Partners abgeschlossen wurde, nicht automatisch die Bezugsberechtigung. Diese muss ausdrücklich in einem Brief an die Versicherung widerrufen und geändert werden. Ein einfaches Schreiben genügt. Selbst ein Widerruf im Testament hilft nicht, wenn der Versicherer nicht von der Änderung weiß.</P><P>Ein Beispiel: Schloss Herr Müller zwei Policen ab, nannte seine beiden Kinder als Begünstigte und legt dann aber Jahre später in seinem letzten Willen fest, dass die Gelder als Altersversorgung an seine Frau ausgezahlt werden sollen, wird die Witwe wohl leer ausgehen. Der Versicherer muss sich an die "alte" Bezugsberechtigung halten, wenn er nicht direkt von der Änderung informiert wurde.</P><P>Aber auch wer seine Bezugsverhältnisse formal ordnungsgemäß geregelt hat, muss finanziell nicht die cleverste Entscheidung getroffen haben. Die Steuerfalle lässt manches Sümmchen arg schrumpfen. Versicherungskunden verlassen sich zu oft darauf, dass die Auszahlung in jedem Fall nach zwölf Jahren steuerfrei ist. Das gilt aber zunächst nur für den Versicherungsnehmer und Beitragszahler selbst. Stirbt er und greift der Todesfallschutz für die Begünstigten, wird die Summe sehr wohl erbschaftssteuerpflichtig.</P><P>Freibeträge können zwar die Steuerlast drücken. Sobald größere Vermögen vererbt werden, werden allerdings auch Ehepartner, Kinder und Enkel kräftig zur Kasse gebeten. Steuerfreibeträge sind dann rasch aufgezehrt. Auch von der Lebensversicherung bleibt nicht so viel übrig wie geplant.</P><P>Besonders bitter können sich die Fallstricke für unverheiratete Lebenspartner auswirken: Wenn einer den anderen für den Todesfall mit einer Police absichern will, wird meist nicht bedacht, dass jeder nur einen Erb-Freibetrag von 5200 Euro hat. Von jeder zusätzlich geerbten Summe gehen 17 bis 50 Prozent an Vater Staat. Im Extremfall heißt das: Von 100 000 Euro Auszahlung im Todesfall kassiert der Fiskus etwa die Hälfte ab.</P><P>Mit einem legalen Trick lässt sich die Steuerfalle umschiffen: Der Vertrag wird - mit Billigung des Versicherers - umgestellt. Dann ist nicht länger der Kunde Versicherungsnehmer, sondern dessen Mann, Frau, Freundin. Für den Todesfall wird dagegen sein eigenes Leben abgesichert - und das Geld wird im Erbfall steuerfrei ausbezahlt. Allerdings müssen in einem solchen Fall auch die Beiträge vom Konto der Frau, Freundin oder des Mannes abgegangen sein.</P><P>Der Kniff kann auch wechselseitig funktionieren. Auch Unverheirateten steht dieser Weg offen. Einem Wechsel werde in den meisten Fällen kein Stein in den Weg gelegt, meint Markus Schwarzer von der Allianz Leben.<BR></P>

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